Aufruf zur Menschlichkeit/ A Call To Humanity

Das Problem

Deutsche Version (English Version below)

Hintergrund der Petition:

Schon fast zwei Monate sind seit dem 7. Oktober vergangen und die Universität Potsdam hat sich seit ihrem letzten Statement nicht mehr zu den aktuellen, anhaltenden  Geschehnissen in Gaza geäußert. 

Am 7. Oktober verübte die Hamas einen koordinierten Angriff auf Israel, indem Raketen auf israelische Gebiete gefeuert und dutzende Geiseln genommen wurden. Mehr als 1.300 Israelis sind dabei ums Leben gekommen und über 3.400 wurden verletzt. Daraufhin erklärte die israelische Regierung Gaza den Krieg und verschärfte die seit 16 Jahren anhaltende illegale Blockade im Gazastreifen, indem die Versorgung mit Trinkwasser und anderen lebenswichtigen Gütern unterbrochen wurde.

Seitdem warf das israelische Militär mehr Bomben auf Gaza in einer Woche ab, als auf Afghanistan in einem ganzen Jahr geworfen wurde. Über 14.800 Menschen sind durch die Angriffe von Israel ums Leben gekommen und über 35.000 Menschen wurden verletzt. Über die Hälfte der Bevölkerung im Gazastreifen sind Kinder. Die kollektive Bestrafung und unrechtmäßige Tötung von Zivilist*innen ist ein Kriegsverbrechen, Wissenschaftler*innen sprechen vor einem Genozid

Der illegal besetzte Gazastreifen ist ein Freiluftgefängnis, in dem fast zwei Millionen Menschen auf einer Fläche von 365 Quadratkilometern leben. Das entspricht etwa der Hälfte Hamburgs. Es werden immer wieder Waffen-Pausen diskutiert, doch eine Flucht ist für die palästinensische Bevölkerung unter diesen Bedingungen unmöglich. Laut der UN kann die Sicherheit der Zivilist*innen im Gazastreifen nicht mehr gewährleistet werden.

Auch der am 23.11. vereinbarte und verspätete Waffenstillstand von vier Tagen zwischen der Hamas und Israel, das die Freilassung von Geiseln im Gegenzug verlange, ist laut Amnesty International unzureichend: Es muss eine Vereinbarung zu einem „[…] dauerhaften, humanitären Waffenstillstand […]“ geben

Die deutsche Regierung unterstützt Israel bedingungslos durch öffentliche Zugeständnisse und Rüstungsexporte im Wert von 303 Millionen Euro. In der öffentlichen Debatte wird die Solidarität mit Palästina kriminalisiert und der Krieg gerechtfertigt. Veranstaltungen von israelkritischen, sogar jüdischen Vereinigungen (!) nicht zugelassen und des Antisemitismus beschuldigt.

Auch die Universität Potsdam bekundete relativ zeitnah nach den Angriffen des 7. Oktobers ihre bedingungslose Solidarität mit Israel („Die Universität Potsdam verurteilt die beispiellosen Angriffe auf Israel.“). Aufgrund dieser Äußerung sehen wir es als notwendig an, sich erneut zu den aktuellen Ereignissen zu äußern, denn das Mitgefühl gilt genauso den palästinensischen wie auch den israelischen Betroffenen. 

Mit dem Titel „Zur Menschlichkeit zurückkehren“ erwarten wir, dass diese Aufforderung auf beiden Seiten umgesetzt wird, das heißt auf institutioneller Ebene, also Seitens der Universität Potsdam, sowie Seitens der Studierenden. 

Indem der 7. Oktober zum Ausgangspunkt des Krieges erklärt wird, verschweigt man wissentlich die andauernde Gewaltspirale, die auf 75 Jahre rechtswidrige Besatzung, Siedlerkolonialismus und ethnische Säuberung des palästinensischen Volkes zurückgeht. Die deutsche Regierung unterstützt dadurch eine ethnoktatische rechts-nationalistische Regierung, die Menschenrechte missachtet und beteiligt sich somit aktiv an einem angehenden Genozid.  


