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Frau Giffey, novellieren Sie das Abstammungsgesetz! Wir sind Mütter!

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Der Gesetzgeber wurde verpflichtet, bis zum 31. März 2020 eine Neuregelung für das Stiefkindadoptionsgesetz zu treffen. Das nehmen wir zum Anlass, gleich zu fordern, dass lesbische Paare, bei denen eine die biologische Mutter ist, davon herauszunehmen!

Ich bin Melanie, und bin mit Sabrina verheiratet. Dennoch kann meine Frau Sabrina nicht Mutter unseres gemeinsam geplanten Kindes sein. Zum einen, weil wir zwei Frauen sind. Zum anderen, weil Sabrina chronisch krank ist.

Wir sind ein Paar seit 2006. Ich habe mich Dezember 2012 mit meiner Frau Sabrina verpartnern lassen. Dezember 2017 haben wir nachgeheiratet, als die sogenannte 'Ehe für alle' geöffnet wurde. Im Juni 2015 habe ich unseren gemeinsam geplanten Sohn geboren. Dennoch ist Sabrina nicht Mutter unseres Kindes.

Wir müssen einen Antrag stellen, eine Stiefkindadoption, damit meine Frau überhaupt Mutter sein kann für unser Kind. Vor dem Gesetz. Mich macht das Thema wütend. Viele Menschen, die betroffen sind, macht es wütend.

Bei heterosexuellen Paaren ist das komplett anders. Da muss das (unverheiratete) Paar einen Termin zur Vaterschaftsanerkennung beim örtlichen Jugendamt machen und dort mündlich bestätigen. dass der Mann der Vater des ungeborenen Kindes sei. Ohne Prüfungen oder kostenpflichtige Termine, ist dieser Mann nun Vater des Kindes. Lesbische (Ehe-)Paare hingegen müssen die Stiefkindadoption durchführen - auch wenn eine Frau die biologische Mutter ist.

Und durch eine für den 1. Juli 2020 geplante Reform der Stiefkindadoption wird das Verfahren für lesbische Paare noch weiter erschwert. Neben einer zusätzlichen Zwangsberatung drohen noch längere Wartezeiten bis der Adoptionsantrag überhaupt gestellt werden darf. Das heißt: Die Diskriminierung und Bevormundung wird sich sogar noch verschärfen!

Für uns kommt es aber noch härter - denn anders als für heterosexuelle, werden homosexuelle Paare auf Herz und Nieren getestet - wortwörtlich. Da Sabrina chronisch krank ist, haben wir zusätzliche Probleme. Meine Frau nimmt voll am Leben Teil und ist die zweite Mutter unseres Kindes, so wie andere Menschen Eltern für ihre Kinder sind. Auch diese werden mal krank. Auch mal chronisch krank. Dort wird dann keine Prüfung gestellt, ob man deshalb die Kinder noch haben darf oder nicht. Bei uns ist das anders: Das Jugendamt prüft alle anzunehmenden Eltern auf Gesundheitsstatus (physisch und psychisch), Gehalt, Wohnsituation.

Im Mai 2016 erhielt meine Frau die Diagnose einer chronischen Krankheit und ist seit Dezember 2018 erwerbsunfähig. Die Krankheit traf uns hart und wir alle mussten dies erstmal verdauen. Sie kommt nun gut damit klar und wir haben uns gut damit eingespielt. Damit ist es allerdings für uns noch nicht getan, denn der Rechtsstaat Deutschland macht uns das Leben als lesbisches Paar mit einem Kind nicht einfach. Sabrinas Krankheit kann zu einem Problem werden laut Amt, da Tim ja sonst mal für die Pflege aufkommen müsste und wegen der Lebenserwartung von Sabrina. Was Quatsch ist, da diese genauso hoch ist wie die eines gesunden Menschen, da Sabrina Medikamente nimmt und in stetiger Behandlung ist

Wir fühlen uns beide gleichermaßen als Mütter unseres Kindes und haben diese Entscheidung zusammen beschlossen. Dass meine Frau unser Kind trotzdem erst adoptieren muss, weil sie vor dem Gesetz nicht als Mutter akzeptiert wird, ist unglaublich diskriminierend! 

Am 31. März wird das Stiefkindadoptionsgesetz erneuert. Wir fordern eine sofortige Reform des Abstammungsrechts. So dass mit der Geburt ihres Kindes beide Mütter gemeinsam in der Geburtsurkunde stehen können und Regenbogenfamilien in ihrer Vielfalt rechtlich anerkannt und abgesichert sind.Wir sind Mütter!

Das BMJV hat März 2019 einen Diskussionsteilentwurf präsentiert, der in eine gute Richtung geht und lesbische Paare unter das Abstammungsgesetz fallen lassen würde. Eine Planung, wann dies durchgesetzt werden soll, existiert jedoch nicht. “Derzeit würden die Stellungnahmen zum Diskussionsentwurf ausgewertet.” so lautet eine Antwort auf die Anfrage von buzzfeed.

Ich fordere daher die Justizministerin Christine Lambrecht, sowie die Familienministerin Franziska Giffey umgehend dazu auf, sich für eine wirkliche Gleichstellung der Ehe für alle, und eheähnlichen Beziehungen, einzusetzen. Wir fordern eine sofortige Reform- die Novellierung des Abstammunsgrechts -einen Gesetzesentwurf, welcher Ehefrauen oder eingetragene Partnerinnen der biologischen Mütter automatisch als „Mit-Mütter“ anerkennt!

Die Stiefkindadoption ist ein unglaublich langwieriges Verfahren mit ärztlichen Attesten, von Mutter und Kind, Notarterminen und -rechnungen, Gerichtsterminen, Jugendamtsbesuchen, Kindesbefragungen, polizeilichen Führungszeugnissen... Einfach ein wahnsinniger langwieriger und unnötig strapazierender Prozess, nur, damit meine Frau auch Mama sein darf. Das kann doch so nicht sein! „Gleichgestellt“ ist die Ehe genau deswegen eben noch lange nicht. Dies ist ein großer Punkt für viele betroffene lesbische Paare! 

Deshalb: Bitte helft uns mit eurer Stimme, für eine wirkliche Ehe für alle!

Vielen Dank,

Melanie Wolff

Quellen:
https://www.lsvd.de/fileadmin/pics/Dokumente/Recht_6/LSVD-190505.pdf
https://www.bmjv.de/SharedDocs/Artikel/DE/2019/031319_Reform_Abstamungsrecht.html
https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/DE/Reform_Abstammungsrecht.html
https://www.bento.de/queer/stiefkindadoption-so-schwer-ist-es-fuer-homosexuelle-paare-eine-familie-zu-gruenden-a-d2902b6c-5435-4571-8de0-61e7546968b8