Petition updateErklärung – Bautzen gemeinsam · Wozjewjenje – Budyšin w zhromadnosćiEinladung zu den 6. Bautzener Reden mit der Journalistin Elisabeth Niejahr
Tim DökeBautzen, Germany
Apr 30, 2023

Sehr geehrte Unterstützerinnen und Unterstützer, 
 
wir, die Initiative "Bautzen gemeinsam" laden Sie zu den neuen "Bautzener Reden" am Freitag, dem 5. Mai 2023 um 19.30 Uhr in die Maria-und-Marta-Kirche (geänderter Veranstaltungsort) in Bautzen ein. Zu Gast ist die Journalistin Elisabeth Niejahr. Sie wird zum Thema „Politik als Beruf“ sprechen.

Die Journalistin arbeitete anderem arbeitete als Hauptstadtkorrespondentin der Wochenzeitung „Die Zeit“ und als Chefreporterin der Wirtschaftswoche. In diesen Funktionen gehörte sie auch zum Team der politischen Talkrunde „Thadeusz und die Beobachter“ im rbb Fernsehen. Seit drei Jahren verantwortet sie als Geschäftsführerin den Bereich „Demokratie stärken“ der Hertie-Stiftung.
Ihren Wechsel aus dem Journalismus in die gemeinnützige Organisation bezeichnet sie als eine bewusste Entscheidung dafür, „mich für unser politisches System einzusetzen, das viele Menschen für selbstverständlich halten“. Demokratie lebe aber nun mal vom Mitmachen. Unter anderem hat Elisabeth Niejahr das Buch „Demokratieverstärker“ herausgegeben und ist Autorin des Buches „Alt sind nur die anderen“ über Zukunft in unserer alternden Gesellschaft.

Ihr Credo heißt: Demokratie: Da geht noch was! Ihre „Bautzener Rede“ hält Elisabeth Niejahr am 5. Mai zum Thema „Politik als Beruf“.

Im Vorfeld zur Veranstaltung führten wir mit Elisabeth Niejahr ein Interview:

Frau Niejahr, Sie kommen am 5. Mai zu den Bautzener Reden nach Bautzen. Inwieweit kennen Sie östlichste Ecke Deutschlands?

Meine vielen Berufsjahre als Journalistin und zuletzt auch ein kommunalpolitisches Projekt der Hertie Stiftung mit dem Namen „Jugend entscheidet“ haben mich immer wieder in ihre Region gebracht. In Löbau zum Beispiel haben wir die Kommune dabei unterstützt, eine neue Form von Jugendbeteiligung auszuprobieren. Ich war mit einem Kollegen vor Ort, um an einer Ratssitzung teilzunehmen, in der über Ideen der Jugendlichen abgestimmt wurde.

Wie würden Sie sich einem Unbekannten in fünf Sätzen vorstellen?

Ich komme aus Norddeutschland, lebe aber nach Stationen in London, Köln, Washington und Boston nun aber schon seit 1999 in Berlin. Ich habe Volkswirtschaftslehre studiert, war auf einer Journalistenschule in Köln und dann mehr als zwanzig Jahre Journalistin, die meiste Zeit im Hauptstadtbüro der „ZEIT“. Seit 2020 bin ich Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Stiftung und verantwortlich für eines der beiden Themenfelder der Stiftung, nämlich „Demokratie stärken“.

Ihre „Bautzener Reden“ haben Sie mit „Politik als Beruf“ überschrieben. Wären Sie gern in diesem Tagen eine Politikerin und warum?

Ich bin nicht geeignet für den Politikerberuf, der eine Härte erfordert und Zugeständnisse im Privaten, die für mich nicht infrage kommen. Aber mich beschäftigt auch als Stiftungs-Managerin und Demokratie-Geschäftsführerin die Frage, wie eigentlich ein politisches System beschaffen sein müsste, damit mehr Menschen gern darin mitwirken. 

Was heißt es eigentlich – aus Ihrer Wahrnehmung - Politiker im Jahr 2023 in Deutschland zu sein?

Tja, es kommt natürlich sehr darauf an, ob wir über einen Bürgermeister in einer Kleinstadt oder einen Minister sprechen. Ganz generell: Gestalten zu können für die Gesellschaft ist extrem sinnstiftend, aber leider auch mit vielen Einschränkungen verbunden - meist neben der ständigen Beobachtung auch mit viel Konkurrenz und extrem hohem Zeitaufwand. Das Schwierigste sind vielleicht die widersprüchlichen Erwartungen der Wähler, wonach Politiker beispielsweise einerseits authentisch und nahbar, andererseits auch wiederum Respektpersonen und Vorbilder sein sollen.

Politiker werden abgelehnt, oft persönlich angefeindet und bedroht, gleichzeitig fühlen sich viele Menschen nicht mehr vertreten. Welche Noten würden Sie der Politik derzeit geben und warum?

Noten zu vergeben ist so gar nicht mein Stil. Mein größte Sorge ist aktuell, dass wegen der multiplen Krisen von Klima bis Ukraine-Krieg viele andere Reformen ausbleiben, zum Beispiel im Bildungswesen.

All jene Koordinaten machen es schwer, engagierte Bürger für politische Ämter zu gewinnen. Im Landkreis Bautzen gab es bei den Kommunalwahlen 2022 in elf Gemeinde nur einen Bürgermeister-Kandidaten. Wie lässt sich diesem Trend entgegenwirken?

Ich glaube, dass der demografische Wandel und die vielen Anfeindungen die Situation zunächst eher noch weiter verschlechtern werden. Wir versuchen, mit Projekten wie „Jugend entscheidet“ diesem Trend entgegenzuwirken. Aber natürlich kann eine Stiftung immer nur Impulse geben. Immerhin ist die junge Generation sehr politisch und will mehrheitlich gern gestalten. Das wird sich auch beim Interesse an Kommunalpolitik niederschlagen.

Wie denken Sie, können solche Formate wie die „Bautzener Reden“ die Begeisterung und die Akzeptanz für Politik und Politiker wieder zu fördern?

Ich glaube, dass viele Menschen auf der Suche nach guten Beispielen und Inspiration für gesellschaftliches Engagement sind. Wir leben in sehr politischen Zeiten. Wir werden sehen, ob ich im Mai einen Beitrag leisten kann, ich hoffe es!

 

Zur Veranstaltungsreihe „Bautzener Reden“ lädt die Initiative „Bautzen gemeinsam“ mit dem Verein „Ökumenischer Domladen Bautzen“. Gefördert wird das Projekt durch „Partnerschaften für Demokratie“. Die Gruppe „Bautzen gemeinsam“ vereint Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaft, Kultur, Bildung, sowie religiösen und sozialen Institutionen in und um Bautzen. Ihre Vision ist es, in herausfordernden Zeiten ein positives und vielfältiges Miteinander in der Stadt zu unterstützen und weitere Mitmenschen mit einem demokratischem Werteverständnis zu begeistern. 

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert sich unter anderem seit mehr als zwanzig Jahren mit eigenen Projekten sowie durch die Förderung Dritter für eine starke Demokratie. 

 

Beste Grüße, im Namen der Initiative

Peter-Paul Straube, Heinrich Schleppers, Christian Tiede, Tilmann Popp, Lothar Lange, Katja Gerhardi, Friedrich Pollack, Tim Döke und Miriam Schönbach

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