
Die Hecke! Und was von ihr noch übrig blieb…
Liebe Waldschützer in ganz Deutschland,
Waldschutz ist auch Heckenschutz – das klingt seltsam. Aber Heckenstreifen haben gerade durch die Zerstückelung großflächiger Wälder zu kleinflächigen Waldinseln massiv an Bedeutung gewonnen - sofern es sie allerdings überhaupt noch gibt.
Ich bin Ende der 60er Jahre in einem pfälzischen Dorf groß geworden, in dem wirklich riesige Hecken zwischen den Feldern, an steilen Rainen oder am Übergang zum Wald ein fester Bestandteil der Landschaft waren. Diese Hecken wurden von den Dorfbewohnern geschätzt, weil dort im Herbst viele Wildfrüchte wie Himbeeren, Brombeeren, Hagebutten und Schlehen gesammelt und auch die Blätter vieler Sträucher geerntet wurden, die man zu verschiedensten Produkten verarbeitete. (...)
Jeder kannte Hecken, die besonders ertragreich waren und wir Kinder wussten, dass sie immer voller Tiere steckten, wenn nicht gerade wir selbst in diesen dornenbewehrten Festungen spielten (Durchschlüpfe und Zugänge zu inneren Verstecken wurden als Geheimnisse der jeweiligen Kinderbande streng gehütet!). Die Hecken meiner Kindheit sind in meiner Erinnerung „haushoch“, aus heutiger Sicht waren sie wohl eher übermannshoch und es standen in regelmäßigen Abständen kleine Bäume darin, vor allem Eichen, Feldahorn und Wildkirschen, die sich über den Heckenhorizont wie Wächter hinaus reckten.
Im Frühling freute sich jeder im Dorf auf die prächtige Schlehenblüte, die mit ihrem Duft und dem leuchtenden Weiß die Landschaft ebenso verzauberte (die Großeltern sagten dazu: „Die Hecken feiern Hochzeit“), wie die Hagebutten mit ihrem leuchtenden Rot die schon kahlen Zweige im Herbst. Besonders interessant war für uns Kinder aber der Boden der Hecke, der wie gefegt und scheinbar stark von verborgenen Wesen begangen war. Geheimnisvolle Wege und im Winter Spuren im Schnee führten hinein und hinaus, während in den oberen Etagen lautes Gezwitscher die Bewohner in ihrem Versteck verriet…
Im Laufe der Jahre wurden die Felder und die landwirtschaftlichen Maschinen immer größer und die Hecken immer kleiner. Immer öfter hörte ich die Bauern vom „lästigen Gestrüpp“ reden, den „Dornen“, die wertvolles Ackerland raubten und ein Schlupfloch für Ungeziefer und Ackerschädlinge seien. Die Hecken wurden immer stärker beschnitten und an vielen Stellen ganz gerodet oder abgebrannt. Aber das war erst der Anfang eines gigantischen Heckenmassakers. (...)
Aufgrund des Klimawandels wird die Hecke als effektiver Windschutz (Aufleitung der Winde) vor dem eigentlichen Wald eine Sonderrolle einnehmen, die aktuell noch völlig ignoriert wird. Ein steil aufragender Waldsaum ist das Einfallstor für Stürme, die ganze Wälder im Dominoprinzip zu Fall bringen können. Nicht zuletzt deshalb ist Heckenschutz auch Waldschutz, weshalb wir diese Ausgabe des Newsletters DER HECKE widmen.
https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de/2025/03/27/die-hecke-newsletter-bbiws-2025-1/