Im Februar 2022 veröffentlichte Amnesty International einen 280-seitigen Bericht, in dem Israel als ein Staat eingestuft wird, der ein institutionalisiertes System betreibt, das nach internationalem Recht als Apartheid gilt. Dieses System umfasst Einschränkungen der Rechte der Palästinenser*innen, die Trennung und Ausgrenzung palästinensischer Bürger*innen von Israel und Bewohner*innen der besetzten palästinensischen Gebiete, die Verweigerung des Rückkehrrechts für palästinensische Flüchtlinge und massive Beschlagnahmungen von illegalem Land und Eigentum. Tötungen, erzwungene Migration, Bewegungseinschränkungen, Verweigerung der Staatsangehörigkeit.


Die von Israel betriebene und von der UN als Verstoß gegen das vierte Genfer Abkommen eingestufte Siedlungspolitik ist neokolonial und menschenverachtend. Der israelische  Historiker und politischer Aktivist Ilan Pappe äußerte sich zum 75. Jahrestag des israelischen Staates sowie über 75 Jahre  Nakba und sieht die ethnische Säuberung Palästinas als ein Projekt der “[...] kolonialen zionistischen Siedlerbewegung[...]“   


Eine politische und moralische Neutralität in diesem Krieg existiert nicht. Israel repräsentiert nicht alle Juden und Jüdinnen der Welt, sondern betreibt seit Jahrzehnten Siedlerkolonialismus unter zionistischen Namen, eine politische Bewegung aus dem 19. Jahrhundert, deren ideologische Zielsetzung den Aufbau eines Nationalstaats für Juden verfolgt. Dieser Krieg ist kein Konflikt, es ist eine gewaltvolle Besatzung, mit der Absicht, alle Palästinenser*innen aus dem Land zu vertreiben: “We must expel the Arabs and take their place.”(Ben-Gurion, Israels erster Ministerpräsident).

Demnach wünschen  wir uns mehr als ein Statement zur Solidarität, wir fordern Kontextualisierung und Aufklärung, weit über den 7. Oktober hinaus. 


Wir rufen die Universität Potsdam zu folgenden Punkten auf: 

  • Wir fordern einen akademischen Diskurs und eine weitere Stellungnahme, das heißt, eine differenzierte Betrachtung auf die Situation sowie historische und aktuelle, antikoloniale (!) Aufklärung, sowie Anerkennung des palästinensischen Leids.

 

  • Wir verurteilen das Schweigen über die Menschenrechtsverletzungen und den andauernden und nicht benannten Genozid in Palästina, der nach der Völkermordkonvention als solcher einzustufen ist.

 

  • Es ist unbestreitbar, dass die Angriffe der Hamas auf die Zivilbevölkerung verurteilt werden müssen. Gleichzeitig ist es jedoch wichtig zu betonen, dass eine Lösung für den Konflikt nur durch einen umfassenden politischen und diplomatischen Prozess erreicht werden kann. Eine offene Diskussion und Aufklärung über die historischen Hintergründe könnten dazu beitragen, ein tieferes Verständnis für die verschiedenen Perspektiven zu schaffen.

 

  • Die Universität sollte bestrebt sein, Studierende in diesem Diskurs zu ermutigen und sicherzustellen, dass ihre vielfältigen Standpunkte gehört werden. Die Förderung von offenen Gesprächen, die die Sorgen und Perspektiven aller Beteiligten berücksichtigen, könnten einen Beitrag dazu leisten, eine nachhaltige Problemlösung anzustreben.
     

In dieser schwierigen Zeit ist es wichtig, dass die Universität Potsdam ihre Rolle als Bildungseinrichtung wahrnimmt, um nicht nur Solidarität zu zeigen, sondern auch zur Förderung eines umfassenden Verständnisses und Dialogs beizutragen.

„Bei allem Respekt möchte ich also darauf hinweisen, dass wir, wenn wir fragen, wer die Schuld trägt, alle Schäden und alle Akteure benennen müssen, auch wenn die Schäden nicht alle gleich sind, auch wenn nicht alle Akteure die gleiche Macht ausüben.“ -Judith Butler 

 

English Version 

A Call for Humanity

Nearly two months have passed since October 7th, and the University of Potsdam has not made any further statements regarding the ongoing events in Gaza since their last statement. On October 7th, Hamas launched a coordinated attack on Israel, firing rockets into Israeli territory and taking dozens of hostages. Over 1,300 Israelis lost their lives, and more than 3,400 were injured. In response, the Israeli government declared war on Gaza and intensified the illegal blockade that has been in place for 16 years, disrupting the supply of drinking water and other essential goods.

