Mise à jour sur la pétitionÜberbevölkerung – Globaler Geburtenstopp jetzt! * Overpopulation – Global Birth Stop now!Die Naturgesetze sind hart, aber gerecht
Achim WolfAllemagne
19 oct. 2021

Bevölkerungswachstum und Wirtschaftswachstum aus der Sicht eines Biologen - von Hennig Stieve, Deutschland

Wir haben nicht zu wenige Kinder, sondern wir sind zu viele Menschen!

In der Natur haben Lebewesen normalerweise mehr Nachkommen als überleben können. Trotz der natürlichen Überproduktion nehmen die Individuenzahlen der meisten Arten nicht laufend zu, weil viele Individuen durch Feinde, Krankheiten, Stress und andere Ursachen frühzeitig sterben. Überproduktion an Nachkommen ist ein wesentliches, aber teures Erfolgsrezept in der Evolution. Da die Nachkommen untereinander erblich verschieden sind, werden dabei viele zufällig verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, um in der Umwelt zurechtzukommen.
Da es Feinde und Konkurrenten und nicht genügend Lebensraum und Ressourcen für alle Nachkommen gibt, können nicht alle überleben. Viele von ihnen sterben (bevorzugt solche, die für die gerade herrschende Situation weniger geeignet sind) ohne sich fortzupflanzen (Selektion). Daher wachsen in der Natur Populationen nicht beliebig; die Populations-Dichte ist beschränkt. Die Wege, auf denen die Bevölkerungszunahme reguliert wird, sind bei verschiedenen Tier- und Pflanzenarten recht verschieden. Zwei Extreme: Ungebremstes Bevölkerungswachstum führt in eine Katastrophe. Viele Arten leben nach einer Katastrophenstrategie: Blattläuse, Wanderheuschrecken, Lemminge und Pionierpflanzen (z.B. Ackerunkräuter) vermehren sich explosionsartig, wenn die Bedingungen günstig sind; später sterben die meisten von ihnen in Massensterben. Nahrungs- und Platzmangel, Infektionskrankheiten, Stress und Zunahme der Feinde sind häufige Ursachen. Anschliessend kann das Wachstum wieder von wenigen Individuen von neuem ausgehen. Bei manchen Arten mit langlebigen Individuen sterben die allermeisten Nachkommen in den frühesten Stadien. Eichen und Buchen produzieren eine riesige Zahl an Nachkommen, von denen die meisten als Sämlinge aus Lichtmangel zugrunde gehen. Nur ein winziger Bruchteil von ihnen wächst zu stattlichen Bäumen heran.
Andere Arten, z.B. viele langlebige grössere Säugetiere (Elefanten, Hirsche und Menschenaffen), haben eine geringere Überproduktion an Nachkommen, doch auch ihre Populationsdichte wird durch Selektion begrenzt, wobei es nicht zu katastrophalen Massensterben kommen muss. Einige Tierarten haben im Laufe der Evolution gelernt, ihre Vermehrung bei Bedarf selbst zu begrenzen. So gibt es Mäusearten, bei denen bei hoher Populationsdichte unter anderem durch Stress die Ei- und Samenreifung (selbst bei noch ausreichender Ernährung) eingeschränkt wird, schliesslich sogar aufhört, und Embryonen absterben. Manche Arten pflanzen sich unter schlechten Bedingungen weniger oder nicht fort (Beispiele: Mäusebussard und Eulen bei Mäuseknappheit). Ein besonderer Regulationsmechanismus ist z.B. von Krallenäffchen bekannt: Sie leben im tropischen Regenwald in Familienverbänden, in denen nur ein Weibchen Junge bekommt. Dieses ‹Alpha-Weibchen› sondert einen Duftstoff (ein Pheromon) ab, der bei den anderen Weibchen die Eireifung verhindert. Arten können neue Lebensräume erschliessen, wodurch mehr Nachkommen überleben können. So hat der Mensch die ganze Erde besiedelt, auch indem er die Umwelt gewaltig verändert hat. Die Umweltbedingungen in der Nähe der Menschen sind auch für viele andere Arten attraktiv. Solche ‹Kulturfolger› können sich mit dem Menschen über die ganze Erde ausbreiten. Beispiele sind unter anderen Hausmaus, Haussperling, Wanderratte und Stadttaube. Manche von ihnen können sich in Menschennähe, wo sie kaum Feinde haben, so stark vermehren, dass sie zur Plage werden können und Menschen ihre Vermehrung einschränken. Hirsche und Rehe, die bei uns kaum noch Feinde haben, würden sich noch mehr vermehren, wenn nicht viele von ihnen durch Jäger getötet würden. Die Menschen vermehren sich gewaltig; und sie haben heute ausser Krankheiten kaum noch artfremde Bedrohungen. Als Kulturschaffende und Kulturfolger erobern und beanspruchen sie immer mehr Raum der Erde, wobei dieser Raum für viele andere Arten verlorengeht. Die Menschheit ist dabei, die Lebensgrundlage für viele Tier- und Pflanzenarten und damit auch für kommende Menschengenerationen zu zerstören, zu verbrauchen.
