Actualización de la peticiónÜberbevölkerung – Globaler Geburtenstopp jetzt! * Overpopulation – Global Birth Stop now!Prof. Niemitz: "Wenn die Zahl der Menschen nicht sinkt, sind alle anderen Bemühungen umsonst"
Achim WolfAlemania
14 oct 2021

Gastbeitrag Professor Dr. Carsten Niemitz vom 12. Oktober 2021:
Mittlerweile verbrauchen wir Menschen auf unserem runden, blauen Raumschiff so viel Ressourcen und produzieren eine derartige Menge an Treibhausgasen, Müll und Feinstaub, dass die Biokapazität und Reproduktivität der Welt dies längst nicht mehr zu kompensieren vermag. Der Ökologische Fußabdruck von Homo sapiens ist inzwischen so groß geworden, dass wir für ein unbeschadetes Überleben mehr als anderthalb solche runden Raumsegler brauchen würden. Diese Angabe basiert auf mehreren tausend alten und oft aktualisierten, neuen Untersuchungen. Die zwingende Logik besagt, dass wir nicht irgendwann in der Zukunft zu viele Passagiere sein werden, sondern wir sind bereits jetzt zirka 3 Milliarden Menschen zu viele Menschen, die auf den etwas mehr als halben, fehlenden Planeten exportiert werden müssten. Die Überfüllung unseres blauen Raumschiffs kam indes keineswegs über Nacht. Denn nach dem II. Weltkrieg hatte die zunehmende Zahl der Passagiere sich durch weitere Plünderung der Vorräte an Kohle, Erdöl und vielen anderen Teilen des Proviants einen durchschnittlich steigenden Lebensstandard erarbeitet. Der mitgeführte Abfall bereitete auch 1971 noch keine Sorgen, als die regenerativen Kräfte der Selbstreinigung und der Nährstoffgeneratoren an Bord nicht mehr ausreichten und es, von den Passagieren noch unbemerkt, an die Reserve ging (Beyer 1998).
Seither leben wir mit einem systematischen Defizit, das jedoch eine geraume Zeit auch von den allermeisten Fachleuten gar nicht wahrgenommen wurde. Zwei Jahrzehnte später findet man folgendes Zitat: „Jetzt schon ist die ökologische Tragfähigkeit der Welt durch die Anzahl der heute lebenden Menschen überlastet. … Es genügt nicht, wenn Raten der Bevölkerungszunahme gesenkt werden. Wenn die Zahl der Menschen nicht sinkt, sind alle anderen Bemühungen umsonst (Niemitz 1991, S. 71). Die Herleitung jenes Sachverhaltes erfüllte keine wissenschaftlichen Kriterien, war aber einfach und logisch. Seit wir auf der Welt zirka 1,5 Milliarden Menschen geworden waren, „ging es mit der Natur ebenso stetig beschleunigt bergab, wie es mit der Bevölkerungsexplosion aufwärts ging“ (ders., S 71). Der Schwund unserer Lebensbasis war evident, und das negative Korrelat erschien kausal, denn die Selbstheilungskräfte der Natur waren offensichtlich zunehmend überfordert. In Diskussionen mit Fachkollegen erlebte der Autor erwartungsgemäß mehrfach Zweifel an seiner Aussage, die erst später durch die Arbeiten des Global Footprint Network wissenschaftlich Rang erhielt und in der Sache nachträglich bestätigt wurde (vgl. Wackernagel/Rees 1997). Alle wissenschaftlich wie öffentlich aktuell diskutierten Problemfelder sind jüngeren Datums und erst mit der wachsenden Bevölkerung durch menschliche Eingriffe entstanden.
Mit der zunehmenden Zahl von Menschen gibt es auch mehr Frauen im gebärfähigen Alter und damit auch mehr Kinder pro Jahr. Deshalb war der jährliche Zuwachs 2018 trotz einer global gesunkenen Fertilitätsrate etwas stärker als er beispielsweise 1990 war (UN Department of Economic and Social Affairs 2019). Am 6. August 2019 nahm die Weltbevölkerung nach derselben Quelle um etwas mehr 256 000 Menschen zu – und am 1. August 2021 um 264‘700 - an nur einem Tag. Würden wir von Null beginnen, also die Erde neu besiedeln und uns mit diesem Betrag von einer Viertel Million Menschen pro Tag vermehren, würden wir die Weltbevölkerung von einer Milliarde Individuen in nur knapp 11 Jahren erreichen. Wir propagieren uns nach einem Zinseszinsmodus, was nach wie vor der Vermehrungsart von Bakterien entspricht (Niemitz 2018).
