Wir fordern wohnortnahe Geburtshilfe in Niedersachsen!

Wir fordern wohnortnahe Geburtshilfe in Niedersachsen!

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Hilke Schauland hat diese Petition gestartet

Jetzt: Geburtshilfe als Grundversorgung ins Krankenhausgesetz aufnehmen!

Aktuelle Pläne für ein neues Krankenhausgesetz in Niedersachsen sehen die Geburtshilfe nicht als Teil der Grundversorgung vor, die für alle Menschen von ihrem Wohnort aus in 30 Minuten erreichbar sein muss. Um die Sicherheit von Mutter und Kind zu gewährleisten und die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern, muss auch die Geburtshilfe zur Grundversorgung hinzugefügt werden. Die geburtshilflichen Angebote müssen den örtlichen Bedarfen entsprechen, um die bedarfsgerechte Betreuung der Familien bieten zu können. Eine Geburt ist nicht planbar, sie ist ein natürlicher und höchst individueller Vorgang. Ein Verlauf kann nicht vorhergesehen werden, eine fachliche Begleitung ist unabdingbar.

Jede Frau hat laut Sozialgesetzbuch V das Recht auf die Geburtsbegleitung, die ihrem individuellen Bedürfnis für ihre Geburt entspricht. Das umfasst die Wahl zwischen klinischer (Kreißsaal) und außerklinischer (Geburtshaus, Hausgeburt) Geburtshilfe. Die meisten Geburten verlaufen physiologisch und bedürfen keines hochtechnischen Settings. So ist die Einstufung der geburtshilflichen klinischen Abteilungen sinnvoll und regional zu planen.

Die freie Wahl des Geburtsorts und der Geburtsbegleitung ist in Niedersachsen akut gefährdet. Allein im Jahr 2021 wurden zwei Kreißsäle geschlossen. In Emden und in Friesoythe können nun keine Kinder mehr geboren werden. Damit setzt sich ein Trend fort. In den vergangenen sieben Jahren schlossen 20 Kreißsäle in Niedersachsen. All dies, obwohl Geburten der häufigste Grund sind, warum Menschen in Deutschland ein Krankenhaus aufsuchen. Die Fallpauschale „Geburt“ ist die mit Abstand häufigste abgerechnete Leistungsposition in niedersächsischen Krankenhäusern. Laut dem Landesamt für Statistik in Niedersachsen wurden 74.119 Lebendgeborene im Jahr 2020 verzeichnet. Dazu kommen Leistungen in der Schwangerschaft, Fehl- und Totgeburten.

Schließt ein Kreißsaal in einer Region, hat das besonders zwei schwerwiegende Konsequenzen, die mit gesundheitlichen Risiken einhergehen: fehlende wohnortnahe Versorgung sowie überfüllte verbleibende Kreißsäle. Die Schwangeren müssen nun weite Wege zur Geburtshilfe in Kauf nehmen und haben keine Wahlmöglichkeit mehr. Die übrig gebliebenen 64 geburtshilflichen Abteilungen (2015 waren es noch 84) haben bereits eine sehr enge Versorgungslage oder sind überlastet und müssen Frauen mit Wehen abweisen. Zusätzlich kommt es immer wieder zu unvorhergesehenen vorübergehenden Schließungen von Kreißsälen. Dies bedeutet eine Ungewissheit für Frauen mit Wehen, die nicht hinnehmbar ist. Überlastetes Personal in überfüllten Kreißsälen kann sich nur unzureichend um die Mütter und ihre Babys kümmern. Dadurch wird die Versorgung weiter verschlechtert.

Eine schwedische Studie hat herausgefunden, dass immer weitere Wege zum nächsten geburtshilflichen Angebot die Sicherheit von Kind und Mutter gefährden. „Eine Anfahrtszeit zwischen 31 und 60 Minuten ging mit dem doppelten Risiko einer ungeplanten Geburt auf dem Weg einher.”(1) Gerade Frauen, die ihr zweites oder drittes Kind erwarten, werden die Klinik wohlmöglich nicht mehr vor der Geburt erreichen. Die Familien sind auf ihrer Fahrt zum Kreißsaal in der Regel ohne fachliche Begleitung auf sich allein gestellt. Es besteht die Gefahr, dass Abweichungen vom normalen Geburtsverlauf nicht oder zu spät erkannt werden und in Notfällen zu spät reagiert werden kann. Darüber hinaus ist durch lange Anfahrtswege davon auszugehen, dass Schwangere zur Geburt vermehrt zu früh aufgenommen werden, mit negativen Folgen für Mutter und Kind: „Frauen, die bereits im sehr frühen Stadium der Geburt [sog. Latenzphase] in ein Krankenhaus eingeliefert werden, erleben häufiger Komplikationen und Interventionen, einschließlich eines Kaiserschnitts.“ (2) Die Gebärende muss also genau dann eine geburtshilfliche Abteilung aufsuchen können, wenn sie es braucht.

Bisher umfasst die Grundversorgung in Niedersachsen nur die Abteilungen der Inneren Medizin und der Chirurgie, die für eine akute Versorgung wohnortnah in 30 Minuten erreichbar sein sollen. Geburten können aber genau so dringend sein wie Knochenbrüche und Herzinfarkte. Die geburtshilflichen Angebote müssen flächendeckend vorhanden sein, um die von den Familien benötigte bedarfsgerechte Betreuung gewährleisten zu können. Die Versorgungsstrukturen und -leistungen sollten zwischen den Kliniken abgestimmt werden. Zu bedenken ist dabei, dass ein Geburtshaus ein Krankenhaus nicht ersetzen kann, da auch Geburtshäuser nur in der Nähe von Kliniken mit Geburtshilfeabteilung praktizieren dürfen.

Familien in Niedersachsen haben ein Recht auf wohnortnahe und sichere geburtshilfliche Versorgung. Daher muss die Geburtshilfe unbedingt als Teil der Grundversorgung gesetzlich verankert werden.

Liste der unterstützenden Verbände:

  • Arbeitsgemeinschaft Sozialdienst kath. Frauen Niedersachsen
  • AWO Niedersachsen Landesarbeitsgemeinschaft 
  • Caritas in Niedersachsen 
  • Gleichberechtigung und Vernetzung e.V. 
  • Hebammenverband Niedersachsen e.V.
  • Hochschule Osnabrück 
  • Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbüros Niedersachsen
  • Landesfrauenrat Niedersachsen e.V. 
  • Mother Hood e.V.
  • Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e. V. 
  • proFamilia Niedersachsen
  • wellcome - Praktische Hilfe nach der Geburt, Landeskoordination Niedersachsen
  • SoVD-Landesverband Niedersachsen e.V.
  • Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Landesverband Niedersachsen e.V. (VAMV)

(1) https://obgyn.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/aogs.14156

(2) https://midwifethinking.com/2013/11/13/early-labour-and-mixed-messages/ https://journals.lww.com/greenjournal/Fulltext/2005/01000/Outcomes_of_Wo­men_Presenting_in_Active_Versus.14.aspx https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16434043

Aktionsbündnis Gesundheit rund um die Geburt

Birgit Ehring-Timm

Bgm.-Hippen-Platz 1 26603 Aurich

www.gesundheit-rund-um-die-geburt.de

Mail: info@gesundheit-rund-um-die-geburt.de

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