Since then, the Israeli military has dropped more bombs on Gaza in one week than on Afghanistan in an entire year. Over 14,800 people have lost their lives in Israel's attacks, and over 35,000 have been injured. More than half of the population in the Gaza Strip are children. The collective punishment and unlawful killing of civilians constitute war crimes, and some scholars argue that it amounts to genocide.

The illegally occupied Gaza Strip is an open-air prison where 2.3 million people live on a 365 square kilometer area, roughly equivalent to half the size of Hamburg. While temporary ceasefires are occasionally discussed, escape is impossible for the Palestinian population under these conditions. According to the UN, the safety of civilians in Gaza can no longer be ensured.

Even the four-day ceasefire agreed upon on November 23rd, which demanded the release of hostages, is considered inadequate by Amnesty International. A "permanent, humanitarian ceasefire" agreement is necessary.

The German government unconditionally supports Israel through public concessions and arms exports worth 303 million euros. In public debates, solidarity with Palestine is criminalized, and the war is justified. Events organized by Jewish organizations critical of Israel (!) are not allowed, and accusations of antisemitism are made.

The University of Potsdam also expressed its solidarity with Israel relatively soon after the attacks on October 7th ("The University of Potsdam condemns the unprecedented attacks on Israel."). Due to this statement, we believe it is necessary for the university to address the current events again, as compassion should be extended to both Palestinian and Israeli victims.

With the title "Returning to Humanity," we expect this call to be implemented on both sides, institutionally, from the University of Potsdam, as well as from the students.

By declaring October 7th as the starting point of the war, one knowingly ignores the ongoing cycle of violence that stems from 75 years of illegal occupation, settler colonialism, and ethnic cleansing of the Palestinian people. Through its support, the German government actively participates in an impending genocide, endorsing a right-wing nationalist government with ethnonationalist goals that disregard human rights.

In February 2022, Amnesty International published a 280-page report classifying Israel as a state operating an institutionalized system that constitutes apartheid under international law. This system includes restrictions on the rights of Palestinians, the separation and exclusion of Palestinian citizens from Israel and residents of the occupied Palestinian territories, the denial of the right of return for Palestinian refugees, and massive confiscation of illegal land and property. Killings, forced migration, movement restrictions, and denial of citizenship are all part of this system.

The settlement policy pursued by Israel, classified by the UN as a violation of the Fourth Geneva Convention, is neocolonial and dehumanizing. On the 75th anniversary of the Israeli state and the 75 years since the Nakba, Israeli historian and political activist Ilan Pappe referred to the ethnic cleansing of Palestine as a project of the "colonial Zionist settler movement."

There is no political or moral neutrality in this war. Israel does not represent all Jews worldwide but has been engaged in settler colonialism under the name of Zionism, a political movement from the 19th century that aims to establish a nation-state for Jews. This war is not a conflict; it is a violent occupation with the intention of expelling all Palestinians from the land: "We must expel the Arabs and take their place." (Ben-Gurion, Israel's first Prime Minister).

Therefore, we expect more than a statement of solidarity; we demand contextualization and education that goes far beyond October 7th.

We call on the University of Potsdam to:

Engage in an academic discourse and issue further statements that provide a differentiated view of the situation, including historical and current anti-colonial (!) education.
Condemn the silence regarding human rights violations and the ongoing, unnamed genocide in Palestine, which should be classified as such under the Genocide Convention.
While it is undeniable that Hamas attacks on the civilian population must be condemned, it is also important to emphasize that a solution to the conflict can only be achieved through comprehensive political and diplomatic efforts. Open discussion and education on the historical background could contribute to a deeper understanding of the various perspectives.
The university should strive to encourage students in this discourse and ensure that their diverse viewpoints are heard. Promoting open conversations that consider the concerns and perspectives of all parties involved could contribute to seeking sustainable solutions.

In these difficult times, it is important for the University of Potsdam to fulfill its role as an educational institution, not only demonstrating solidarity but also contributing to the promotion of comprehensive understanding and dialogue.

