Ärzte und Pflege sorgen sich über die Entwicklung in der Coronaepidemie

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Besserer Schutz, statt stärkerer Lockdown - wir unterstützen einen Strategiewechsel in der Pandemiebekämpfung.

Die Wahrscheinlichkeit an Corona zu versterben steigt mit zunehmenden Lebensalter (ca. 83 Jahre im Median) und Vorerkrankung, dennoch werden diese vulnerablen Gruppen nicht gesondert geschützt. Bereits im September haben Ärztevertreter die Meinung führender Virologen wie von Prof. Streeck unterstützt, dass kurzfristige Maßnahmen wie der Lock-down das langfristige Covid-19 Problem nicht lösen werden, bzw. mehr Schaden als einen langfristigen Nutzen hervorbringen werden.

Inzwischen hat sich genau dies bewahrheitet und die Politik hat keine Lehren hieraus gezogen: Wir haben zu wenig Impfstoffe und zu wenig Geimpfte, ebenso ist unklar, inwieweit die Impfung eine länger andauernde Immunität erbringen wird.

Fokussierung auf Schutz vulnerabler Gruppen

Der Strategiewechsel umfasst v.a. den Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen, eine Abkehr von der allumfassenden Kontaktnachverfolgung hin zu einer Priorisierung bei der Nachverfolgung, eine Mitnahme der Bevölkerung durch Gebote statt Verbote, sowie die Einhaltung der sogenannten AHA+L-Regeln (Abstand/Hygiene/Alltagsmaske + App + regelmäßiges Lüften). Das dieser Weg richtig ist, hat Musterschüler Tübingen bewiesen: Hier ist der sogenannte "Inzidenzwert" bei den über 75jährigen fast Null.

Zudem muss die Politik ehrlich kommunizieren, dass uns das Virus die nächsten Jahre begleiten wird. Auch ein möglicher Impfstoff wird nur ein Mittel unter vielen zur Bekämpfung der Pandemie sein, daher kann nur ein umfassenderer Schutz von Menschen mit hohem Erkrankungsrisiko das nächste Ziel sein.

Hier halten wir unter anderem folgende Maßnahmen für notwendig:

1. Schnelleres Impfen von Alten, Vorerkrankten, von Menschen mit viel Kontakt zu dieser Bevölkerungsgruppe (z.B. pflegende Berufe, Reinigungs-und Küchenpersonal, Seelsorger und Ärzte).

2. "Ohne Test, kein Kontakt": Besucher in Seniorenheimen, Pflegeheimen und Krankenhäusern sollten in einem „Schleusen“-Modell nur nach negativem Antigen-Schnelltest Zutritt erhalten.

3.  Bei Kontakt mit gefährdeten Menschen müssen FFP2-Masken getragen werden.

4.  Weg vom sogenannten Inzidenzwert, sondern den Focus auf die Lage in den Krankenhäusern und die Sterberate setzen.

5. Versäumnisse der Politik aufarbeiten: Die Politik hat den Sommer vertreichen lassen, ohne Präventionskonzepte für vulnerable Bevölkerungsgruppen zu entwickeln. Als Vorbild hätten die Konzepte der Arztpraxen dienen können.

6.  Ausgewiesene Hygienekonzepte, die auch zertifiziert nach einem Standard sein müssen,  sollten dazu führen, dass das öffentliche Leben in der Gastronomie, Schulen usw. wieder möglich wird. Gesellschaftlich und infektionsepidemiologisch halten wir es für besser, wenn Menschen sich in öffentlichen Räumen mit Hygienekonzepten unter optimalen Bedingungen treffen, als dass sich die sozialen Begegnungen in vergleichsweise weniger sichere private Innenräume verlagern.

7. Monatliche Evaluation der Massnahmen, um nach zu steuern mit zeitlicher Begrenzung von Massnahmen.

8.  Wissenschaftliche Aufarbeitung der Pandemie.

9. Einheitliche Konzepte und Vorgehensweise bei Gesundheitsämtern.

10. Schaffung einer Pflegereserve und bessere Bezahlung, um die Pflege zu entlasten. Entlastung der Pflege bei den Testungen der Bewohner und Mitarbeiter.

Dr. Steffen Grüner                   Dr. Thomas Thiele