
BBIWS enttäuscht von den Ergebnissen: weiter auf dem Holzweg statt auf dem Weg der Wissenschaft!
"Wir wissen, dass wir nicht von heute auf morgen einen Wald hochziehen können, und deshalb ist die Tragweite von guten oder von falschen Entscheidungen so immens für die kommenden Generationen,” so Julia Klöckners Statement zum Waldgipfel am 25.September 2019, was erst einmal hoffen ließ. Denn die nächste Generation darf Entscheidungen erwarten, die nicht von Lobbygruppen, sondern von Vernunft gesteuert sind. Dafür gab es ausreichend Vorgespräche, Meinungsäußerungen von Waldökologen, von Kritikern der deutschen Forstwirtschaft und sogar aus dem Umweltministerium.
Offensichtlich half das nicht - die Landwirtschaftsministerin sah das Jahrhundertereignis im Wald nicht als Chance für einen ökologisch orientierten Neuanfang. Stattdessen soll der Wald wie gewohnt mit Kahlschlägen, Abräumen und Wiederaufforsten in Form gebracht werden: Aktionismus unter maschinellem Großeinsatz, finanziert aus Steuermitteln.
Die Erfahrung, dass der menschengemachte Wald den aufziehenden Stürmen, Kalamitäten, Dürren und Starkregenfällen nicht standhält, hat man in den vergangenen Jahren bereits ausreichend gemacht.
Staats-, Landes-, Kreis- und Kommunalwälder werden so auch in Zukunft gefährdete Plantagen sein. Die Chance, dass künftige Generationen einen artenreichen Klimaschutzwald erben, in dem gesunde Bäume wachsen und in dem sich auch gutes Holz ernten lässt, sind aus den Erfahrungen heraus wahrlich nicht groß. Wahrscheinlicher ist ein anfälliger Forst mit häufigen großflächigen Ausfällen, in den man mehr Geld hineinsteckt als herausholt.
Insofern wäre es naheliegend, es jetzt anders zu versuchen - also Aufforstungsflächen sich weitgehend von natürlich nachwachsenden Pionierbäumen wieder bewalden zu lassen, die anderen Baumarten den Boden bereiten. Das Ganze im Schatten von Fichten- oder Kiefernruinen, die auf dem Markt kein Geld mehr bringen und vom Borkenkäfer bereits verlassen sind. Auch ein waldgerechten Wildbestand wäre für diese natürliche Wiederbewaldung unerlässlich.
Aber diese kostengünstigen Ratschläge international anerkannter Waldexperten bleiben einmal mehr ungehört. Unter der Devise “viel Geld hilft viel” verkam der “Waldgipfel” zur reinen PR-Veranstaltung. Unbeirrt setzt die Bundesregierung trotz Klimawandel weiter auf schnellen Holzzuwachs und wirtschaftlichen Großmaschineneinsatz. Schnell muss es gehen! Hauptsache agieren, in die Natur eingreifen, die Forstwirtschaft glaubt, sie kann dem Wald zeigen, wie es geht.
Wald ist aber ein komplexes Ökosystem, das sich mit den schlauen Mechanismen der Evolution an Veränderungen anpassen kann, wenn man es nur lässt. Das bedingt auch, dass abgestorbene Bäume im Wald belassen werden als Biomasse für den nächsten jungen Wald. Aber hierfür fehlt scheinbar die Geduld.
Das "Weiter-wie-bisher" wird unseren Enkeln auf die Füße fallen, deshalb fordern wir Bürger und Bürgerinnen der BBIWS endlich ein Umdenken in der Forstwirtschaft und eine rasche Waldwende. Wenn schon viel Geld in die Hand genommen werden soll, dann als Naturverjüngungsprämien für private Waldbesitzer. Und auch die Wälder der Bürger sollen echte naturnahe Wälder werden, in denen das Ökosystem Wald die Aufforstung übernimmt.
Weiter informieren:
Forstwissenschaftler László Maráz im Hörfunk vom 25.09.2019