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Aufruf zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen von Sprachkursleitenden

"Integration durch Sprache." (Website des Goethe-Instituts) oder "Den Menschen im Blick. Schützen. Integrieren." (Website des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge),

so oder so ähnlich lauten die Slogans, mit denen die Integration von ZuwandernInnen in Deutschland von öffentlicher Stelle beworben wird. Das Bild des Weges in die Gesellschaft über die Sprache leuchtet ein; aber wer hilft ZuwanderInnen auf diesem Weg? Es sind die DozentInnen, die z.B. in den Integrations- und Orientierungskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe innehaben, Menschen unterschiedlichster Herkunftsländern, Altersgruppen und Bildungsschichten sowohl sprachliche Fertigkeiten als auch wichtige Informationen für das alltägliche Leben in Deutschland zu vermitteln. Diese Dozenten sind wir.

 

So groß diese Aufgabe ist und so wichtig die Schlüsselrolle, die unsere Arbeit im Integrationsprozess spielt, so prekär sind die versicherungs- und lohntechnischen Bedingungen, in denen die Meisten von uns arbeiten. Als SprachkursdozentIn ist man fast immer als Honorarkraft beschäftigt, d.h. wir arbeiten selbstständig als FreiberuflerInnen. Sobald man nur in einer Institution arbeitet, d.h. nur Stunden bei einem Sprachkurs-Träger hat, rutscht man automatisch in die „Scheinselbstständigkeit“. Da wir eben freiberuflich tätig sind, d.h. bei den Trägern nur Honorarverträge haben, haben wir keinerlei Anspruch auf Sozialleistungen, wie z.B. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Hinzu kommt, dass wir all unsere Sozialabgaben (z.B. Kranken- und Rentenversicherung) selbst zahlen müssen - und das von einem durchschnittlichen Unterrichtsstundenhonorar von 20,-€.

Wir haben das Brutto-/Netto-Verhältnis hier mal exemplarisch aufgeschlüsselt:

Berechnung eines Netto-Stundenhonorars

Basis:
20 Honorar/brutto pro Unterrichtsstunde (45 min.)
(ca. 25 UST pro Woche)

20,00 Euro

-      3,78 Euro  Rentenversicherung
-      3,10 Euro  Krankenversicherung
-      0,44 Euro  Pflegeversicherung
-      0,80 Euro  freiwillige Arbeitslosenversicherung
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11,88 Euro

-     1,66 Euro  14 % Steuern
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10,22 Euro

-     1,14 Euro   nicht bezahlte Krankheitstage
-     2,41 Euro   nicht bezahlte Urlaubstage (28)
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6,67 Euro   Honorar/netto pro Unterrichtsstunde

-     1,66 Euro    25 % Vorbereitungszeit
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 5,01 Euro bleiben also netto pro Unterrichtsstunde (45 min)

Ganz genau aufgeschlüssel und beschrieben finden Sie das noch einmal hier: stundenhonorar-erlaeutert.

(vgl. auch die Aufschlüsselung  der Hamburger Kollegen von der Hamburger Initiative: http://www.daf-initiative.de/?Nettoeinkommen)

Mehr Informationen und Beispiele zu den Arbeitsbedingungen für Dozenten in Integrationskursen geben auch die von der GEW herausgegebenen Schwarzbücher. Hier das Schwarzbuch II als pdf zum Download: Schwarzbuch 2 Integrationskurse

Was wollen wir also?

1. Weiterbildung muss für die pädagogische Qualität staatlich subventioniert werden.

2. Die Bezahlung der in der Weiterbildung tätigen Dozenten sollte am öffentlichen Dienst orientiert und an dessen Tarifentwicklung angekoppelt sein.

3. Feste Stellen müssen für Dozenten geschaffen werden, um „Scheinselbstständigkeit“ abzuschaffen. Deshalb braucht es die Festlegung eines Mindestanteils an festen Stellen bei den Trägern.

4. Werden Honorare gezahlt, so sollten diese mindestens 30 €/Unterrichtsstunde betragen - plus Mindeststundengarantie, plus anteilige Zahlungen an die Sozialversicherung, plus Urlaubs- und Krankengeld sowie bezahlte Mitarbeiterkonferenzen, Teambesprechungen und Fortbildungen. (Dazu entsprechende Erhöhung der BAMF-Teilnehmerpauschale.)

5. Die Auftragsvergabe für Kurse darf sich nur an Träger richten, die sich an die unter Punkt 3 und 4 beschriebenen Auflagen halten.

6. Mehr Transparenz für die Lehrkräfte bei Entscheidungen des BAMF: Es muss eine Interessenvertretung der Lehrkräfte bei den Regionalkonferenzen des BAMF mit den Kursträgern geben.

Mehr Infos unter gewweiterbildung.wordpress.com

This petition was delivered to:
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales
    Bundesministerin für Arbeit und Soziales Ursula von der Leyen
  • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
    Dr. Manfred Schmidt


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