Petition updateRÜSTUNSKONZERNE MÜSSEN FÜR FLÜCHTLINGE ZAHLEN„Für eine realistische deutsche Russlandpolitik“
Ursula MathernSprendlingen, Germany
Feb 2, 2022

Liebe UnterstützerINNEN,

nachdem wir bereits seit Wochen durch Politik und Medien zugedröhnt werden mit Nachrichten über die angebliche Aggressivität Russlands, hat sich nun verstärkend auch Herr Dr. Thomas Enders, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), mit einem Beitrag unter o. g. Überschrift zu Wort gemeldet. Bei der DGAP handelt es sich laut Wikipedia um ein Netzwerk und eine Denkfabrik für Außenpolitik. Unter den 2.500 Mitgliedern finden sich führende Persönlichkeiten aus dem Bank- und Finanzwesen, der Wirtschaft, Politik, Medien und der Wissenschaft.

Den ursprünglichen Beitrag finden Sie unter https://dgap.org/de/forschung/publikationen/fuer-eine-realistische-deutsche-russlandpolitik Ich konnte ihn einfach nicht unwidersprochen sein lassen und freue mich sehr, wenn Sie dem Herrn ebenfalls ins Gewissen reden.

Mit liebem Gruß

Ursula Mathern

Hier mein Offener Brief:

 

An den Präsidenten der 

Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

Herrn DR. THOMAS ENDERS

Rauchstr. 17
10787 Berlin
enders@dgap.org

 

Offener Brief zu Ihrem Beitrag „Für eine realistische deutsche Russlandpolitik“  

https://dgap.org/de/forschung/publikationen/fuer-eine-realistische-deutsche-russlandpolitik

 

Sehr geehrter Herr Dr. Enders,

als genügte es nicht, dass wir von Politik und Medien seit Wochen tagein tagaus über die Aggressivität Russlands und Putins „informiert“, d. h. in Form gebracht werden sollen, einem möglichen Krieg zuzustimmen oder ihn als unabänderlich hinzunehmen, verschärfen Sie in Ihrem o. g. Beitrag den Ton noch einmal mehr.

Sie mokieren sich über die regierenden Sozialdemokraten (ob zu Recht oder zu Unrecht) und über einen Großteil der Deutschen, denen „ungestörte Gas- und Öllieferungen allemal wichtiger sind als die Souveränität der Ukraine“.

An dem Punkt stimme ich Ihnen sogar zu. Ich für mein Teil friere nämlich nicht gerne, und vielen anderen dürfte es ähnlich ergehen, während „die Souveränität der Ukraine“ schon aus dem Grund sehr zweifelhaft erscheint als das Land hoch verschuldet ist.

Möglicherweise wäre es für Schritte hin zu einem echten Frieden sogar wesentlich förderlicher, wenn Nationalstaaten und ihre Souveränität, die nämlich kein Recht und kein Gesetz mehr über sich dulden, abgeschafft würden.

Was für Sie ein außen- und bündnispolitischen Skandal ist, „dass Deutschland keinerlei Waffenlieferungen an die gegenüber Russland hoffnungslos unterlegene ukrainische Armee zulassen will, ja sogar Lieferungen seiner Verbündeten in die Ukraine unterbinden will“, lässt mir zumindest noch ein kleines Fünkchen Hoffnung auf Vernunft.

Vollends abenteuerlich wird’s, wenn Sie der Regierung Scholz Geschichtsvergessenheit vorwerfen, die ihr NEIN zu Waffenlieferungen mit deutscher Geschichte und Schuld gegenüber Russland bemäntele.

Ihr Unterricht in Schule und Studium, sehr geehrter Herr Dr. Enders, muss echt krottenschlecht gewesen sein, wenn er Sie nicht in die Lage versetzt hat, Fakten anzuerkennen, dass nämlich die damalige Sowjetunion infolge des Deutschen Überfalls mit 27 Millionen Toten die weitaus meisten Opfer im 2. Weltkrieg zu beklagen hatte.

Umso dringender plädiere ich für höhere Investitionen ins Bildungswesen statt in Militär und Rüstung.

Sie sehen die USA als innerlich zerrissen an, konfliktmüde, zweifeln, ob sie in ihrer Fokussierung auf China und Asien überhaupt noch in der Lage sind, einen glaubwürdigen Abschreckungsschirm über Europa aufrecht zu erhalten.

Wen wundert's? Haben die USA doch mit Abstand das größte Rüstungsbudget, einem Weltanteil von 39 % entsprechend (s. https://www.tagesschau.de/ausland/europa/sipri-ruestungsausgaben-rekord-101.html während Russland gerade mal ein knappes Zehntel dessen für Rüstung ausgibt.

Ist Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Enders, schon mal zu Ohren gekommen, dass in den USA 140 Millionen Menschen, d. h. mehr als 40 % der Bevölkerung in Armut oder in prekären Verhältnissen leben? Meinen Sie, dass das vergnüglich ist? Wäre der US-Dollar nicht immer noch Leitwährung, wären die USA längst pleite.

Den sich abzeichnenden wirtschaftliche Niedergang und den damit verbundenen Machtverlust nicht akzeptieren zu wollen, macht die US-Eliten derzeit so gefährlich und mit ihrem Waffenarsenal samt 800 Militärstützpunkten zur größten Bedrohung des Weltfriedens.

Die europäische Friedensordnung, die Sie von Russland bedroht sehen, ist für mich nicht erkennbar. Was ich vielmehr sehe, ist eine Reihe miteinander konkurrierender EU-Staaten, allenfalls geeint in dem Bestreben, ihre Machtposition zu erhalten. Und Deutschland? Seit Jahren tonangebend in diesem Rahmen, indem es alle übrigen Länder nieder konkurriert hat.

Wann wäre Europa denn friedlich gewesen? Seine Macht und sein Reichtum beruhen seit der Kolonialzeit (die allenfalls nominell aufgehört hat) auf der Unterdrückung und der Ausbeutung anderer Länder.

Das Erbe angetreten hatten nach dem 2. Weltkrieg – selbst unzerstört und wirtschaftlich erstarkt – die USA.

Wollen Sie diese ganze unselige Geschichte wirklich weiter fortschreiben? Einen Krieg provozieren, bei dem ganz schnell auch Atomwaffen eingesetzt werden könnten?

Sehr geehrter Herr Dr. Enders! Erich Fried hat einmal gesagt:“Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will, dass sie nicht bleibt!“

Wer dagegen will, dass die Welt bleibt, muss grundlegend andere Wege einschlagen, Aufrüstung und Kriege sein lassen, muss alles daran setzen, dass ein Ausgleich geschaffen wird zwischen Arm und Reich, weltweit; muss – gerade in den reichen Ländern – Bescheidenheit neu einüben; muss alles dafür tun, dass die Klimakatastrophe zumindest noch abgemildert werden kann. Gerade unter dem Aspekt wären Abrüstung und Frieden sehr hilfreich, denn Krieg und Aufrüstung sind die Klimakiller Nr. 1.

Gewiss haben Sie Karriere gemacht bei der Bundeswehr und auch bei diversen Rüstungsunternehmen. Vielleicht rührt daher Ihr Eifer für Waffenlieferungen?

Vielleicht besinnen Sie sich aber auch noch einmal Ihrer persönlichen Herkunft als Sohn eines Schäfers, der schon früh mithalf bei der Versorgung der Schafe. Eine friedliche Tätigkeit.

Ist es nicht das, was wir brauchen, allesamt und weltweit?

Mit freundlichen Grüßen

Ursula Mathern

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