Stoppen Sie die Waldvernichtung in Weiden in der Oberpfalz

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Am westlichen Stadtrand von Weiden befindet sich ein Erholungswald, der eine Ausweisung zum Bannwald verdienen würde. Zurzeit wird der Wald rentabel bewirtschaftet und bietet dabei zahlreichen geschützten Tierarten Lebensraum.

In diesem Gebiet will die Stadt Weiden 75 Hektar Wald zerstören, um ein neues Gewerbegebiet zu errichten.

Weil es sich um Staatswald handelt, möchte die Stadt einzelne, eigens zu diesem Zweck erworbene Waldgrundstücke in Franken gegen den stadtnahen Wald tauschen. Sobald der Staatswald bei Weiden in den Besitz der Stadt übergeht, hätte die Stadt freie Hand, hier einen Kahlschlag durchzuführen.

Dieser Tausch bedarf aber der Zustimmung des Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten.

Deshalb appellieren wir an Sie, darauf hinzuwirken, dass diesem Tausch nicht zugestimmt wird. Diese Petition wird unterstützt von: Bund Naturschutz, Bayern, Landesbund für Vogelschutz, Weiden- Neustadt/WN, Schutzgemeinschaft deutscher Wald, Neustadt/WN-Weiden

Begründung:

In der Regierungserklärung vom 1. Juli.2014 hat die bayerische Staatsregierung das Jahr 2015 zum bayernweiten „Aktionsjahr Waldnaturschutz“ ausgerufen.

Es darf nicht sein, dass in eben diesem Jahr die Voraussetzungen geschaffen werden, um 75 Hektar stadtnahen Erholungswald zu roden und den Lebensraum vieler geschützter Tierarten zu zerstören. Zum Beispiel von Rote-Liste-Arten wie dem Baumpieper, der Bechsteinfledermaus und dem Abendsegler.

Wir appellieren deshalb an Sie, auf einen Stopp dieses Grundstückstausches der Staatsforsten mit der Stadt Weiden hinzuwirken, damit nicht 75 Hektar unersetzlicher Wald mit wertvollem altem Baumbestand für die Pläne einer Stadt geopfert werden, die in einer Region mit 250 Hektar bereits erschlossenen, verfügbaren Industrieflächen liegt.

Neu ausgewiesene Gewerbegebiete müssten dann von einer finanziell schwer angeschlagenen Stadt zu Dumpingpreisen verschleudert werden.

Es gibt in Weiden sehr wohl Flächen,  die sich besser für neue Industrieansiedlungen eignen, darunter auch Altlasten wie ein leeres Bahnhofsgelände, Flächen neben der Autobahn, die verkehrsplanerisch wesentlich leichter zu erschließen sind, sowie ein defizitärer Flugplatz im Besitz der finanziell klammen Stadt.

Überdies befinden sich lt. SISBY, dem Standortportal der IHK im Bereich der Stadt Weiden mehr als 5,5 Hektar freie Gewerbeflächen (Abfrage vom 13.08.14). Und in unmittelbarer Nachbarschaft sind in Schirmitz seit mehreren Jahre 9 Hektar im Angebot sowie in Pressath 21 Hektar plus 4,5 Hektar, in Windisch-Eschenbach 6 Hektar und in Pirk 9 Hektar (alles zusammenhängende Flächen), um nur einige Beispiele zu nennen (Abfrage 1.7.2015)

Während wir in Zeiten des Klimawandels den Wald als CO2-Speicher dringend benötigen und wir die Abholzung des Regenwaldes beklagen, will Oberbürgermeister Seggewiß ohne Not einen für Mensch und Natur wichtigen Erholungs- und Lebensraum vernichten. Überdies würde zusätzliches Verkehrsaufkommen, auch von Schwerlastern, die leidgeplagten Anwohner der B 470 zusätzlich durch Lärm, Erschütterungen und Feinstaub belasten.

Wenn der Wald erst gerodet und die Flächen versiegelt wären, könnte er auch seine Funktion als  Grundwasserspender  für die in seiner Nachbarschaft befindlichen Trinkwasserbrunnen der Stadt Weiden nicht mehr erfüllen.

