
Bild: aktueller Kahlschlag im Wald von Stuttgart Botnang
An alle interessierten Bürger/Innen!
Einladung zur nächsten öffentlichen Sitzung des Stuttgarter Waldbeirates am kommenden Dienstag, 17.09.2019 um 17.00h im Stuttgarter Rathaus, mittlerer Sitzungssaal
Angesichts der aktuellen Walddiskussionen in der Öffentlichkeit mit externen Experten:
Dr. Lutz Fähser, BAUM-Umweltpreisträger und Vater des Lübecker Konzeptes, referiert als ehem. Forstdirektor der Stadt Lübeck und international anerkannter Experte bei der kommenden Sitzung über nachhaltige Waldbewirtschaftung, wie sie bereits in Lübeck gelebt wird und Ökologie, Natur- und Klimaschutz sowie die Betriebswirtschaft gut funktionierend zusammenbringt. Wir sehen dieses Modell als Vorreiter und Vorbild für ein zukünftiges „Stuttgarter Modell“. Ein aktueller Artikel zum Thema und zu den aktuellen bundesweiten Missständen von Dr. Lutz Fähser hier:
https://www.sueddeutsche.de/wissen/wald-naturschutz-klimawandel-1.4579296
Weiterer Referent ist Prof. Kohnle von der Forstl. Versuchsanstalt Freiburg zum Thema "Klimawandel-Einfluss auf unsere Baumarten".
Die aktuelle Waldkrise ist gerade in aller Munde. Nach unserem Eindruck herrscht aber derzeit auf Bundes- und Landesebene politischer Aktionismus ohne den ehrlichen Willen, ein Umdenken zu erzeugen. Wir haben uns hierzu gemeinsam mit der BBIWS einem offenen Brief an BM Julia Klöckner angeschlossen und auch einen offenen Brief an MP Winfried Kretschmann verfasst:
Die Bürgerinitiative Zukunft Stuttgarter Wald fordert einen schonenderen Umgang mit dem Wald. Der Wald ist kein Holzacker, sondern Naherholungsgebiet und wesentlich für Natur- und Klimaschutz.
https://www.change.org/p/waldstuttgart
Auf Bundes- und Landesebene müssen wir leider feststellen, dass ein Umdenken nicht erwünscht ist. Der Waldgipfel in Baden-Württemberg fand mehr oder weniger hinter verschlossenen Türen bzw. ohne adäquate Beteiligung andersdenkender Forstexperten statt. Beim Bundeswaldgipfel am 25.09. von BM Klöckner hören wir ebenfalls von den Umweltverbänden, dass sich hier ähnlich wenig tut. Auch wurden die in 2007 auf Bundesebene beschlossenen Waldschutzziele (5% geschützte Waldflächen) bisher keinesfalls erreicht.
Man fordert nun viele Millionen Euro Steuergelder für die Waldbesitzer ein. Nicht nur wir fragen uns wofür eigentlich?
Ein sehr lesenswerter Artikel ist dazu gerade in der TAZ erschienen:
https://taz.de/Klimawandel-und- Waldsterben
FAZIT der TAZ: „Was muss also passieren? Nichts. Nicht sägen, nicht durchforsten, keine Forstwege anlegen, nicht mit Maschinen in den Wald fahren. Förster und Waldbesitzer müssen die Wälder 30, 40 Jahre in Ruhe lassen und sehen, wie sich die Natur an die neuen Verhältnisse anpasst. Und dann nochmal 50 Jahre weitersehen. Für das ökologisch sinnvolle Nichtstun müssen die Waldbesitzer entschädigt werden, denn sie schaffen die Ökosysteme, die menschliches Leben in Zeiten der Erderwärmung ermöglichen werden. Das wäre ein starkes politisches Zeichen: Subventionen für die biologische Vielfalt im ÖkosystemWald. Mit anderen Worten: Der Staat investiert endlich in den Klimaschutz.“
Bisher haben weder Herr MP Kretschmann auf unseren Brief noch BM Frau Klöckner auf den gemeinsamen Brief mit zahlreichen Waldexperten geantwortet. Wir hoffen, dass zumindest in Stuttgart im Waldbeirat zügig eine gute Diskussion stattfindet und wir gemeinsam ein „Stuttgarter Modell“ der Waldpflege, gerne als bundesweites Vorzeigeprojekt im Sinne der Naherholung, des Umwelt- und Klimaschutzes erarbeiten werden. Dies sollte auch einen entsprechenden Niederschlag in Richtung Staatswald haben. Schließlich hört die Naherholung der Stuttgarter Bevölkerung nicht am Grenzgebiet zwischen Stadt- und Staatswald auf.
Dr. Jörg Noetzel
Sprecher der Bürgerinitiative Zukunft Stuttgarter Wald