

Frage von Sonja Volkmann, WAZ 6.9.25:
Sprechen wir über Bäume – unter anderem auch im Schlosspark. Plakativ: Bäume versus Parkplätze?
Antwort BM Christoph Fleischhauer:
Bäume. Ist doch klar. In diesem Beispiel geht es um die Gestaltung einer historischen Parkanlage. Allerdings: Die Qualität, mit der diese Diskussion geführt wurde, war an einigen Stellen auch übergriffig und respektlos. Einige Menschen waren dafür, dass gar kein Baum gefällt wird. Diese Menschen wird man nicht überzeugen können. Was dieser Prozess aber aufgezeigt hat: Das Thema war ein halbes Jahr zuvor veröffentlicht und in den politischen Gremien diskutiert worden. Das zeigt ein gewisses Desinteresse, sich mit Themen schon zu Zeitpunkten zu befassen, wo es geboten ist. Das Gute: Wir waren in der Lage, nachzujustieren. Durch das neu aufgerollte Verfahren zeigt sich, dass Politik und Verwaltung nicht über die Köpfe der Bürgerschaft hinweg entscheiden.
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Unsere Stellungnahme zum interviewpunkt "Bäume" des scheidenden Bürgermeisters Christoph Fleischhauer:
Auf die plakative Frage „Bäume versus Parkplätze?“ können wir als Bürgerinitiative auch nur sagen: Bäume. Natürlich. Im konkreten Fall des Schlossparks aber geht es nicht um Parkplätze, sondern um einen geplanten, tiefgreifenden Eingriff in eine historisch gewachsene Parkanlage mit hoher ökologischer und stadtkultureller Bedeutung. Genau deshalb war und ist die öffentliche Diskussion so engagiert – und ja, an manchen Stellen auch emotional.
Dass nun von offizieller Seite pauschal behauptet wird, einige Bürger*innen seien nicht zu überzeugen und hätten die Diskussion „übergriffig und respektlos“ geführt, weisen wir mit aller Deutlichkeit zurück. Viele Menschen – über 10.000 Petitionsunterzeichnerinnen und -unterzeichner – haben ihr Anliegen sachlich und mit großem Verantwortungsgefühl vertreten. Als Bürgerinitiative haben wir von Beginn an den Dialog mit Politik und Verwaltung gesucht, in persönlichen Gesprächen, in schriftlichen Stellungnahmen und auf öffentlichen Veranstaltungen. Wer dieses Engagement pauschal abwertet, trägt nicht zur Lösung bei, sondern schadet dem dringend notwendigen gesellschaftlichen Miteinander.
Gerade der Vorwurf mangelnden Interesses an frühzeitiger Beteiligung greift aus unserer Sicht ins Leere. Denn die entscheidenden Informationen – insbesondere zur geplanten Fällung einer großen Zahl gesunder Bäume – wurden erst im Juni 2024 über die Presse öffentlich. Zuvor fanden Workshops ohne Beteiligung der Bürgerschaft statt. Die Informationen im Ratsinformationssystem waren nicht offensichtlich zugänglich oder verständlich, und das System selbst ist der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt.
Besonders kritisch sehen wir die von der Verwaltung angekündigte Öffentlichkeitsarbeit, die laut Sitzungsunterlagen (Vorlage 17/1492) aus dem Mai 2024 eigentlich vor Beginn der "unpopulären Sanierungsmaßnahmen" stattfinden sollten. Diese Öffentlichkeitsarbeit fand entweder gar nicht statt oder war inhaltlich irreführend. So wurde auf der städtischen Website lange die Falschinformation verbreitet, dass "56% Entnahmen aufgrund diagnostizierter starker Krankheitsschäden" und "40% aufgrund erster Krankheitsschäden..." erfolgen müssen – eine Darstellung, die nachweislich nicht den Gutachten des von der Stadt beauftragten Baumgutachters Dr. Kutscheidt aus dem Jahr 2019 und 2025 entspricht. Erst auf unser wiederholtes Drängen wurden diese Zahlen im August 2025 entfernt – ersetzt durch eine Darstellung, die weiterhin nicht den aktuellen Fakten entspricht.
Zusätzlich wird in der überarbeiteten Version versucht, durch die plakative Fotoauswahl kranker Bäume und das Belassen der ursprünglichen Videos mit dem zuständigen technischen Beigeordneten Thorsten Kamp, mit LAE Ehrig und dem BUND die Situation schlechter darzustellen als sie de facto ist.
Dass die Verwaltung „nachjustiert“ habe, wie im Interview behauptet wird, mag aus politischer Sicht so dargestellt werden. In der Realität warten wir bis heute auf die wirklich partizipativ angelegten Workshops, die im Rahmen des neuen Verfahrens angekündigt wurden. Das derzeit geltende Moratorium bedeutet lediglich einen Aufschub der geplanten Fällungen – aber keine inhaltliche Neubewertung der geplanten Maßnahmen.
Ja, es gibt Bürger*innen, die sich für den vollständigen Erhalt aller Bäume im Schlosspark aussprechen. Das ist kein Zeichen von Unbelehrbarkeit, sondern Ausdruck einer klaren, demokratisch legitimierten Haltung, die auf Fakten, Gutachten und persönlicher Verantwortung für Klima und Umwelt beruht.
Wir fordern eine Rückkehr zu einer sachlichen, respektvollen Debatte auf Augenhöhe – ohne Vorwürfe, ohne Pauschalisierung und mit echter Bereitschaft zur Korrektur, wenn sich Planungsannahmen als unzutreffend erweisen. Denn es geht nicht nur um Bäume. Es geht um Transparenz, Vertrauen und eine zukunftsfähige Stadtentwicklung, die ihre Bürgerinnen und Bürger nicht nur informiert, sondern mit und ernst nimmt.
B.A.U.M. Bürgerinitiative Aktiver Umweltschutz Moers
aka Schlossparkfreunde Moers (Facebook)
aka Petition gegen das Fällen gesunder Bäume im Schlosspark Moers (change.org)