

Das Gesicht der Welt für den Weltfrieden
Im Oktober 2018 hat das Norwegische Nobelkomitee die zwei diesjährigen, preiswürdigen Gewinner für den Friedensnobelpreis bekanntgegeben. Hier unterbreiten wir den Vorschlag, dass die Nobel-Organisation den nächsten Friedenspreis Jane Goodall zuerkennen möge. Sie wird eine der populärsten jemals ausgezeichneten Nobelpreis-Gewinner sein, mit ausnehmend breiter Unterstützung in den Völkern und Nationen der Welt. Insbesondere da die Preise nicht posthum verliehen werden1, bitten wir dringend darum, dass der nunmehr 84 Jahre alten Jane Goodall diese Ehre zu Teil wird, bevor es zu spät ist. Würde dies jedoch eintreten, halten wir es für unausweichlich, dass sie damit gleichzeitig neben Mahatma Gandhi2 und einer kleinen Auswahl anderer, höchst preiswürdiger Menschen aufzuzählen wäre, denen der Preis versagt bliebe.
Jane Goodall hat in den frühen 1960iger Jahren durch eine Anzahl von Entdeckungen weltweite Aufmerksamkeit erhalten, die erstaunliche Menschenähnlichkeit wilder Schimpansen aufzeigten und einen Paradigmenwechsel bewirkten. Damals hat Louis Leakey bündig und treffend die einzigartige Bedeutung ihrer Entdeckung der Werkzeugherstellung von Schimpansen zusammengefasst: „Jetzt müssen wir den Menschen neu definieren oder die Schimpansen als Menschen anerkennen“3. Das Werk Jane Goodalls über frei lebende Schimpansen inspirierte weltweit eine Neubewertung darüber, was es bedeutet, ein „Mensch“ zu sein, oder was es heißt, ein „Tier“ zu sein. Dies hat unmittelbar zu einer neuen Wertschätzung des gemeinsamen Schicksals geführt, das alle Menschen mit der gesamten Natur teilen und wie wir in Anbetracht der unweigerlichen und zunehmenden Konflikte, die wir mit ihr haben, unsere Definition des „Wir“ für das Überleben der menschlichen Kultur beträchtlich ausweiten müssen. Wir müssen uns als Partner nicht nur mit anderen Menschen sehen, sondern auch als jene von Schimpansen und allen andere Geschöpfen, die auf dieser Erde gehen, schwimmen, kriechen oder fliegen.
Die 1960iger Jahre prägten dem globalen Bewusstsein ein, dass der Frühling stumm sein könnte, dass unser Planet eine einsame, blaue Murmel ist, und dass für alles, was wir unternehmen, unsere Ähnlichkeiten mit Tieren weitaus größer sind als unsere Unterschiede. War es jemals der Fall, dass eine wissenschaftliche Entdeckung mehr zum Weltfrieden beigetragen hat als jene von Jane Goodall? Selbst wenn jemand eine kleine Handvoll von Entdeckungen zusammentrage sollte, die jenen von Jane Goodall ebenbürtig wären, hat dann jemals eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler die wissenschaftliche Karriere hintangestellt und den Rest des Lebens beseelten humanitären Anstrengungen gewidmet, die dem Frieden unter den Menschen dienten, dem Frieden zwischen den Menschen und der Natur und dem Frieden zwischen der belebten Welt der Natur und dem physischen Globus?
Jane Goodall hat 1977 das Jane Goodall Institut gegründet und hat es zu einer weltweiten Organisation des Naturschutzes entwickelt, mit Niederlassungen in mehr als zwei Dutzend Ländern, indem sie deren tragende Werte in allen sechs bewohnten Kontinenten förderte, nämlich dass alle Lebewesen geachtet, ernährt und geschützt würden, mit dem Grundverständnis, dass die Menschen, die Tiere und die Umwelt alle miteinander verbunden sind4. 1986 hat Jane Goodall tatsächlich damit begonnen, alles Andere sein zu lassen und ihre Zeit tausenden von öffentlichen Vorträgen zu widmen, die diese Botschaft in alle Ecken der Welt hinaustrugen. Durch Diskussionen über ihre Arbeit mit den Schimpansen, durch die Arbeit des Jane Goodall Instituts und durch ihre Überzeugung, dass Wissen zu einem Verständnis führt, und dass das Verständnis Menschen ermutigt zu handeln, hat sie mit ihrem eigenen Beispiel gezeigt, dass eine Person – jedes einzelne Individuum – eine Veränderung bewirken kann, und sie hat jeden von uns aufgefordert, unseren Teil zur Gestaltung einer besseren Welt beizutragen. Durch diese persönlichen Auftritte, durch ihre Filme, Bücher und ihre National Geographic Artikel hat sie ihre Friedensbotschaft ganz direkt und damit vielleicht mehr Menschen gebracht als jemals eine andere Friedensbotschafterin oder Botschafter vor ihr. In der Tat war Jane Goodall lange Zeit ihres Lebens die einer Weltöffentlichkeit bekannteste Wissenschaftlerin. In dem Bewusstsein, dass die Werte der Nachhaltigkeit ein Teil des frühen Lernens sein müssen, um die zerstörerischen Praktiken der Menschheit zu ändern, gründete Jane Goodall 1991 die Jugendorganisation für Umweltbildung ‚Roots and Shoots‘, um die Achtung vor allen Lebewesen und das Empfinden für sie fördern, um ein Verständnis für alle Kulturen und jeden Glauben zu stärken, und um jeden Einzelnen zu begeistern tätig zu werden, um diese Welt zu einem besseren Ort für Menschen, Tiere und für die Umwelt zu machen. ‚Roots and Shoots‘ hat mit mehr als 150.000 Mitgliedern in 130 Ländern5 ein enorme Größe erreicht.
