Kitas und Schulen müssen offen bleiben - auch bei einem Lockdown

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Kitas und Schulen müssen offen bleiben - auch bei einem Lockdown

Update:

Wir, die Erstunterzeichnenden, haben die Petition den neuen politischen Ereignissen und epidemiologischen Erkenntnissen angepasst. Wir wissen um die Zahlen, trotzdem wollen wir die verantwortlichen Politiker*innen an ihre Worte erinnern, dass Kitas und Schulen als letztes geschlossen werden. Das ist nicht der Fall: Die Wirtschaft, Automobilbetriebe usw. sind weiterhin in Betrieb. Kitas und Schulen dagegen geschlossen. Beim Infektions- und Übertragungsgeschehen ist es wichtig, beim Alter der Kinder zu unterscheiden. Der jetzigen internationalen Studien-Lage nach sind Infektionen und Infektionsübertragungen bei Kindern unter 12 Jahren sehr niedrig. Gleichzeitig braucht genau diese Altersgruppe den Kontakt, hier kann digital so gut wie keine Wissensvermittlung stattfinden. Neueste Studien zeigen, wie alarmierend die Lücken sind. Die soziale Spaltung unserer Gesellschaft wird noch weiter auseinandergehen. Denn Schulschließungen verschärfen die ungleichen Bedingungen und Voraussetzungen - ob Eltern sich digitale Endgeräte leisten können oder nicht, ob Kinder einen Ort haben, an dem sie in Ruhe lernen können, ob Eltern die Zeit und Voraussetzungen haben, mit ihren Kindern zu lernen usw. All dies vergrößert Bildungsungerechtigkeit.

Vor allem müssen uns die Zahlen von misshandelten Kindern und Jugendlichen alarmieren. So wurden zum Beispeil im letzten Jahr deutlich mehr Kinder und Jugendliche stationär mit einem solchen Hintergrund in der Klinik der LMU aufgenommen wie im Jahr zuvor.

Unsere Forderung: Unter verbesserten Rahmenbedingungen müssen Kitas und Schulen schnellstmöglich wieder in Präsenz stattfinden. Dabei müssen auch so kreative Lösungen berücksichtigt werden, wie zum Beispiel Streaming von Unterricht für Kinder, die Risikopatient*innen sind oder in deren Familie es solche gibt.

Wir bleiben deswegen dran, um zu zeigen, dass die Priorität wirklich auf den Kindern liegen muss, schon allein damit sich soziale Ungleichheiten nicht noch weiter vergrößern. Nicht zu vergessen die psychosozialen Folgeschäden. Kinder brauchen einfach Kinder.

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr schienen sich Politiker*innen aller Parteien einig. Noch vor Weihnachten bekräftigte die Kanzlerin, die Schulen seien das letzte, was geschlossen würde. Die Realität ist eine andere. Von allen Politiker*innen war zu hören: Bei einem erneuten Lockdown dürfen nicht wieder die Kinder und deren Familien durch Schließungen der Einrichtungen darunter leiden. Unter der Federführung des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat eine Expert*innengruppe Leitlinien für die Schulen erarbeitet. Auch in diesen ist das Ziel klar formuliert:

„Komplette Schulschließungen dürfen nur ein letzter Schritt im Rahmen eines Ausbruchsmanagements sein, wenn es nachweislich zu vermehrten Übertragungen innerhalb der jeweiligen Einrichtung gekommen ist.“

(Zitiert aus den Leitlinien des LGL, S. 37 Die gleiche Forderung wird auch von den European Centers for Disease Control (ECDC) erhoben https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/children-and-school-settings-covid-19-transmission

Es gibt eine Reihe von Studien, die zeigen, dass Kinder insbesondere im Kita-  und Grundschulalter nicht die Treiber der Infektionsverbreitung sind. (Siehe dazu die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygene vom 18.1. https://dgpi.de/aktualisierte-stellungnahme-der-dgpi-und-der-dgkh-zur-rolle-von-schulen-und-kitas-in-der-covid-19-pandemie-stand-18-01-2021/ oder auch die Studie der Charité, die Corona-Kita-Studie des Deutschen Jugendinstituts mit dem RKI und die Stellungnahme des Dachverbands der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften vom 4.8.2020)

Allerdings gibt es eine Reihe von Hinweisen, welche enormen Auswirkungen die Kita- und Schulschließungen auf Familien und insbesondere Kinder und Jugendliche in den unterschiedlichen Bereichen wie Bildung, physische und psychische Gesundheit während des ersten Shutdowns hatten und jetzt wieder haben.

Deswegen fordern wir*:

Kitas und Schulen müssen wirklich als letztes geschlossen und als erstes wieder geöffnet werden. Es sei denn, die Schule selbst ist der Hotspot.

Es muss auch Lösungen für Risikopatient*innen innerhalb der Schulfamilie geben - so kann z.B. eine Lehrkraft weiter Online-Unterricht geben, wenn sie gefährdet ist oder Unterricht gestreamt werden.

Wir fordern das Parlament und die Staatsregierung des Freistaats Bayern auf, dafür Sorge zu tragen, dass ihre eigenen Richtlinien umgesetzt werden.


*Erstunterzeichende:
(zunächst Einzelpersonen in alphabetischer Reihenfolge, dann Organisationen)

Kathrin Buchner, Redakteurin, Teamleiterin Digital PULS, BR
Prof. Johannes Hübner, Kinder-und Jugendarzt, Infektiologe
Hermann Imhof, MdL a.D.
Wolfgang Krebs, Kabarettist
Prof. Dr. Thomas Lang Vors. VLKKD Bayern
Prof. Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer Deutsche Liga für das Kind
Prof. Dr. Holm Putzke, Bezirksvorsitzender des Arbeitskreises Juristen Niederbayern

Helmut Schleich, Kabarettist
Gerd Schulte-Körne, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie, LMU
Anna Schweda, Erziehungswissenschaftlerin, DJI e.V.
Reserl Sem, MdL a.D.
Claudia Stamm, Journalistin, MdL a.D.
Prof. Dr. Christian Wieg, 2. Vors. VLKKD Bayern

Organisationen:
 
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Landesverband Bayern e.V. (BVKJ), Vorsitzender Dr. Dominik A. Ewald  
Familien in der Krise, Anna Wildegger
Kinder brauchen Kinder, Sabine Kohwagner