"With all due respect, I would like to point out that when we ask who is to blame, we must name all the damage and all the actors, even if the damage is not equal, even if not all actors exercise the same power." - Judith Butler

 

 

 

 

34

Das Problem

Deutsche Version (English Version below)

Hintergrund der Petition:

Schon fast zwei Monate sind seit dem 7. Oktober vergangen und die Universität Potsdam hat sich seit ihrem letzten Statement nicht mehr zu den aktuellen, anhaltenden  Geschehnissen in Gaza geäußert. 

Am 7. Oktober verübte die Hamas einen koordinierten Angriff auf Israel, indem Raketen auf israelische Gebiete gefeuert und dutzende Geiseln genommen wurden. Mehr als 1.300 Israelis sind dabei ums Leben gekommen und über 3.400 wurden verletzt. Daraufhin erklärte die israelische Regierung Gaza den Krieg und verschärfte die seit 16 Jahren anhaltende illegale Blockade im Gazastreifen, indem die Versorgung mit Trinkwasser und anderen lebenswichtigen Gütern unterbrochen wurde.

Seitdem warf das israelische Militär mehr Bomben auf Gaza in einer Woche ab, als auf Afghanistan in einem ganzen Jahr geworfen wurde. Über 14.800 Menschen sind durch die Angriffe von Israel ums Leben gekommen und über 35.000 Menschen wurden verletzt. Über die Hälfte der Bevölkerung im Gazastreifen sind Kinder. Die kollektive Bestrafung und unrechtmäßige Tötung von Zivilist*innen ist ein Kriegsverbrechen, Wissenschaftler*innen sprechen vor einem Genozid

Der illegal besetzte Gazastreifen ist ein Freiluftgefängnis, in dem fast zwei Millionen Menschen auf einer Fläche von 365 Quadratkilometern leben. Das entspricht etwa der Hälfte Hamburgs. Es werden immer wieder Waffen-Pausen diskutiert, doch eine Flucht ist für die palästinensische Bevölkerung unter diesen Bedingungen unmöglich. Laut der UN kann die Sicherheit der Zivilist*innen im Gazastreifen nicht mehr gewährleistet werden.

Auch der am 23.11. vereinbarte und verspätete Waffenstillstand von vier Tagen zwischen der Hamas und Israel, das die Freilassung von Geiseln im Gegenzug verlange, ist laut Amnesty International unzureichend: Es muss eine Vereinbarung zu einem „[…] dauerhaften, humanitären Waffenstillstand […]“ geben

Die deutsche Regierung unterstützt Israel bedingungslos durch öffentliche Zugeständnisse und Rüstungsexporte im Wert von 303 Millionen Euro. In der öffentlichen Debatte wird die Solidarität mit Palästina kriminalisiert und der Krieg gerechtfertigt. Veranstaltungen von israelkritischen, sogar jüdischen Vereinigungen (!) nicht zugelassen und des Antisemitismus beschuldigt.

Auch die Universität Potsdam bekundete relativ zeitnah nach den Angriffen des 7. Oktobers ihre bedingungslose Solidarität mit Israel („Die Universität Potsdam verurteilt die beispiellosen Angriffe auf Israel.“). Aufgrund dieser Äußerung sehen wir es als notwendig an, sich erneut zu den aktuellen Ereignissen zu äußern, denn das Mitgefühl gilt genauso den palästinensischen wie auch den israelischen Betroffenen. 

Mit dem Titel „Zur Menschlichkeit zurückkehren“ erwarten wir, dass diese Aufforderung auf beiden Seiten umgesetzt wird, das heißt auf institutioneller Ebene, also Seitens der Universität Potsdam, sowie Seitens der Studierenden. 

Indem der 7. Oktober zum Ausgangspunkt des Krieges erklärt wird, verschweigt man wissentlich die andauernde Gewaltspirale, die auf 75 Jahre rechtswidrige Besatzung, Siedlerkolonialismus und ethnische Säuberung des palästinensischen Volkes zurückgeht. Die deutsche Regierung unterstützt dadurch eine ethnoktatische rechts-nationalistische Regierung, die Menschenrechte missachtet und beteiligt sich somit aktiv an einem angehenden Genozid.  