Jane Goodalls Botschaft an uns ist, dass es für ein friedliches Miteinander keinen Ersatz gibt. Für die Menschen, die über die Macht verfügen, die Erde, seine Bewohner und die verschiedensten Landschaften zu zerstören, ist Frieden etwas viel Größeres als das bloße Fehlen kriegerischer Handlungen zwischen den Menschen. Vielmehr schließt das Verständnis von Frieden die lebenswichtige Forderung einer nachhaltigen Koexistenz der Menschen mit der lebenden und der unbelebten Welt um uns ein. Ein Friedennobelpreis für Jane Goodall unterstreicht, dass die Menschen keinen Krieg gegen die Natur führen dürfen, sondern dass eher eine echte Harmonie und ein echter Frieden nur möglich sind, wenn die Menschen nachhaltig auf unserem Planeten leben.
Um es klar zu sagen, Jane Goodall ist eine offensichtlich gute Wahl für einen Friedensnobelpreis. Derzeit ist Jane Goodall Friedenbotschafterin der Vereinten Nationen6 und hat bereits feierliche Anerkennungen für ihre humanitären Bemühungen erhalten, die bei weitem zu zahlreich sind, um sie hier aufzuzählen. Wir möchten hier auf ihr Engagement aufmerksam machen, das völlig zu Recht solche Auszeichnungen erhielt. Indem sie ihr Leben der Verbreitung ihrer Friedensbotschaft widmete und indem sie ihre tiefen Einsichten in die Umwelt verbreitete, mittels derer wir die Gesamtheit dieses herrlichen und zerbrechlichen Planten teilen, hat Jane Goodall dabei geholfen, eine Zukunft zu bauen, in der genug für jedermann da sein wird und Frieden regieren möge. Mit diesem Bemühen hat Jane Goodall mehr und besser als jede oder jeder Andere dabei geholfen, um die Brüderlichkeit unter den Nationen zu fördern und um nach dem ausdrücklichen Willen Alfred Nobels die Bedingungen für seinen dem Frieden gewidmeten Preis zu erfüllen.
Biografische Erklärung: Wir sind eine Gruppe von Wissenschaftlern und Umweltschützern, die eine Kampagne ins Leben gerufen haben, um Jane Goodall für den Erhalt des Friedenobelpreises zu unterstützen. Wie regen einschlägig berufene Vorschlagende an, sie zu benennen, und alle Weiteren ermutigen wir, diese Erklärung zu unterschreiben. Gehen Sie bitte auf change.org, schlagen Sie „A Nobel Peace Prize for Jane Goodall“ auf und fügen Sie bitte Ihren Namen unserem Dokument bei.
Erklärung zu Interessenkonflikt: Viele von uns kennen Jane Goodall als Kollegin, und einige kennen sie als Mitarbeiterin, aber nur zwei von uns arbeiten direkt für ihre Organisationen. Keiner von uns erwartet irgendwelche direkten Vorteile davon, diese Aktion zu unterstützen.
Vertretende Kontinente: Afrika, Asien, Australien, Europa, Nordamerika, Südamerika.
Vertretene Nationen: Australien, Brasilien, Deutschland, Großbritannien, Indonesien, Japan, Laos, Malysia, Singapur, Südafrika, Südkorea, Tanzania, Thailand, Vereinigte Staaten von Nordamerika, Vietnam.
