Verhinderung des Bauvorhabens Brabanter Str. 10 in Berlin-Wilmersdorf

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Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit dieser Petition sprechen wir uns gegen das Bauvorhaben der MUF und die damit verbundene Genehmigungspraxis und Vorgehensweise von Senat und Bezirksamt auf der Fläche Brabanter Str. 10 / Ecke Aachener Str., 10713 Berlin aus.

Die Anwohner wurden vorab in keiner Weise von offizieller Seite über dieses Vorhaben informiert und lediglich vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Beschluss ist gefasst und dementsprechend groß sind Empörung und der wachsende Widerstand.
Bei o.g. Grundstück handelt es sich um die Grünfläche am Stadtbad Wilmersdorf (Heidelberger Platz), auf der eine angebliche MUF errichtet werden soll, die rund 200 angebliche Flüchtlinge fassen soll, in akuter Planung auf 80 Jahre ausgelegt. Im Prinzip handelt es sich hier jedoch um einen Plattenbau, der dem sozialen Wohnungsbau zugeführt werden soll. Fraglich ist, ob die Inhalte der Bauanträge den Tatsachen entsprechen.

Das unzureichend beschriftete Bauschild des Landes Berlin weist darauf hin, dass hier angeblich Flüchtlinge eine Unterkunft bekommen sollen. Nach Gesprächen mit Vertretern des Bezirksamts und in einem Schreiben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen wurde angegeben, dass „Neuberliner“ und Studenten in das Gebäude einziehen sollen. Das Wort „Flüchtlinge“ scheint hier juristisch nicht angebracht. Hier wird vermutlich der Status „Flüchtling“ für eine vereinfachte Baugenehmigung und günstige Bauausführung vorgeschoben. Entgegen der eigentlichen Bestimmung zu solchen Bauvorhaben ist dieses Gebäude auf 80 Jahre ausgelegt. In der Vorlage zur Beschlussfassung wird übrigens von einer temporären Verdichtung der Brabanter Str. gesprochen - das ist bei 80 Jahren wohl eher nicht der Fall.

Zudem besteht hier der Verdacht, dass der tatsächliche Investitionsbedarf für herkömmliche Bauweisen unterschritten wird, da hier energetische Vorschriften usw. ausgehebelt sind. Hier ergibt sich eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber der privaten Bauwirtschaft. Verdeckte Profite durch falsche Angaben zu Bauanträgen können hier vermutet werden.

Ohne vorherige Aufklärung wurde rücksichtslos in einer Nacht und Nebel Aktion sämtlicher alter Baumbestand vernichtet und das Areal für Anwohner unzugänglich gemacht. Dabei wurden der öffentliche Verkehr, Fußgänger und (parkende) Fahrzeuge gefährdet, da weder Absperrungen noch Beschilderungen errichtet wurden.
Die Fällung der Bäume wirkt sich verheerend auf die Lebensqualität der autochthonen Bevölkerung aus, da die Bäume auf dem Areal einen notwendigen und erheblichen Lärm-, Sicht- und Smogschutz hinsichtlich der Autobahn geleistet haben. Hier muss der Senat den Verlust an Baumbestand umgehend ausgleichen und darlegen.
Der Erhalt der Natur für ein lebenswertes Wohnumfeld und dem Einhalt eines fortschreitenden Trends, immer mehr Grün- und Erholungsflächen zu Gunsten von Bauvorhaben ersatzlos zu zerstören, ist in dem Zusammenhang ein wichtiger Punkt. Ein Trend, der eine sinkende Lebensqualität nach sich zieht.


Verwunderlich ist in dem Zusammenhang auch, dass das Stadtbad Wilmersdorf mit seinen Außenanlagen als denkmalgeschütztes Objekt gilt, hier aber offensichtlich weder auf das Denkmal noch - wie in §10 des Berliner Denkmalschutzgesetz geregelt - das Umfeld wirklich berücksichtigt wurde. Kritisch ist hier z.B. die durch den geplanten Neubau verursachte Nachverdichtung in diesem Bereich. Auffällig ist dabei der fehlende (Sozial-)Abstand insbesondere zum Stadtbad mit seinen beiden Fensterfronten und der großzügigen Verglasung. Die großen Fensterfronten, die dieses Denkmal ausmachen, würden durch den Bau verdeckt werden und nicht zugänglich sein. Die Umgebung - die Grünflächen - bieten gerade den notwendigen Abstand, um das alte Gebäude in seiner Eigenart und Gesamtbesonderheit zur Geltung zu bringen.

