
Liebe Freund*innen von Sea-Eye,
in meiner letzten Nachricht schrieb ich: „Was für ein Dienstagmorgen!“ und meinte damit die Rettung von 325 Menschen aus fünf Booten innerhalb weniger Stunden, die wir gemeinsam mit der RISE ABOVE durchführen konnten. Da ahnten wir noch nicht, was in den kommenden Stunden noch auf uns zukommen würde.
Der Crew wurden am Mittwoch zwei weitere Seenotfälle gemeldet. Aus dem ersten Boot retteten wir 72 Menschen, darunter 13 Kinder. Der zweite Seenotfall gestaltete sich sehr kompliziert. Das zweistöckige Holzboot war mit über 400 Menschen völlig überladen und instabil. Als wir eintrafen, gab es bereits ein Leck und Wasser drang ein. Gemeinsam mit der RISE ABOVE versorgten wir die Menschen zügig mit Rettungswesten, beruhigten sie und stabilisierten zunächst die gefährliche Situation. Denn ein so großes Holzboot kann leicht kentern, wenn Unruhe oder sogar Panik aufkommt.
Medizinische Notfälle wurden zuerst auf die SEA-EYE 4 evakuiert, wo sie in unserer Krankenstation behandelt werden konnten. Eine Person konnte noch auf dem Rettungsboot auf dem Weg zur SEA-EYE 4 erfolgreich reanimiert werden. Die vollständige Evakuierung des Holzbootes konnte erst um Mitternacht abgeschlossen werden.
Es befinden sich nun mehr als 800 Menschen auf der SEA-EYE 4, die inzwischen Kurs auf Lampedusa genommen hat. Die italienische Insel ist nur wenige Stunden vom Unglücksort entfernt und so der am schnellsten erreichbare, sichere Hafen.
Wie bereits angekündigt, möchten wir die SEA-EYE 4 auch im Dezember wieder in den lebensrettenden Einsatz schicken. Bitte unterstützen Sie uns weiter, damit wir die Rettungsmission finanzieren können.
Herzliche Grüße
Ihr Gorden Isler
- Vorsitzender von Sea-Eye e. V.