

Liebe Petitionsunterstützende,
uns fehlen weniger als 250 Unterschriften zum 50.000er-Meilenstein – das ist ganz großartig! Sollten Sie noch weitere Personen überzeugen können, die Petition zu unterzeichnen, oder diese nochmals teilen können, wäre das sehr hilfreich.
Weitere Unterstützungsmöglichkeiten:
Liebe psychotherapeutische Kolleg:innen,
es wäre wertvoll, wenn Sie einen Zwei- oder Dreizeiler an Politiker:innen schreiben und damit zum Ausdruck bringen, dass Sie das Anliegen unterstützen (z. B.: „Ich unterstütze die unbegrenzte psychotherapeutische Videosprechstunde, da …“).
Liebe Betroffene,
es wäre wertvoll, wenn auch Sie E-Mails schreiben würden. Wenn Sie aus Datenschutzgründen nicht persönlich schreiben möchten, kann ich Ihnen anbieten, dass Sie mir anonym an die folgende E-Mailadresse
( Psychotherap.Videosprechstunde@web.de ) schreiben, warum unbegrenzte Videotherapie für Sie persönlich wichtig ist. Ich könnte die Aussagen dann sammeln und anonymisiert weitergeben. Selbstverständlich müssen Sie weder das eine noch das andere tun, wenn Sie sich damit nicht wohl fühlen.
Kontaktmöglichkeiten zu relevanten Politiker:innen aus dem Gesundheitsausschuss finden Sie auf der Website des Deutschen Bundestages: https://www.bundestag.de/gesundheit
Ein Update:
Meine psychotherapeutischen Kolleg:innen und ich haben in den vergangenen Wochen wiederholt Berufsverbände, Krankenkassen, die KBV, Psychotherapeutenkammern und Politiker:innen kontaktiert.
Stellenweise haben wir sehr unterstützende Reaktionen erfahren. Beispielsweise war eine wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Politikers sehr engagiert und versprach, sich neben der Videotherapie auch bereits für einen Ausbau der Psychotherapieplätze einzusetzen – das ist ermutigend!
Teils gab es auch Erfahrungsberichte von Betroffenen oder Reaktionen von Akteur:innen, die mich geärgert oder teils sprachlos zurückgelassen haben.
Beispielsweise der Bericht einer Betroffenen mit psychischen Störungen, die ein Verlassen des Hauses extrem erschweren bis beinahe unmöglich machen, die von ihrer Krankenkasse zu hören bekam: „Bis zu eine Stunde Anfahrtszeit zur Praxis ist zumutbar.“
Hier scheint es mir, dass es den Entscheidungsträger:innen nicht gelingt, die störungsbedingten Einschränkungen, wegen derer die Menschen Hilfe suchen und die sie bewältigen möchten, zu berücksichtigen. Stattdessen werden Maßstäbe angelegt, wie sie möglicherweise für psychisch und körperlich gesunde Menschen gelten, die sozioökonomisch, also bspw. finanziell, gut aufgestellt sind.
Hier denke ich:
1. Auch für diese Menschen stellt eine Stunde Fahrtzeit pro Weg (wöchentlich!) eine Belastung dar.
Ein fiktives Beispiel: Sagen wir, Person X fährt zur Arbeit eine halbe Stunde mit dem Auto. Dann arbeitet sie acht Stunden. Dann fährt sie direkt von dort eine Stunde zur Psychotherapiepraxis. Die Therapiesitzung dauert gute 50 Minuten. Dann fährt sie, bei guter Verkehrslage, 1h 10 Minuten nach Hause. Die Person hat also ggf. um 7:30h das Haus verlassen, von 8 bis 16h gearbeitet, es so gerade noch um 17h zur Therapiesitzung geschafft, sich dann gegen 18h auf den Heimweg gemacht und ist gegen 19:20h, es gab noch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, zu Hause.
--> Auch ohne irgendwelche Einschränkungen ist dies ein sehr langer Tag.
--> Beispielsweise als alleinerziehende Person ist das eine enorme Belastung – 12h Kinderbetreuung müssen erstmal organisiert werden.
--> Je nach Antrieb und Energie, bestehenden Ängsten etc. ist dies für Menschen mit psychischen Erkrankungen ohne Therapie/insbesondere zu Beginn ihrer Therapie nicht zu leisten.
2. Wie kann es sein, dass das System den Menschen, die Hilfe benötigen, unnötig hohe Hindernisse aufbaut, um diese zu erhalten? In nicht wenigen Fällen geht die Geschichte leider wie folgt weiter:
Es hat viel Kraft gekostet, sich überhaupt um eine ambulante Psychotherapie zu bemühen. Die Wartezeiten sind extrem lang, die Krankenkasse hat die individuelle Situation nicht gesehen. Nach einigen Versuchen genügt die Energie nicht mehr, sich weiter zu kümmern, die Person gibt auf. Die Symptomatik chronifiziert zunehmend. An irgendeinem Punkt genügt ambulante Psychotherapie ggf. nicht mehr, ein stationärer Aufenthalt wird erforderlich. Der Leidensdruck wird immer höher, die Prognose zunehmend schlechter.
So sollte es nicht sein!
Es muss erreicht werden, dass Betroffene frühzeitig Hilfe erhalten, sie dort abgeholt werden, wo sie stehen, und dass der Leidensweg möglichst kurz ist. Hier ist dringend der Ausbau von Psychotherapieplätzen erforderlich.
Geärgert hat mich in diesem Zusammenhang auch dieser Artikel, den ein Kollege getwittert hat: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/05/wartezeiten-psychotherapie-laenger-als-angaben-krankenkassen.html . Der Artikel berichtet darüber, dass Krankenkassen Wartezeiten für Psychotherapie als deutlich kürzer beziffern, als dies in der Realität der Fall ist. Ausschnitt: „Mal heißt es dagegen nach einer Umfrage unter Versicherten einer Krankenkasse, nur bei "16,4 Prozent verstrichen zwischen Psychotherapeutischer Sprechstunde und Therapiebeginn acht oder mehr Wochen" (Barmer Arztreport, 2020) [bptk.de]).“
Meiner therapeutischen Erfahrung, denen zahlreicher Kolleg:innen und auch der rbb|24-Datenrecherche nach (s. Artikel) ist dies eine absolute Unterschätzung der psychotherapeutischen Unterversorgung. Und das sicherlich auch schon im Jahr 2020.
Neben dem dringend erforderlichen Ausbau der Psychotherapieplätze stellt die unbegrenzte Videotherapie eine gute Möglichkeit dar, Betroffene zu unterstützen, die es noch/vorübergehend/gar nicht in die Praxis schaffen. Ich hoffe, sehr, dass es durch unsere Petition gelingt, Einschränkungen (z. B. erste Sitzungen nur persönlich möglich) ab- und die Videotherapiemöglichkeiten auszubauen, und damit einen Beitrag zur Entlastung der (zukünftigen) Patient:innen zu schaffen.
Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung und Zeit!
Alles Gute für Sie und viele Grüße
Kathrin Schallenberg