Im Februar 2022 veröffentlichte Amnesty International einen 280-seitigen Bericht, in dem Israel als ein Staat eingestuft wird, der ein institutionalisiertes System betreibt, das nach internationalem Recht als Apartheid gilt. Dieses System umfasst Einschränkungen der Rechte der Palästinenser*innen, die Trennung und Ausgrenzung palästinensischer Bürger*innen von Israel und Bewohner*innen der besetzten palästinensischen Gebiete, die Verweigerung des Rückkehrrechts für palästinensische Flüchtlinge und massive Beschlagnahmungen von illegalem Land und Eigentum. Tötungen, erzwungene Migration, Bewegungseinschränkungen, Verweigerung der Staatsangehörigkeit.


Die von Israel betriebene und von der UN als Verstoß gegen das vierte Genfer Abkommen eingestufte Siedlungspolitik ist neokolonial und menschenverachtend. Der israelische  Historiker und politischer Aktivist Ilan Pappe äußerte sich zum 75. Jahrestag des israelischen Staates sowie über 75 Jahre  Nakba und sieht die ethnische Säuberung Palästinas als ein Projekt der “[...] kolonialen zionistischen Siedlerbewegung[...]“   


Eine politische und moralische Neutralität in diesem Krieg existiert nicht. Israel repräsentiert nicht alle Juden und Jüdinnen der Welt, sondern betreibt seit Jahrzehnten Siedlerkolonialismus unter zionistischen Namen, eine politische Bewegung aus dem 19. Jahrhundert, deren ideologische Zielsetzung den Aufbau eines Nationalstaats für Juden verfolgt. Dieser Krieg ist kein Konflikt, es ist eine gewaltvolle Besatzung, mit der Absicht, alle Palästinenser*innen aus dem Land zu vertreiben: “We must expel the Arabs and take their place.”(Ben-Gurion, Israels erster Ministerpräsident).

Demnach wünschen  wir uns mehr als ein Statement zur Solidarität, wir fordern Kontextualisierung und Aufklärung, weit über den 7. Oktober hinaus. 


Wir rufen die Universität Potsdam zu folgenden Punkten auf: 

  • Wir fordern einen akademischen Diskurs und eine weitere Stellungnahme, das heißt, eine differenzierte Betrachtung auf die Situation sowie historische und aktuelle, antikoloniale (!) Aufklärung, sowie Anerkennung des palästinensischen Leids.

 

  • Wir verurteilen das Schweigen über die Menschenrechtsverletzungen und den andauernden und nicht benannten Genozid in Palästina, der nach der Völkermordkonvention als solcher einzustufen ist.

 

  • Es ist unbestreitbar, dass die Angriffe der Hamas auf die Zivilbevölkerung verurteilt werden müssen. Gleichzeitig ist es jedoch wichtig zu betonen, dass eine Lösung für den Konflikt nur durch einen umfassenden politischen und diplomatischen Prozess erreicht werden kann. Eine offene Diskussion und Aufklärung über die historischen Hintergründe könnten dazu beitragen, ein tieferes Verständnis für die verschiedenen Perspektiven zu schaffen.

 

  • Die Universität sollte bestrebt sein, Studierende in diesem Diskurs zu ermutigen und sicherzustellen, dass ihre vielfältigen Standpunkte gehört werden. Die Förderung von offenen Gesprächen, die die Sorgen und Perspektiven aller Beteiligten berücksichtigen, könnten einen Beitrag dazu leisten, eine nachhaltige Problemlösung anzustreben.
     

In dieser schwierigen Zeit ist es wichtig, dass die Universität Potsdam ihre Rolle als Bildungseinrichtung wahrnimmt, um nicht nur Solidarität zu zeigen, sondern auch zur Förderung eines umfassenden Verständnisses und Dialogs beizutragen.

„Bei allem Respekt möchte ich also darauf hinweisen, dass wir, wenn wir fragen, wer die Schuld trägt, alle Schäden und alle Akteure benennen müssen, auch wenn die Schäden nicht alle gleich sind, auch wenn nicht alle Akteure die gleiche Macht ausüben.“ -Judith Butler 

 

English Version 

A Call for Humanity

Nearly two months have passed since October 7th, and the University of Potsdam has not made any further statements regarding the ongoing events in Gaza since their last statement. On October 7th, Hamas launched a coordinated attack on Israel, firing rockets into Israeli territory and taking dozens of hostages. Over 1,300 Israelis lost their lives, and more than 3,400 were injured. In response, the Israeli government declared war on Gaza and intensified the illegal blockade that has been in place for 16 years, disrupting the supply of drinking water and other essential goods.