German version: Carsten Niemitz
Fußnoten und Quellen:
1“Work produced by a person since deceased shall not be considered for an award. If, however, a prizewinner dies before he has received the prize, then the prize may be presented. https://www.nobelprize.org/nobel_organizations/nobelfoundation/statutes.html#par4
2“Mahatma Gandhi, the Missing Laureate” https://www.nobelprize.org/nobel_prizes/themes/peace/gandhi/
3http://ngm.nationalgeographic.com/print/2003/04/jane-goodall/goodall-letter-text
4http://www.janegoodall.org/our-story/
5https://www.rootsandshoots.org/about3
6http://news.janegoodall.org/2016/09/15/peace-day-we-are-each-messengers-of-peace/
Authorship: Myron Shekelle [1], Herbert H. Covert [2], Craig Stanford [3], Russell A. Mittermeier [4], and others listed alphabetically (see below)
[1] Research Associate, Department of Anthropology, Western Washington University, Bellingham, Washington USA
[2] Professor, Department of Anthropology, University of Colorado, Boulder, Colorado, USA
[3] Professor, Department of Anthropology and Biological Sciences, University of Southern California, Los Angeles, California, USA
[4] Chief Conservation Officer, Global Wildlife Conservation, Austin TX, USA
Rebecca R. Ackermann. Director, Human Evolution Research Institute. Professor, Department of Archaeology, University of Cape Town, South Africa.
Andie Ang, President, Jane Goodall Institute (Singapore)
Marc Bekoff, author
Camille N. Z. Coudrat, Director, Project Anoulak, Lao PDR
Richard W Byrne, Emeritus Professor, School of Psychology & Neuroscience, University of St Andrews, St Andrews, Fife, UK
Ramesh Boonratana, Director, Natural Sciences Program, Mahidol University International College, Thailand.
Jae C. Choe, President, The Biodiversity Foundation, Seoul, Korea
Todd Disotell, Professor, Department of Anthropology, New York University, New York, New York, USA
Shun Deng Fam, Tutor and Course Co-convenor, Fenner School of Environment and Society, The Australian National University, Canberra, Australia.
Izeni Pires Farias, Departamento de Genética, Universidade Federal do Amazonas, Manaus, Brazil
Harry W. Greene, Emeritus Professor and Stephen H. Weiss Presidential Fellow, Department of Ecology and Evolutionary Biology, Cornell University, Ithaca, New York, USA
Colin Groves (posthumous), Professor Emeritus, School of Archeology and Anthropology, Australian National University, Canberra, Australia
Tomas Hrbek, Departamento de Genética, Universidade Federal do Amazonas, Manaus, Brazil
Kevin D. Hunt, Professor, Department of Anthropology, Indiana University, Bloomington, Indiana, USA
Lynne Isbell, Professor and Chair, Department of Anthropology, University of California, Davis, California, USA
Shadrack Kamenya, Conservation Director, the Jane Goodall Institute, Tanzania
James Loucky, Professor, Department of Anthropology, Western Washington University, Bellingham, Washington USA
Linda F. Marchant, Professor, Department of Anthropology, Miami University of Ohio, Oxford, OH, USA
William McGrew, Honorary Professor, Department of Psychology & Neuroscience, University of St. Andrews, Scotland
Fabiano R. de Melo, Professor at Forestry Enginneering Department, Universidade Federal de Viçosa (UFV), Viçosa, Minas Gerais, Brazil
Jim Moore, Professor Emeritus, Department of Anthropology, University of California, San Diego, California, USA
Carsten Niemitz, Professor Emeritus, Institute for Forensic Human Biology,
Mölln, Germany
Le Khac Quyet, Research Associate, Southern Institute of Ecology - Vietnam Academy of Science and Technology, Hanoi, Vietnam
Christian Roos, Senior Scientist, German Primate Center, Leibniz Institute for Primate Research, Goettingen, Germany
Noel Rowe, Founder and President, Primate Conservation, Inc., Charlestown, Rhode Island, USA
Nadine Ruppert, Head of Primate Research and Conservation Lab, School of Biological Sciences, Universiti Sains Malaysia, 11800 USM, Penang, Malaysia
Wes Sechrest, CEO, Global Wildlife Conservation, Austin, TX, USA
Jatna Supriatna, Professor of Conservation Biology and Director, Institute for Sustainable Earth and Resources, University of Indonesia, Depok, Indonesia
Patricia Wright, Distinguished Service Professor, Department of Anthropology, State University of New York, Stony Brook, USA
Juichi Yamagiwa, President, Kyoto University, Japan
Kelly R. Zamudio, Goldwin Smith Professor of Ecology and Evolutionary Biology, Cornell University, Ithaca, New York, USA