Petition updateWälder sind keine Holzfabriken - es reicht!!!Kinostart im Februar 2026: „Das Flüstern der Wälder“
Susanne EckerGermany
Feb 22, 2026

...eine Liebeserklärung an den Reichtum und die Urkraft der Naturwälder der Vogesen

Wer flüstert noch in unseren Wäldern?

von Herbert Fahrnbauer (BBIWS Bayern)

Inspiriert vom überaus beeindruckenden Film „Das Flüstern der Wälder“ von Vincent Munier habe ich mir einige Gedanken dazu gemacht, wie sich der Wald in meiner unmittelbaren Umgebung während der letzten Jahrzehnte verändert hat.

Dazu muss man wissen, dass ich in einer Gemeinde mit ca. 1300 Einwohnern lebe, die - trotz Ballungsraum - von einem großen Waldgebiet umschlossen wird.  Dieses Waldgebiet ist Teil des Nürnberger Reichswaldes, einer historisch zur Reichsstadt Nürnberg gehörenden großen Waldlandschaft, deren charakteristische Baumart die auf Sandböden wachsende Kiefer ist. Der Reichswald besteht im Wesentlichen aus dem Sebalder Reichswald im Norden und dem Lorenzer Reichswald im Süden. Des Weiteren hat der Nürnberger Reichswald in vielen Bereichen den Schutzstatus Bannwald, FFH- und Natura 2000- Gebiet, sowie europäisches Vogelschutzgebiet.
Entscheidend für die Entwicklung des Nürnberger Reichswaldes war aus meiner Sicht die Forstreform in Bayern im Jahr 2004, wo die bis dahin hoheitlichen Aufgaben der Forstämter in die Landwirtschaftsämter, heute Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eingegliedert wurden.

Damit begann die Entwicklung vom Naturwald zum Wirtschaftswald.

Die ländlich geprägte Umgebung einschließlich ihrer Waldgebiete war schon immer ein Anziehungspunkt für viele Familien und ein wichtiges Argument dafür „aufs Land“ zu ziehen. Die Bewirtschaftung dieser Wälder erfolgte in der Regel von den regional verantwortlichen Förstern, die ihre Arbeiten kleinräumig über das gesamte Jahr verteilt durchführten. Dadurch behielt der Wald eine in sich geschlossene Waldstruktur, die Waldwege waren tatsächlich noch Waldwege, der Erholungswert war genauso wie die Artenvielfalt und der Wildbestand hoch. In verschiedenen Teilbereichen gab es noch eine richtige „Wildnis“.

Wer sich gerne im Wald aufhielt, zum Joggen, Wandern oder einfach nur spazieren gehen, bekam ziemlich sicher eines der vielen Wildtiere wie beispielsweise Feldhasen, Rehe, Füchse oder Buntspechte zu Gesicht. Der Wald war ein Hort der Erholung, vergleichbar mit der Idee des heute organisiert durchgeführten „Waldbadens“. Zum Schutz der nachwachsenden Bäume (Naturverjüngung) wurden Schutzzäune errichtet, die einen Verbiss beispielsweise durch Rehwild verhindern sollten. Die lokal verantwortlichen Förster arbeitenden nach dem Grundsatz der „Hege und Pflege“. So war es auch üblich, dass den Waldtieren während der Winterzeit Futterstände zur Verfügung gestellt wurden. Dieser Wald war in verschiedenen Teilbereichen noch eine Wildnis aber zumindest ein Naturwald.
Der heutige Wald ist von der verantwortlichen Forstwirtschaft zwischenzeitlich weitgehend zu einem Wirtschaftswald umgebaut worden. Die festgelegten Holzeinschlagsmengen werden durch den Einsatz von tonnenschweren Erntemaschinen (Harvestern) über das gesamte Jahr hinweg aus dem Wald geholt. Der Holzeinschlag erfolgt in der Regel großflächig über geschotterte und befestigte Wirtschaftsstraßen, sowie ein dichtes und umfangreiches Netzwerk an sogenannten Rückegassen, das mit den Wirtschaftsstraßen verknüpft ist.  Ergänzend dazu werden parallel zu den Wirtschaftsstraßen beidseitig Entwässerungsgräben vorgesehen.

Die heutige Struktur des Waldes erinnert mehr an die Struktur einer Plantage als an die Struktur eines Naturwaldes oder gar einer Wildnis, die sich selbstbestimmt entwickeln kann. Um einen Bewohner des Waldes, wie beispielsweise Feldhase, Reh oder Fuchs tatsächlich zu Gesicht zu bekommen, muss man schon Ausdauer und sehr viel Glück beim Waldspaziergang mitbringen. Zudem gilt der Grundsatz „Wald vor Wild“, wodurch die nachwachsenden Bäume vor dem Wildverbiss dadurch geschützt werden sollen, dass die Abschussquoten deutlich angehoben wurden. 
Der Buntspecht, der in der Vergangenheit seinen Lebensraum in Totholzhöhlen fand, versucht heute verstärkt seinen Lebensraum in die Fassaden von nahegelegenen Häusern zu „hämmern“. Während die Fütterungszeiten für die Wildvögel in der Vergangenheit auf die Wintermonate begrenzt waren, müssen sie heutzutage das gesamte Jahr mit Futter aus dem heimischen Garten versorgt werden. Der Umbau der Wälder geht aber nach wie vor weiter, denn derzeit entstehen aus den Wirtschaftswäldern durch die großflächigen und bevorzugt in Wäldern errichteten und betriebenen Windkraftanlagen Industriewälder. Diese haben aber letztendlich mit Waldökosystemen oder einer unstrukturierten Wildnis überhaupt nichts mehr gemein.


Deshalb ist der ab 19.Februar 2026 in die Kinos gekommene Film „Das Flüstern der Wälder“ von Vincent Munier eine sichtbare und hörbare Wertschätzung an die ursprüngliche „wilde Natur“, die so wie im Film gezeigt leider immer seltener wird.

 

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