Seit vielen Jahrzehnten ist das Wachstum der Menschheit exponentiell. Wenn das so weiter geht, führt es zwangsläufig in Katastrophen. Viele Probleme werden durch Überbevölkerung verursacht. Krankheiten und Stress, Nahrungsmangel, Konkurrenz und schliesslich Kriege um Ressourcen und Raum sind drohende Gefahren von zu hohen Populationsdichten. Überbevölkerung gibt es auch in Deutschland – nicht nur in Ländern wie Indien, China und Brasilien. Seit es Menschen gibt, haben in Deutschland noch nie so viele Menschen gelebt wie heute.
Eigentlich sollten Menschen mit Vernunft in der Lage sein, ihre Populationsdichte auf ein erträgliches Mass zu regulieren. Dies geschieht aber bisher leider nicht genügend. Fortpflanzungstrieb, Tradition und religiöse Überzeugungen sind zu stark. Auch mangelndes Wissen und politischer Opportunismus verhindern wirksame Geburtenbeschränkung. In vielen westlichen Ländern hat die Geburtenrate mit steigendem Wohlstand und der Erhöhung der Lebenserwartung abgenommen. Dies ist möglicherweise eine vielleicht unbewusste Reaktion auf die Überbevölkerung. Die Abnahme der Geburten könnte darauf hinwirken, dass sich die Bevölkerungsdichte auf ein niedrigeres Mass einpendelt. Eine solche regulierende Reaktion greift allerdings in vielen vor allem wirtschaftlich schwachen Ländern noch nicht. Seit einigen Jahren ist es auch vielen Politikern aufgefallen, dass in Deutschland und anderen westlichen Ländern der Anteil der Älteren erheblich zugenommen hat. Das gesellschaftliche Fürsorgemodell, nach dem die nachwachsenden Jungen die Alten mitversorgen, ist für die menschliche Gesellschaft bei nicht zu hohen Populationsdichten naheliegend. Bei einem grossen Übergewicht an Älteren passt dies aber nicht mehr. Und da fällt vielen nichts anderes ein, als zu fordern, es müssten bei uns mehr Kinder geboren werden. Aber das würde weitere Überbevölkerung bedeuten. Es sind stattdessen neue Lösungswege gefragt. Wir müssen nach intelligenten anderen Lösungen als den gewohnten suchen. Arbeit muss anders verteilt werden. Wenn es weniger junge Menschen gibt, um die vielen Alten zu versorgen, sollten arbeitsfähige Alte mithelfen, für andere Alte zu sorgen. Oft wird hier noch eine Wartehaltung verteidigt: «Wir müssen erst dann etwas gegen die Überbevölkerung unternehmen, wenn dies auch viele andere Länder tun.»
Aber auch die viel grössere Überbevölkerung in ärmeren Ländern ist kein Grund, jetzt in Deutschland noch nichts zu unternehmen. Wäre es nicht besser, einen vorbildlichen Weg zu suchen, bei dem wir mit kleineren Nachwuchszahlen eine ausgewogene gesellschaftliche Fürsorge zustande bringen?
Permanentes Wirtschaftswachstum auf Kosten anderer?