Bei - nur rudimentär gewährten - Akteneinsicht bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen wurde folgendes festgestellt: Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf erteilt der übergeordneten Senatsverwaltung die Baugenehmigung - es wird folgendes gestattet:

·         Denkmalschutz: Trotz erheblicher Bedenken der Denkmalschutzbehörde und kein Einvernehmen mit dem Denkmalamt

·         Überschreitung der Anzahl der Vollgeschosse

·         Überschreitung der max. zulässigen Länge des Gebäudes von 50m um 12m (geschützte Bäume hätten erhalten werden können)

·         Überschreitung der Baugrenzen

·         Überschreitung der GFZ (Geschossflächenzahl), also viel größeres Bauvorhaben als zulässig

All diese Vorgänge sind höchst bedenklich - Bezirksamt und Senat werfen sich hier gegenseitig die Bälle zu und alle planungsrelevanten Parameter scheinen mit Füßen getreten zu werden.
Entgegen der Vorschriften scheinen hier die Belange der bisherigen Anwohner sowie die üblichen baurechtlichen Voraussetzungen vorsätzlich ignoriert, die Durchführung der Gesamtplanung sogar verschleiert worden: ersatzloser Wegfall sämtlicher Parkplätze, Straßenlandveränderung, Errichten einer Begegnungszone mit z.B. unpopulären Tischtennisplatten (Lärmbelästigung der Anwohner) etc.

Mit dem Bauvorhaben geht auch eine drastische Verschlechterung der Arbeitnehmer und Besucher des Sankt Gertrauden-Krankenhauses und anderen Gewerbetreibenden in dieser Straße und Umgebung einher. Es existiert hier keinerlei Infrastruktur, die rund 200 Neubewohner plus zu vermutendes 30-köpfiges Personal aufnehmen könnte. Kindergärten, Schulen, Freizeitmöglichkeiten, Arbeitsplätze, Versorgungsleitungen etc. sind nicht vorhanden. So wird und kann Integration nicht funktionieren.

Hier soll aber die grundsätzliche Bebauung des Areals in Frage gestellt werden, nicht ausschließlich die vom Bezirksamt behauptete zukünftige Nutzung.

Gerüchten zufolge soll hier auch ein ständiger Sicherheitsdienst vor Ort sein. Gründe für die Notwendigkeit wurden nicht benannt.


Allerdings kann hier vermutet werden, dass vorgebeugt werden soll, da die Aachener Str., die eine Weiterführung der Brabanter Str. bildet, in der Vergangenheit durch zahlreiche Einbrüche auffällig geworden und für Frauen mittlerweile nahezu nicht passierbar ist, da es immer wieder zu unerfreulichen Begegnungen mit Migranten kam, die in der Unterkunft Aachener Str. wohnen.
Der Drogen- Umschlagplatz U-Bahnhof Heidelberger Platz legt die Befürchtung nahe, dass sich das Wohnklima nachhaltig verschlechtern wird. Es stellt sich die Frage – auch im Hinblick auf das durch die große Fensterfront gut einsehbare Stadtbad und der hier badeüblichen Bekleidung von Frauen, die in den Herkunftsländern der Migranten nicht üblich ist – wie die Sicherheit der hiesigen Bevölkerung gewährleistet werden soll vor Überfällen, Sachbeschädigung, Vergewaltigung etc.

Durch die Art der Riegelbebauung und Einzäunung wird hier eine Ghettoisierung provoziert, die weder den alten Bewohnern noch den neuen Heim-Bewohnern ein Miteinander vermittelt. Die Massierung, die hier in Wilmersdorf mit je einer MUF in unmittelbarer Nähe in der Forckenbeck Str., Fritz-Wildung-Str., Brabanter Str. und Aachener Str. stattfindet, ist ebenfalls höchst bedenklich und zeugt eher von einer willkürlichen Hauruck-Aktion als einer gut durchdachten Lösung.

Grundsätzlich muss hier auch angemerkt werden, dass es falsch ist, von jedem Bezirk gleich viele Flächen für MUFs zu verlangen, da die Innenbezirke weniger Flächenreserven haben als die Außenbezirke. 

Der Senat hatte das Grundstück Brabanter Str. 17 ursprünglich im Jahr 2018 (s. Artikel Berliner Morgenpost vom 25.03.2018) als ungeeignet eingestuft. Die Gründe hierfür lassen sich nur auf eine ungeeignete Infrastruktur und den nun scheinbar umgangenen Denkmalschutz zurückführen.

Der Neubau ist für die dort schon länger lebenden Bürger eine sozial nicht zu bewältigende Aufgabe und höchstwahrscheinlich baurechtlich unzulässig. 

Gewünschte Integrationserfolge können unter den genannten Umständen nicht gelingen. Auch würden die neuen Bewohner unwissentlich benachteiligt, da ihnen die Vorgeschichte dieses Ortes nicht bekannt sein kann und ihnen der Unmut der Altbewohner entgegenschlägt (Grünfläche, Auslaufgebiet für Hunde, Abkürzung zum ÖPNV, verdunkelte Wohnungen, Thermik usw.).

Wir appellieren an die Kompetenz von allen Entscheidungsträgern, dieses Bauvorhaben nicht weiter umzusetzen und umgehend eine Renaturierung der Fläche einzuleiten. Parallel dazu fordern wir eine vollumfängliche baurechtliche Überprüfung sämtlicher Anträge. 

Uns liegen über 600 Unterschriften vor (on- und offline) von Menschen aus der unmittelbaren Umgebung, die diese Petition unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen

Francesca Thiel

mit Ingo Alisch & Team-Brabanter Str., 10713 Berlin-Wilmersdorf