

Leserbriefe zu "ÜBERBEVÖLKERUNG STOPPEN - Überbevölkerung – was tun?; Problem des Weltbevölkerungswachstums; Apokalyptische Dimensionen oder Platz für alle; Leserforum 4. und 3. Januar sowie 29./30. Dezember, Das Problem der Überbevölkerung endlich ernst nehmen! - Leserforum 27. Dezember" (MERKUR.de)
Man sollte Entwicklungshilfe nur unter der Bedingung der Einführung einer Geburtenkontrolle in den betroffenen Ländern leisten. Es ist moralisch vertretbarer, Bevölkerungswachstum zu verhindern statt hinzunehmen, dass viele Menschen ins Elend hineingeboren werden. Reiche Länder müssen alle Waffenexporte und die Ausbeutung der Bevölkerung armer Länder sofort einstellen. Auch die Abkehr der Förderung der pervertierten „Landwirtschaft“ in Form von Fleischfabriken, die Tierleid, Umweltverschmutzung und Sojaanbau in Urwaldregionen verursacht, ist dringend geboten. Sie hat auch eine zerstörerische Wirkung auf die afrikanischen Märkte.
Theresa und Daniel Rottenfußer
Markt Indersdorf
Grundsätzlich gehe ich mit der Meinung von Herrn Rottmeir absolut konform, dass die Überbevölkerung die Ursache nahezu aller unserer derzeitigen Probleme weltweit ist. Ob dies nun mittel- oder unmittelbar ersichtlich ist, spielt hier wohl nicht die Rolle. Diese Überzeugung vertrete ich seit Jahren im Freundeskreis und treffe damit häufig auf wenig Verständnis, obwohl die Zusammenhänge greifbar sind.
Auch auf die Gefahr hin, meinen Vorredner zu wiederholen: Jeder Mensch braucht Platz, Wohnung, Nahrung, wird ein Fahrzeug verwenden und wird zwangsläufig dazu beitragen, dass unsere Umwelt verschmutzt wird. Das ist unabhängig davon, wo dieser Mensch aufwächst. Es gibt eine Reihe von Tiervölkern, deren Populationsgröße automatisch den Ressourcen angepassten Gegebenheiten entsprechend eingeschränkt wird, um das Überleben zu sichern. Von diesem Selbstschutzmechanismus sind wir als Menschheit so weit entfernt wie der Steinzeitmensch von der Mondfahrt.
Leider gibt es zu diesem Thema noch einen Punkt, der im Brief von Hr. Rottmeir nicht angesprochen wurde, den ich aber enorm wichtig finde: Obwohl es wohl leider unmöglich ist, eine Regulierung der Weltbevölkerung zu erreichen, sehe ich in den derzeitigen Kriegsgeschehnissen überall bereits Vorboten dessen, was uns erwarten wird, da gerade der spürbare Mangel an allem bei einigen oder sogar vielen Menschen dazu führt, dass Auswege gesucht werden. Ich persönlich sehe hier erst den Anfang dessen, was uns erwartet. Die Geschehnisse etwa in Afrika sind hier wohl vergleichsweise nur Scharmützel. Da nützt auch das bei uns so gerne und blind gelebte Gutmenschentum nichts dagegen.
Ich möchte kein Katastrophenprediger sein, lebe ich derzeit doch noch recht gerne hier, aber gerade wegen unseres so vielfach gepriesenen Bildungsstandes ist es für mich absolut unverständlich, warum die Zusammenhänge nicht gesehen werden. Es kann doch nicht sein dass eine Bevölkerungsgruppe, die gerade dies alles nicht wahrhaben will, glaubt, von den Konsequenten ausgeschlossen zu bleiben.
Raimund Seitz
München
Herr Helmut Kissel, Pastor i.R., zitiert die Bibel mit dem berühmten Ausspruch „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde!“ (1. Moses 1,28). Er erwähnt wohlweislich nicht, dass diese Aufforderung einer Zeit vor 2000 Jahren zuzuordnen ist, wo auf der ganzen Erde etwa 300 Millionen Menschen gelebt haben dürften, also etwa fünf Prozent der heutigen Menschheit.