Es scheint so, als sei es heute ein von fast allen Wirtschaftlern, Politikern und Medien kritiklos akzeptiertes Credo, dass wir ein jährliches Wirtschaftswachstum von einigen Prozent brauchen. Ein stetiges Wachstum um beispielsweise 2% bedeutet aber ein exponentielles Wachstum – ins Grenzenlose; das sollten wir trotz unseres Pisa-Defizits einsehen können. (Viele Politiker wissen vielleicht nicht, was exponentielles Wachstum bedeutet, aber Frau Merkel, als Physikerin, sollte es wissen.) Wachstum – und schon gar exponentielles – darf es auf der begrenzten Erde heute nur in vorübergehenden Entwicklungsphasen geben, wenn es nicht in Katastrophen führen soll. Fortlaufendes Wirtschaftswachstum kann bei uns im wesentlichen nur auf Kosten anderer (schwächerer Länder und zukünftiger Generationen) erfolgen. Die Weltwirtschaft scheint nach naturgegebenen Gesetzen zu verlaufen. Bisweilen führt sie zu Fehlentwicklungen: So wird unter anderem Milch und Schlachtvieh in ganz Europa über weite Strecken hin- und her gekarrt, weil es ‹ökonomischer› ist, als sie dort zu verarbeiten, wo sie erzeugt oder gebraucht werden. (Das hat auch ein bisschen von ‹Herren-Moral›: Die Armen können die Drecksarbeit leisten.) In Bielefeld und Halle werden Steine für Strassenpflaster aus China geholt, weil das so billig ist. Es scheint auch ‹ökonomischer›, defekte wertvolle Produkte wegzuwerfen, als sie zu reparieren. Für all das gibt es im Rahmen einer kurzfristigen Wirtschaftslogik plausible Gründe. Weil Energie bei uns verhältnismässig billig ist und Arbeit teuer, scheint es ‹ökonomisch›, unsere Ressourcen rücksichtsarm zu verbrauchen. Nach unserem fast einhellig akklamierten Wirtschaftssystem sollten wir sogar ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir nicht mehr einkaufen, als wir brauchen. Unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem läuft langfristig in eine für die grössere Zahl der Menschen ungünstige Richtung. Wir sind dabei, durch unsere Wirtschaftspolitik unseren Kindeskindern die Lebensbedingungen zu verderben, aber kaum jemand ist ernsthaft daran interessiert, wie es unseren Urenkeln gehen wird.
Viele Politiker und Wirtschaftler haben nicht die Einsicht oder den Mut zuzugeben, dass «Weitermachen mit immer mehr Wachstum» ein falscher Weg ist; andere meinen vielleicht, dass wir wenigstens noch ein paar Jahre so weitermachen können. Es fehlt an Entschlossenheit, zielstrebig zu versuchen, bessere, auch zunächst unpopuläre Wege zu gehen und es nicht späteren Generationen zu überlassen, mit dem Schaden, der heute angerichtet wird, zurechtzukommen. Vieles, was zu tun nötig ist, ist heute unpopulär und deshalb politisch kaum durchsetzbar. Aber sollten nicht die Medien eine Plattform bieten, auf der wir nach besseren Lösungen suchen? Sie könnten mehr dabei helfen, gute Wege zu bereiten, indem sie verschiedene Wirtschaftsmodelle kritisch diskutieren anstatt immer wieder nachzubeten: «Wir brauchen Wachstum, Wachstum, Wachstum!» Wir müssen endlich lernen, mit dem Vorhandenen auszukommen – ohne ständiges Wirtschaftswachstum. Das sollte möglich sein. Die Biologie macht es uns vor: Organismen sind in mancher Hinsicht Modelle für Wirtschaftssysteme. Und der Mensch wächst nach seinem 20. Lebensjahr nicht mehr nennenswert; trotzdem kann er danach ohne Wachstum ein langes gesundes Leben führen. Da wirkt unser Geschrei nach Wachstum ein wenig pubertär: «Ich bin jetzt 18 Jahre alt und wachse kaum noch!» Da wir zur Zeit so auf Wachstum fixiert sind, nehmen wir überhaupt nicht wahr, wie gut es uns in Deutschland geht – im Vergleich zu den meisten Menschen auf der Welt.
Quelle: Hennig Stieve (2006): Bevölkerungswachstum und Wirtschaftswachstum aus der Sicht eines Biologen, Naturwissenschaftliche Rundschau 59(3), 80-83
Prof. Dr. Hennig Stieve (1930 - 2018) war Biologe am Institut für Biologie II, Lehrstuhl für Zoologie/ Tierphysiologie an der RWTH Aachen.

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