Since then, the Israeli military has dropped more bombs on Gaza in one week than on Afghanistan in an entire year. Over 14,800 people have lost their lives in Israel's attacks, and over 35,000 have been injured. More than half of the population in the Gaza Strip are children. The collective punishment and unlawful killing of civilians constitute war crimes, and some scholars argue that it amounts to genocide.

The illegally occupied Gaza Strip is an open-air prison where 2.3 million people live on a 365 square kilometer area, roughly equivalent to half the size of Hamburg. While temporary ceasefires are occasionally discussed, escape is impossible for the Palestinian population under these conditions. According to the UN, the safety of civilians in Gaza can no longer be ensured.

Even the four-day ceasefire agreed upon on November 23rd, which demanded the release of hostages, is considered inadequate by Amnesty International. A "permanent, humanitarian ceasefire" agreement is necessary.

The German government unconditionally supports Israel through public concessions and arms exports worth 303 million euros. In public debates, solidarity with Palestine is criminalized, and the war is justified. Events organized by Jewish organizations critical of Israel (!) are not allowed, and accusations of antisemitism are made.

The University of Potsdam also expressed its solidarity with Israel relatively soon after the attacks on October 7th ("The University of Potsdam condemns the unprecedented attacks on Israel."). Due to this statement, we believe it is necessary for the university to address the current events again, as compassion should be extended to both Palestinian and Israeli victims.

With the title "Returning to Humanity," we expect this call to be implemented on both sides, institutionally, from the University of Potsdam, as well as from the students.

By declaring October 7th as the starting point of the war, one knowingly ignores the ongoing cycle of violence that stems from 75 years of illegal occupation, settler colonialism, and ethnic cleansing of the Palestinian people. Through its support, the German government actively participates in an impending genocide, endorsing a right-wing nationalist government with ethnonationalist goals that disregard human rights.

In February 2022, Amnesty International published a 280-page report classifying Israel as a state operating an institutionalized system that constitutes apartheid under international law. This system includes restrictions on the rights of Palestinians, the separation and exclusion of Palestinian citizens from Israel and residents of the occupied Palestinian territories, the denial of the right of return for Palestinian refugees, and massive confiscation of illegal land and property. Killings, forced migration, movement restrictions, and denial of citizenship are all part of this system.

The settlement policy pursued by Israel, classified by the UN as a violation of the Fourth Geneva Convention, is neocolonial and dehumanizing. On the 75th anniversary of the Israeli state and the 75 years since the Nakba, Israeli historian and political activist Ilan Pappe referred to the ethnic cleansing of Palestine as a project of the "colonial Zionist settler movement."

There is no political or moral neutrality in this war. Israel does not represent all Jews worldwide but has been engaged in settler colonialism under the name of Zionism, a political movement from the 19th century that aims to establish a nation-state for Jews. This war is not a conflict; it is a violent occupation with the intention of expelling all Palestinians from the land: "We must expel the Arabs and take their place." (Ben-Gurion, Israel's first Prime Minister).

Therefore, we expect more than a statement of solidarity; we demand contextualization and education that goes far beyond October 7th.

We call on the University of Potsdam to:

Engage in an academic discourse and issue further statements that provide a differentiated view of the situation, including historical and current anti-colonial (!) education.
Condemn the silence regarding human rights violations and the ongoing, unnamed genocide in Palestine, which should be classified as such under the Genocide Convention.
While it is undeniable that Hamas attacks on the civilian population must be condemned, it is also important to emphasize that a solution to the conflict can only be achieved through comprehensive political and diplomatic efforts. Open discussion and education on the historical background could contribute to a deeper understanding of the various perspectives.
The university should strive to encourage students in this discourse and ensure that their diverse viewpoints are heard. Promoting open conversations that consider the concerns and perspectives of all parties involved could contribute to seeking sustainable solutions.

In these difficult times, it is important for the University of Potsdam to fulfill its role as an educational institution, not only demonstrating solidarity but also contributing to the promotion of comprehensive understanding and dialogue.

"With all due respect, I would like to point out that when we ask who is to blame, we must name all the damage and all the actors, even if the damage is not equal, even if not all actors exercise the same power." - Judith Butler

 

 

 

 

Neuigkeiten zur Petition

Diese Petition teilen

Petition am 28. November 2023 erstellt