

Liebe Unterstützer und Unterstützerinnen der Petition,
wie ihr sicherlich letzte Woche mitbekommen habt, hat der SWR bekannt gegeben, dass er die Suche nach einer nachhaltigen Lösung für den Fundus aufgegeben hat. Diese Ankündigung hat uns und euch, das entnehmen wir euren zahlreichen Emails, überrascht.
Haben wir uns doch in den letzten Monaten intensiv darum bemüht, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die gemeinsam mit dem SWR eine sinnvolle Lösung für den Fundus erarbeiten sollte.
Ziel war es, den Fundusbestand zu übernehmen und in eine Stiftung zu überführen. Helfer aus der Filmwirtschaft waren bereit, Vollzeit daran zu arbeiten. Selbst die MFG wollte das Vorhaben finanziell unterstützen.
Und nun das?
Die Gespräche mit der Arbeitsgruppe wurden mittlerweile von Seiten des SWR eingestellt.
Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, möchten wir uns aus aktuellem Anlass den Aussagen des SWR etwas näher widmen und sie in einen „Kontext“ setzen.
Im Gespräch des Arbeitskreises mit dem SWR wurde schnell klar, dass der Wille zur Zusammenarbeit nicht gegeben war. Der Arbeitsgruppe wurde eine Frist von 2 Tagen für den Kauf gesetzt. Belastbare Bilanzen des Fundus, um einen Kauf überhaupt kalkulatorisch durchzurechnen, gibt es bis heute nicht.
„Wir haben uns eineinhalb Jahre intensiv darum bemüht, den Fundus in eine Hand im Südwesten zu geben – nicht nur, um die Filmlandschaft im Südwesten zu fördern, sondern auch, weil der SWR mit seinen szenischen Produktionen weiterhin auf einen geringen Teil an Kostümen und Requisiten angewiesen ist.“ – Zitat aus der offiziellen Pressemitteilung des SWR vom 21.07.2023
Spricht der SWR in den jüngsten Veröffentlichungen also davon, man hätte alles getan, dann stellt sich uns die Situation allein an diesem Beispiel gänzlich anders dar. Selbst für die vom SWR favorisierte Lösung, der kompletten Übernahme, also Halle + Fundus, konnte die Arbeitsgruppe innerhalb einer Woche nach dem Gespräch einen interessierten Käufer finden. Bis zum heutigen Tage wartet auch er auf die für den Kauf notwendigen Unterlagen. Eine externe Einschätzung zur Rentabilität des Fundusbetriebs gibt es daher bisher laut unserem Wissen nicht.
„Es hat sich letztlich niemand gefunden, der den Fundus übernimmt. Dies zeigt, dass er in der bestehenden Form nicht wirtschaftlich zu betreiben ist. Auch für den SWR nicht, der zu einem sorgsamen Umgang mit Beitragsgeldern verpflichtet ist.“
Mehrere Quellen aus SWR-Kreisen berichten uns, dass der externe Verleih des Fundus seit Jahren nur noch beschränkt möglich war. Die Anfragen waren derart hoch, dass mit dem vorhandenen Stamm an Mitarbeitern ein ordentlicher Betrieb in der Ausleihe nicht mehr möglich gewesen wäre. Das Resultat war, das Anfragen abgewiesen werden mussten. Auf die Aufforderung, die Anzahl der Fundusmitarbeiter aufzustocken und somit an den Bedarf im Verleihbetrieb anzupassen, reagierte die Geschäftsleitung 2020 (Corona) mit der Einstellung des Verleihs für Filmproduktionen, Theater und Institutionen aus dem In- und Ausland. Lediglich die hauseigenen Tatorte und Studioproduktionen konnten noch auf den Fundus zurückgreifen.
„Die Entnahmen waren in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, dieser Trend wird sich durch den digitalen Wandel weiter verstärken. - Der SWR reagiert damit auf den rasanten Medienwandel sowie auf die Tatsache, dass immer mehr mit digitalen Mitteln produziert wird. Der Bedarf an Requisiten nimmt dadurch stark ab."
Zunehmend digitale Produktionen wie z.B. die der Virtual Production mögen augenscheinlich dafür sprechen, dass weniger „echte“ Requisite vor der Kamera benötigt wird. Das mag laut Aussagen von Szenenbildnern für Studioproduktionen, wie sie der SWR womöglich vorhat, stimmen, nicht aber für die Produktionen im fiktionalen Bereich. Hier hat der Detailreichtum in der Ausstattung in den letzten Jahren enorm zugenommen und wird auch weiter zunehmen. Fundusbetriebe in anderen Bundesländern reagieren bereits darauf und werden in rasantem Tempo vergrößert, um dem Bedarf und Anspruch internationaler Sehgewohnheiten gerecht zu werden.
Unterm Strich
Im Kontext dieser Erfahrungen stellt sich uns daher die Frage, ob der SWR in den letzten 1 ½ Jahren seit dem Beschluss des Rundfunkrates vom 10. Dezember 2021, überhaupt das Ziel hatte, eine sinnvolle und nachhaltige Lösung in Betracht zu ziehen. Oder, und diesen Eindruck haben wir aktuell, der SWR nie wirklich daran interessiert war, den Bestand zu erhalten.
Die Entscheidung des SWR stellt einen herben Schlag für die Filmwirtschaft in der Region dar und hätte unserer Meinung nach vermieden werden können. Dazu hätte es offene und transparente Gespräche auf Augenhöhe benötigt. Zu diesen war der SWR leider zu keinem Zeitpunkt bereit.
„Wir sind dankbar für diese Gespräche und diesen Austausch.“
Gerade im Kontext eines durch die Öffentlichkeit finanzierten Senders wiegt diese Entscheidung besonders schwer. Dieser Fundus, Kleinrequisiten- wie Möbelfundus, ist mit den Gebührengeldern der Allgemeinheit entstanden. Die Allgemeinheit konnte auf ihn zurückgreifen. Seit 2021 ist das nicht mehr vollumfänglich der Fall. Nicht aus den Gründen, die der SWR in seiner Pressemitteilung anführt, sondern aus nachweislichem Desinteresse.
Wir, der Filmverband Südwest, rufen daher alle Unterstützer der Petition und darüber hinaus dazu auf, den Gremien des SWR und den medienpolitischen Sprechern des Landes darüber zu berichten. Dass wir den Fundus verlieren sollen, wiegt schwer genug. Die Art und Weise des Umgangs mit der ansässigen Filmwirtschaft im Kontext der Behauptungen des SWRs klingen wie blanker Hohn für all jene, die in dieser Branche arbeiten. Zumindest das sollte richtiggestellt werden.