
Liebe Freund*innen von Sea-Eye,
während unser erster Einsatz im kommenden Jahr wegen eines Spendeneinbruchs weiter ernsthaft gefährdet ist, offenbart sich auf der laufenden Mission die ganze Grausamkeit staatlichen Handelns.
Dass die EU und ihre Mitgliedsstaaten tatenlos zusehen, während im Mittelmeer Menschen ertrinken, ist ebenso skandalös wie lange bekannt. Am vergangenen Wochenende dokumentierte die Crew der SEA-EYE 4 die gesamte Dimension dieser Grausamkeit.
45 Menschen kämpften tagelang in einem seeuntauglichen Boot in der maltesischen Such- und Rettungszone ums Überleben. Statt jedoch die Rettung zu koordinieren, hat die Seenotleitstelle versucht, Handelsschiffe durch Einschüchterung und Androhung von Konsequenzen am Retten zu hindern. Ein Schiff brach daraufhin die Suche ab. Zum Glück setzte ein anderes Schiff die Suche dennoch fort und konnte die Menschen tatsächlich finden. Als die SEA-EYE 4 schließlich eintraf, konnten dadurch alle Menschen gerettet werden.
Ganze sechs Tage waren die 45 Personen bereits auf offener See, mindestens drei Tage wussten sowohl maltesische als auch italienische Behörden Bescheid. Italien wies die SEA-EYE 4 dennoch an, umgehend den Hafen von Livorno anzusteuern. Nahezu alle Geretteten haben Verätzungen durch ausgetretenes Benzin erlitten, darunter mindestens 17 schwere Fälle. Das medizinische Team konnte alle Menschen erstversorgen. Jetzt ist die SEA-EYE 4 auf dem Weg in den Hafen von Livorno, um die Menschen endlich in Sicherheit zu bringen. Lesen Sie hier unseren ausführlichen Bericht über den Fall.
Die jüngsten Ereignisse haben wieder einmal gezeigt, dass wir weder von Malta noch Italien oder sonst einem EU-Staat Rettungseinsätze in 2023 erwarten können. Das bedeutet für uns, dass unsere Arbeit weiterhin überlebenswichtig ist.
Zur Wahrheit gehört, dass wir noch immer einen Spendeneinbruch von rund 23 % im Vergleich zum Vorjahr haben. Wir bitten Sie deshalb noch einmal um Ihre Unterstützung und auch darum diese Information mit Ihren Familienmitgliedern und Freund*innen an Weihnachten zu teilen. Denn unseren ersten Einsatz im Januar 2023 können wir nur durchführen, wenn wir in den letzten Tagen des Jahres noch genügend Spenden sammeln.
Wir melden uns um Weihnachten noch einmal mit aktuellen Informationen zur Ausschiffung der 108 geretteten Menschen im Hafen von Livorno.
Herzliche Grüße
Ihr Gorden Isler
- Vorsitzender Sea-Eye e.V.