

Zwischen "Säge frei" und "Bevormundung", oder
"Diktatur der Ökofreaks" versus "Ökoanarchie"
Ein Plädoyer für die Baumschutzsatzung
von Stefan Weinert, RAVE
Es streiten sich Gemeinden, Hausbesitzer und Naturschützer darum, ob eine offizielle Baumschutzverordnung (BaumV) / Baumschutzsatzung (BaumS) sinnvoll und hilfreich ist, oder ob der leicht erhobene "Ökofinger" ausreicht, wenn er an die Vernunft, Einsicht, Weitsicht und Freiwilligkeit der Baum- und Gehölzbesitzer appelliert bzw. auf sie baut.
In manchen Städten Deutschlands gibt es seit den 1980er Jahren eine BaumS (Berlin), in manchen bis heute überhaupt keine. Es gibt auch Kommunen, die ihre BaumS wieder abgeschafft haben und solche, die sie nach Abschaffung wieder einführen wollen. Während sich die einen durch eine BaumS bevormundet fühlen, argumentieren die Befürworter damit, dass es ohne Vorschriften keinen wirklichen, sondern nur willkürlichen Schutz für Bäume und Gehölz gibt. Schließlich gäbe es auch ein MutterSCHUTZgesetz, Kinder- und JugendSCHUTZgesetz, KündigungsSCHUTZgesetz, TierSCHUTZgesetz usw.
Würde man/frau auch hier nur auf Vernunft, Einsicht und Freiwilligkeit bauen, wäre es um unsere Gesellschaft noch schlimmer bestellt, als es ohnehin schon der Fall ist. Der Mensch - Du und ich - ist nun mal so gestrickt, dass er für manche Fälle und Angelegenheiten und für bestimmte Gebiete Vorschriften benötigt, damit die Gesellschaft einigermaßen funktioniert. Aber weder darf es zu einer "Diktatur der Ökofreaks", nicht zu einer "Ökoanarchie" kommen.
Eine Baumschutzsatzung soll Bauvorhaben oder andere Investitionen nicht generell verhindern. Sie dient vielmehr dazu, eine willkürliche und unkontrollierte Beseitigung oder Schädigung von Bäumen und Gehölzen (Amtssprache: Großgrün) zu verhindern. Soweit Bäume wegen anderer Belange notwendiger Weise zu fällen sind, muss auf ihrer Grundlage ein angemessener Ersatz von der Kommune durchgesetzt und umgesetzt werden. Damit gelingt es den funktionell wirksamen Baumbestand, der nicht allein gleichzusetzen ist mit der absoluten Anzahl der Bäume, auf einem bestimmten Niveau zu halten.
Erste BaumS in Deutschland sind bereits aus dem 18. Jahrhundert bekannt. Dabei geht es ja nicht nur um den Schutz der Bäume und der Gehölze, die auch Lebewesen sind, denn sie können untereinander kommunizieren, sondern es geht vor allem um den "Schutz der Bäume zum Schutz des Menschen und der Fauna" und ihrer Lebensqualität.
Zur Erinnerung: Bäume binden CO2 (NO)und produzieren Sauerstoff, sie fangen Staub in ihren Kronen auf und schirmen Lärmquellen ab. In den immer heißer und länger werdenden Sommer spenden sie Schatten und erhöhen durch ihre Verdunstung die Luftfeuchtigkeit, bilden Verdunstdungskälte und verbessern vor allem in stark versiegelten Stadtbereichen das Mikroklima. Bäume lassen uns auch im städtischen Raum Natur empfinden und den Wechsel der Jahreszeiten erleben. Sie sind gleichzeitig Lebensraum für viele Tierarten, die ohne Baum und Gehölz - und manchmal sogar ohne die konkrete Baumart/Gehölz - aus unserer Stadt verschwinden würden. Bäume können „Hässliches“ kaschieren. Sie gestalten und verschönern unsere Stadt und bestimmen im entscheidenden Maße unsere Wohnqualität.
Eine ganz wesentliche Funktion einer BaumS ist die geordnete Festsetzung und Durchsetzung von schützenden und erhaltenden Maßnahmen an Bäumen im Zusammenhang mit Bauarbeiten aller Art. Hierbei geht es sowohl um den Schutz des Wurzelraumes bzw. um Wurzelsanierung bei Tiefbauarbeiten, als auch um den Schutz von Stamm- und Kronenbereichen. Die Anwendung bestehender fachlicher Normen für den Umgang mit Bäumen hat in der Praxis ganz erheblich durch die BaumS gewonnen.
Quellen: verschiedene und
"Untere Naturschutzbehörde", 07545 Gera
Umwelt@Gera.de
Stefan Weinert, RAVE, 20. September 2018
PS - Die Petition für eine BaumS in RV hatte gestern Morgen 106 Unterschriften. Heute Abend Punkt 20 Uhr sind es bereits 145 Unterschriften. Vielen Dank an jeden von euch persönlich und weiter so..