Rettung der Integrations-und Berufssprachkurse

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RETTEN SIE DIE INTEGRATION!

Wir leben im Jahr 2020 - einem Jahr, das niemand von uns so vorhersehen konnte. Ein Jahr, in dem vieles auf die Probe gestellt wird und in dem es besonders wichtig ist, auf komplizierte Herausforderungen angemessen und klug zu reagieren.

Das mag die Politik in manchen Bereichen durchaus erfolgreich gemeistert haben, andere Bereiche dagegen scheinen völlig aus dem Blickfeld der Politik und der Medien geraten zu sein.

Als von den Widersprüchlichkeiten rund um die Soforthilfe betroffener selbständiger Honorardozent in Integrations- und Berufssprachkursen will ich mich hier aber nicht mit den bekannt schwierigen Arbeits- und Entlohnungsbedingungen in der Erwachsenen-und Weiterbildung beschäftigen, sondern einen Appell für eine Rettung der Integrationsmassnahmen starten.

Die Situation im August 2020 ist für viele Teilnehmende der Sprachkurse frustrierend und unbefriedigend. Das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat den Trägern der Sprachkurse zwar Möglichkeiten geboten, um die Kurse fortsetzen zu können, aber leider haben diese Optionen alle mehr Nach- als Vorteile.

1. Man kann weiterhin wie vor der Corona-Pandemie in großen Gruppen unterrichten.

PROBLEM: kaum eine Sprachschule verfügt über ausreichend Räumlichkeiten, in denen die Abstandsregeln eingehalten werden könnten. Vielleicht können einige Kurse so fortgesetzt werden, viele aber nicht und an einen Start neuer Kurse ist kaum zu denken. Eine Lösung durch eine Maskenpflicht während eines Sprachunterrichts, in dem Teilnehmende generell Scheu vor dem Sprechen und Probleme mit der Aussprache haben, halte ich für nicht zielführend.

2. ONLINE-Unterricht im virtuellen Klassenzimmer.

PROBLEM: Teilnehmende verfügen oft nicht über die technische Ausstattung, besonders für Teilnehmende mit niedrigem Sprachniveau ist Online-Unterricht aufgrund technischer und sprachlicher Barrieren kaum möglich. Der soziale Kontakt, der für Teilnehmende generell ein großes Problem bei ihren Integrationsbemühungen darstellt, wird dadurch weiter eingeschränkt.

3. Unterricht mit geteilten Klassen: Man hat z.B. eine Klasse mit 20 Teilnehmenden - die werden  dann in zwei Gruppen à zehn TN aufgeteilt. Eine wirklich gute Idee, aber beide Gruppen haben weiterhin nur eine Lehrkraft. Das heißt, die Lehrkraft wechselt ständig zwischen den Räumen sowie zwischen Präsenz-Unterricht und sogenannten Selbstlernphasen. 

PROBLEME: die Teilnehmenden sind mehrheitlich unzufrieden, der Träger kann durch jeweils einen zusätzlichen Raum, den er pro Kurs benötigt, deutlich weniger Kurse anbieten. Die Lehrenden dienen als Prellbock der Unzufriedenheit.

Was sind die KONSEQUENZEN der aktuellen Situation? 

Eine gewisse Anzahl der Teilnehmenden kann die Sprachkurse nicht fortsetzen, an den Start neuer Kurse ist derzeit an vielen Einrichtungen gar nicht zu denken.

Diese Situation stellt nicht nur für selbstständige Honorarkräfte eine existentielle Bedrohung dar, sondern auch viele Teilnehmende sehen ihre Zukunftsperspektiven in Deutschland gefährdet. 

Die Sprache wird gerne als Schlüssel zur Integration bezeichnet. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse werden die Chancen auf einen Ausbildungsplatz, eine Arbeitsstelle oder einen Studienplatz erheblich gemindert. Hoffnungen junger Menschen werden zerstört, die Frustration steigt, die Motivation sinkt. Die Folgen dieser Politik werden bald nicht nur auf dem Arbeitsmarkt gravierende Folgen haben.

Was könnte die LÖSUNG sein? Das BAMF sollte auch Kurse mit geringen Teilnehmerzahlen ausreichend finanzieren sowie Kursteilungen mit dann zwei Lehrkräften ermöglichen. Vereinfacht gesagt: Aus bislang einem Kurs werden dann offiziell zwei Kurse. Natürlich kostet das mehr Geld und löst nicht alle Probleme wie Räumlichkeiten, aber gewisse Abstriche in dieser schwierigen Pandemie müssen gemacht werden. Geld, das jetzt investiert wird, sind Investitionen in die Zukunft, von denen die gesamte Gesellschaft profitiert.

Sehr geehrte Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, bitte handeln Sie jetzt im Sinne der Zuwanderinnen und Zuwanderer. Lassen Sie das zart wachsende Pflänzchen der teilweise erfolgreichen Integrationsbemühungen der vergangenen Jahre nicht vertrocknen. 

Bitte vergessen Sie unsere neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht! Sie brauchen eine Perspektive, sie brauchen qualitativ hochwertigen Präsenzunterricht, um ein anerkannter und sich selbst finanzierender Teil der deutschen Gesellschaft zu werden.