Gleichzeitig wird das Thema der Familienplanung mit dem Ziel einer Verminderung der Geburtenzahlen auf politischer Ebene recht konsequent tabuisiert. Wo immer die Entwicklung der Bevölkerung bei Zukunftsfragen eine Rolle spielt, werden die demografischen Prognosen zugrundgelegt, ohne dass ein Gedanke oder ein Wort über mögliche Einflussnahmen darauf verschwendet wird. In einer Online-Broschüre hat der World Wide Fund for Nature WWF zehn „Kluge Lösungen“ zur Bewältigung der Zukunftsprobleme vorgeschlagen. Bevölkerungsrelevante Aspekte wie beispielsweise eine Familienplanung werden gar nicht in Betracht gezogen. Das so umfassende ‚Handbuch für Klimaschutz‘ und auch die darin zu Wort kommenden neun Wissenschaftler berühren alle das Thema der Weltbevölkerung mit keinem Wort (Hentschel/Kenzer 2020), obwohl Klima und Bevölkerungsentwicklung kausal miteinander korreliert sind.
Die UNO hat optimistische, mittlere und pessimistische Prognosen erstellt, wobei elf Milliarden Menschen zu den relativ optimistischen Vorhersagen gehören. Wenn wir die jetzigen Umweltprobleme betrachten und die aktuelle politische Nervosität, dürfte die Bereitschaft der Regierungen für ökologische und bevölkerungspolitische Zugeständnisse mit steigender Konkurrenz eher schrumpfen als wachsen. Eher wird die Bereitschaft zu Konflikten und Kriegen wahrscheinlicher. Deshalb müssen die Regierungen, wie bei den Klimaverhandlungen von Paris auch, davon überzeugt werden, dass die Lösungen im Interesse ihres jeweils eigenen Landes sind. Mit der Bewältigung dieser schwierigen Aufgaben muss man unverzüglich beginnen.  
Der Club of Rome hat bereits 1991 eine „Globale Revolution“ gefordert (King/Schneider 1992). - Eine Revolution! Richard von Weizsäcker, wahrlich viel mehr als besonnener Denker denn als Revolutionär bekannt, war damals im Vorstand des Club of Rome. Über ein Vierteljahrhundert haben wir inzwischen verplempert. Ganz ohne revolutionären Lärm jedoch hat sich eine höchst bedeutsame Entwicklung ganz anderer Art großräumig ausgebreitet.
In vielen Ländern der Welt haben die Frauen damit begonnen, ein neues Menschenbild zu entwerfen, nämlich das einer selbstbestimmten Frau, die ihre Lebensziele nicht ausschließlich an ihren Kindern und deren Anzahl orientiert. So hat die Fertilitätsrate im Weltdurchschnitt von 1969 bis 2017 nach statischen Angaben der Weltbank rund um die Hälfte abgenommen. Waren es 1960 noch fast fünf, nämlich 4,9 Geburten pro Frau, so sind es nun nur noch 2,6 zur Welt gebrachte Kinder. Wegen der vormals hohen Geburtenziffer war dieser Rückgang bei den islamischen Staaten des Nahen Ostens am dramatischsten. In Saudi Arabien hatte die Fertilitätsrate 1978 mit 7,3 Geburten pro Frau ihren Höhepunkt erreicht und liegt nun bei nur noch etwa 2,5 Geburten; noch niedriger liegt sie inzwischen mit durchschnittlich etwa 1,7 Geburten pro Frau im Iran und damit deutlich unter den Werten für die USA und besonders auch Frankreich, wo sie aktuell 2,1 beträgt (alle Angaben nach: Fertilitätsraten der UN, online).
Mit Besorgnis muss man dabei aber zur Kenntnis nehmen, dass die hohen Geburtenziffern der 1960iger bis 1980iger Jahre zwei Jahrzehnte später zu einem dramatischen Anstieg fertiler Frauen geführt hat, so dass sich beispielsweise die Bevölkerung Saudi Arabiens gegen den Trend der Fertilität in den letzten nur fünfzig Jahren von 5,4 Millionen auf über 33 Millionen Einwohner versechsfacht hat (Laenderdaten.info, Saudi Arabien, online).
Wenn wir Menschen jetzt und sofort ein Nullwachstum durchsetzen würden, müssten wir abwarten, bis wir durch den natürlichen Absterbeprozess allmählich wieder zum Nachhaltigkeitsniveau zurückgelangen würden, auf dem die Ressourcen für alle ausreichen und wir Atmosphäre, Böden und Meere nicht weiter übermäßig belasten würden. In einem rein theoretischen Gedankenexperiment wurde durchkalkuliert, dass wir nach 20 Jahren so viele Menschen wie etwa 1993 wären, also zu einem Zeitpunkt, in dem wir uns bereits tief in der ökologischen Schuldenzone befunden hatten. Eine solche Kinderlosigkeit auf der ganzen Welt würde nicht genügen, um den Bereich der Nachhaltigkeit zu erreichen (Niemitz 2021). Wir würden unser leck geschlagenes Schiff auch mit einer solchen harten Maßnahme nicht an ein trockenes Ufer steuern können. Mit effektiven Maßnahmen zur Begrenzung der weiteren Erderwärmung müssen wir sofort beginnen. Dasselbe gilt für die Begrenzung der Geburten auf der Welt.
Autor: Carsten Niemitz / 21-10-12 / verändert nach: Paragrana 29, 2020

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