Der Wald erfüllt sämtliche Funktionen, die eine Ausweisung zum Bannwald rechtfertigen würden:  lokaler Immissionsschutzwald, Wasserschutzwald, Erholungswald der Stufe I, Arten- und Biotopschutzwald. Ein stadtnaher Wald, eingebettet in ein geschlossenes Waldgebiet und mit solchen Funktionen belegt, war für Rodungen von jeher tabu.

Dies war auch in den alten Regionalplänen so festgeschrieben.

Das bayerische Waldgesetz hat hier klare Vorgaben:

Art. 11 Bannwald

(1) Wald, der auf  Grund seiner Lage und seiner flächenmäßigen Ausdehnung vor allem in Verdichtungsräumen und waldarmen Gebieten unersetzlich ist und deshalb in seiner Flächensubstanz erhalten werden muss und welchem eine außergewöhnliche Bedeutung für das Klima, den Wasserhaushalt oder für die Luftreinigung zukommt, soll durch Rechtsverordnung zu Bannwald erklärt werden.

(2) Zu Bannwald kann durch Rechtverordnung ferner Wald erklärt werden, der in besonderem Maße dem Schutz vor Immissionen dient.

Stadtplanerisch ist die Lage dieses geplanten Gewerbegebietes ein Fiasko:

Es befände sich im Westen der Stadt, und damit genau in der Frischluftschneise.  Hinzu kommen ungelöste Probleme mit Hochwasserschutz und Verkehrsplanung.

Die Verantwortlichen der Stadt haben, wie sie selbst zugeben, keine Vorstellung von der Höhe der Kosten für Hochwasserschutz, Verkehrsplanung und Ausgleichsmaßnahmen, die im Falle einer Rodung auf sie zukämen.

Hauptargument für den Wald als künftiges Industriegebiet ist, man müsse nur mit einem, nicht mit mehreren Grundstücksbesitzern verhandeln und der Wald sei sowieso nichts wert. „Wirtschaftswald … ohnehin zur Ernte angepflanzt“, meint OB Seggewiß.

Die von der Stadt Weiden in Auftrag gegebene Studie zur speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung widerspricht dem eindeutig: Unter anderem gibt es in dem Kiefernwald, der mit teils jungen Laubbäumen durchsetzt ist, aber auch alte Bäume mit Bruthöhlen aufweist, 50 Brutvogelarten (davon 19 geschützt), 16 Fledermausarten (davon 13 auf der Roten Liste), mehrere Amphibien- und Reptilienarten sowie 62 Ameisenhügel.

Ein Kiefernmischwald wie dieser kann auch die Folgen der bevorstehenden Klimaerwärmung überstehen.

Das o.g. Gutachten hält die Rodung zwar für ausgleichbar, die geforderten Ausgleichsmaßnahmen - falls überhaupt erfolgreich durchführbar - wären jedoch mit einem hohem Kosten- und Zeitaufwand verbunden. Die Ausgleichsflächen müssten zudem von der Stadt erst erworben werden, dann könnten Umsiedlungsaktionen in nicht vorhersehbaren Zeiträumen stattfinden.

„Bisher sind Staatswälder natürliche Wachstumsgrenzen für Kommunen. Wenn das Weidener Modell Schule macht, etwa rund um den Hofoldinger Forst bei München, dann brechen die letzten Dämme, denn nicht nur Weiden hat Expansionsgelüste.“ (SZ, 26. 4.2013)

Bayern ist im bundesweiten Flächenverbrauch Spitzenreiter. Gleichzeitig wächst der Bestand an ungenutzten Flächen täglich um 9 Hektar. Die Gemeinden buhlen um Ansiedlung jedweden Gewerbes in der oft vergeblichen Hoffnung auf Gewerbesteuer und Arbeitsplätze, denn erst einmal müssen sie in Vorleistungen für die Infrastruktur gehen.

Eine Bedarfsanalyse und Wirtschaftlichkeitsberechnung findet in der Regel nicht statt.

Aus diesen Gründen appellieren wir an Sie, sich dafür einzusetzen, dass der Wald bei Weiden an der B 470 für ein Industriegebiet nicht geopfert und stattdessen durch eine Ausweisung als Bannwald unter dauerhaften Schutz gestellt wird.



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