Polemisch ist seine Äußerung: „Sollen wir jährlich 83 Millionen Menschen umbringen?“ in Bezug auf die Tatsache, dass die Bevölkerung der Erde jährlich um diese Zahl zunimmt, die in etwa der Einwohnerzahl Deutschlands entspricht. Leserbriefschreiber Rottmeir weist ja nur auf diese erschreckende Zahl hin und fordert in keiner Weise das Umbringen von Menschen.
Die meisten und größten derzeitigen Probleme haben mit der Bevölkerungsexplosion zu tun: Kriege, Hunger, Ausbeutung, Umweltschäden, Krankheiten usw. Unsere Politiker doktern aber nur an den Symptomen herum. Sie machen riesige Konferenzen, z.B. um die Erderwärmung einzudämmen, und machen andererseits nicht die geringsten Versuche, gerade in den Entwicklungsländern eine wirksame Geburtenkontrolle durchzusetzen. Es gibt schon Möglichkeiten, dagegen einzuwirken, dass sich die Bevölkerung Afrikas bis 2050 verdoppelt. Dass es nur mit Gewalt geht, wie Herr Pastor Kissel meint, ist Unsinn: Auch die ärmsten Länder verfügen über Fernsehen, Mobilfunk etc., zum Teil besser organisiert als in Deutschland. Hier könnten Aufklärungskampagnen laufen, die auf die Folgen der Überbevölkerung hinweisen. Man könnte mit Kürzung der Entwicklungshilfe drohen, wenn sich Staaten nicht kooperativ zeigen. Man könnte Prämien für freiwillige Sterilisation zahlen. Man könnte auch – was Teile der Kirche vehement ablehnen – das Benutzen von Kondomen forcieren und diese kostenlos abgeben.
Die neue Welt mit Platz für alle, von der Herr Pastor Kissel träumt, wird nur dann kommen, wenn wir etwas tun. Wie heißt der alte Spruch: „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!“
Otto Kellermann
Moosinning
Herr Pfarrer Kissel, bei allem Respekt für ihr früheres Amt, aber sich bei dem Problem der Überbevölkerung auf das Alte Testament zu beziehen, seine Hände in den Schoß zu legen und sich ausschließlich auf Gott zu verlassen, wird der Problematik überhaupt nicht gerecht. Es sei denn, Sie akzeptieren, dass wie zu Moses’ Zeiten die Menschen am Ende verhungern, verdursten oder durch Krieg und Seuchen ums Leben kommen werden.
Ihr Ansatz – da kann man nichts machen, außer man wäre bereit diese zusätzlichen Menschen umzubringen – geht an der Wirklichkeit vorbei. Selbstverständlich kann man etwas dagegen machen. China hat es durch die Einkindehe vorgelebt. Natürlich war der ausgeübte Zwang für die Bevölkerung einschneidend und hat negative Spuren in der chinesischen Gesellschaft hinterlassen. Aber die Option irgendwann elend zu verhungern, auf Migrationswegen versklavt, ausgebeutet zu werden oder zu ertrinken, erscheint mir als die wesentlich schlechtere Alternative.
Man könnte hierzulande politischen und wirtschaftlichen Druck ausüben und beispielsweise die Entwicklungshilfe nicht mit der Gießkanne verteilen, sondern vorwiegend an die Staaten, die sich dem Problem der Überbevölkerung nicht verschließen. Auch die Hilfsleistungen durch NGOs und unsere Spenden sollten sich daran orientieren, Menschen in Entwicklungsländern eine Versorgung im Alter auch ohne Kinderreichtum zu ermöglichen. Und schließlich könnten sich die Weltreligionen dieser ungeheuerlichen Gefahr von zu vielen Menschen für diese kleine Erde nicht länger verschließen und aufhören Kinderreichtum zu predigen.
Josef Sporer
Seeshaupt
Quelle: https://www.merkur.de/lokales/leserbriefe/leserbriefe/ueberbevoelkerung-stoppen-10936287.html