Tierschutz über Profite!

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Sehr geehrte Ministerin Frau Klöckner,

Sie sind seit dem 14. März 2018 Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft.

Der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD hat Ihnen mit reichlich befürwortenden Aussagen zwecks mehr Umwelt- und Tierschutz eine wunderbare Vorlage gegeben, in Deutschland diesbezüglich wirklich etwas verändern zu können.

Doch die erschütternde Bilanz der vergangenen zwei Jahre zeigt: Erfolge im Sinne des Bürgers gibt es leider nicht - und erst recht keine Erfolge im Sinne der Tiere.

Immer wieder lassen Sie Appelle und Vorhaben verlauten, doch bisher haben Sie in ihrem Ressort entweder nicht ausreichend, gar nicht, oder sogar gegensätzlich gehandelt.

Stattdessen kuscheln Sie mit den Konzernen - insbesondere auch denen der "Nutztier"-Industrie.

Im Koalitionsvertrag ist das Ziel gesetzt worden, dass Deutschland  "beim Tierschutz eine Spitzenposition einnehmen solle". Davon sind wir weit entfernt., auch wenn Sie in aller Regelmäßigkeit betonen, "Tiere seien unsere Mitgeschöpfe".

In Deutschland werden jährlich ungefähr 58 Millionen Schweine, 630 Millionen Hühner und weit über 3 Millionen Rinder getötet.

Nicht selten sehen diese Lebewesen auf dem Transport zum Schlachthof zum ersten Mal Tageslicht.

Über 95 % der Tiere fristen ihr kurzes Dasein in der konventionellen Tierhaltung, der sogenannten Massentierhaltung.

Sie als Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft dulden oder aber befürworten zudem grausame Methoden, die mit Tierschutz wirklich gar nichts zu tun haben.

Um die Tiere in das „Produktionssystem“ der Massentierhaltung zu zwängen, werden sie verstümmelt.

Ein Gesetz zum Verbot betäubungsloser Kastration von Ferkeln wollen Sie bis zum heutigen Tage nicht durchsetzen. Auch werden Schweinen weiterhin die Ringelschwänze - für die Tiere wichtige Kommunikationsmittel - abgeschnitten, obwohl das nach EU-Recht verboten ist.

Ebenfalls ohne Betäubung wird Puten der vordere – hochempfindliche – Teil des Schnabels abgetrennt. Kälbern wird unter enormen Schmerzen der Hornansatz ausgebrannt.

Wer von alldem profitiert, liegt auf der Hand: Produzenten tierischer Produkte.

Unsere Mitgeschöpfe hingegen leben zumeist in extrem beengten Verhältnissen und sind nicht in der Lage, ihre grundlegenden Bedürfnisse, wie beispielsweise das Pflegen abwechslungsreicher Sozialkontakte, auch nur einen einzigen Tag lang zu erfüllen.

Das Leben in den Betrieben bedeutet für die Tiere psychischen und körperlichen Stress, Krankheit und Qual. Und das nicht nur in Deutschland.

Millionen Tiere aus Deutschland (im Jahr 2018 insgesamt 6.662.774) werden jedes Jahr quer durch Europa transportiert, bis nach Nordafrika. Die sogenannten „Schlacht“-Tiere sind oft wochenlang eingepfercht in Lastwagen und auf Schiffen unterwegs.

Verabschiedete Gesetze des Europäische Gerichtshofes sollen die Tiere bis zum Zielort schützen. Doch die Tiertransporte kontrolliert hinter den EU-Außengrenzen niemand mehr. "37 Grad"-Autor Manfred Karremann traf während seiner Recherchen bereits kurz hinter den Grenzen der EU auf verdurstete Rinder.

Ich könnte fortfahren, doch am Ende kommt es immer darauf hinaus: Sie lehnen gesetzliche Vorgaben grundsätzlich ab und setzen lieber auf die Eigenverantwortung des Verbrauchers.

In vielen Fällen sehen Sie eine Lösung des jeweiligen Problems in "freiwilligen Vereinbarungen" mit den Industrieverbänden. Hierbei orientieren Sie sich gern an den Vorschlägen der Konzerne, die einen Vorteil für die Wirtschaft ergeben - zum Leidtragen von Tieren und Umwelt.

In Anbetracht Ihrer bisherigen Amtszeit ist es bedauerlicherweise zu bezweifeln, dass Sie Ihre Prioritäten künftig so setzen, wie man es sich von einer Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft erhofft - nämlich zum Wohle von Lebewesen und Umwelt.

Die deutsche Nahrungsmittelindustrie hat mit Ihnen, Frau Klöckner, eine hervorragende und effektive Lobbyarbeiterin gewonnen. Ihre zahlreichen Kooperationen mit Konzernen zeigen, dass Sie dort eine beliebte Partnerin sind.

Als Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft erwarte ich jedoch eine kompetente und einfühlsame Person, welche nicht die Interessen der Industrie vertritt.

Aus diesem Grunde möchte ich hiermit im Namen der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland meinen ausgeprägten Missmut kundtun und um Ihren zeitnahen Rücktritt aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bitten.

 

Mit besten Grüßen

Marie-Lena Nelle