Christina JostenMoers, Germany
Jan 4, 2025

Streit um geplante Fällungen in Moers

Erhalt „44 unstrittig gesunder Bäume“ – GMGV schreibt offenen Brief an Bürgermeister

Moers · Knapp 5000 Stimmen haben die Initiatoren einer Online-Petition gegen die geplanten Fällungen bisher gesammelt. Jetzt hat sich der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein mit einem offenen Brief und einem Kompromissvorschlag an den Bürgermeister gewandt.

Von Julia Hagenacker              Verantwortliche Redakteurin Redaktion Moers

Der lautstarke Bürgerprotest gegen die von Politik und Verwaltung geplanten Fällungen im Moerser Schlosspark wird nicht leiser – im Gegenteil. Knapp 5000 Stimmen haben die Initiatoren einer entsprechenden Online-Petition nach eigenen Angaben bis Weihnachten gesammelt. Jetzt hat sich – im Vorfeld eines für den 9. Januar avisierten Begehungstermins im Schlosspark – der Vorstand des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins (GMGV) mit einem offenen Brief und der Bitte, persönlich an dem Termin teilzunehmen, an Bürgermeister Christoph Fleischhauer gewandt.
Von ursprünglich 210 zu fällenden Bäumen weise die auf der Webseite der Stadt Moers veröffentlichte Fäll-Liste des Büros Ehrig, Stand 5. Dezember 2024, mittlerweile immer noch 98 geplante Fällungen aus: 54 Fällungen vitalitätseingeschränkter oder toter Bäume sowie 41 „standort- oder klimabedingte“ und drei „denkmalschutzbedingte“ Baumfällungen, heißt es in dem von den Vorständen Peter Boschheidgen und Wilfried Scholten unterzeichneten Schreiben. Um den Erhalt dieser 44 unstrittig gesunden Bäume gehe es dem GMGV.

Zum Hintergrund: Weil der denkmalgeschützte, fast 200 Jahre alte Schlosspark erhalten und fit für den Klimawandel gemacht werden soll, wollen Politik und Verwaltung etwa 100 Bäume fällen und dafür 100 neue pflanzen. Entfernt werden sollen auch gesunde, nicht klimaresistente Bäume. Zuvor hatte sich neben dem örtlichen Nabu-Chef Harald Fielenbach auch Förster, Naturschützer, Autor und Podcaster Peter Wohlleben öffentlich gegen die Moerser Pläne ausgesprochen.
„Wir hoffen sehr, dass durch die geplante Begehung vor Ort eine gemeinsame Einsicht hergestellt werden kann, gesunde, zur Fällung vorgesehene Bäume zu erhalten“, heißt es in dem Brief weiter. Jetzt bestehe noch die Gelegenheit dazu.
Als prägnantes Beispiel für ihre Forderung nennen Boschheidgen und Scholten das „Wheyeschen Lindenrondell“ bei der Diesterweg-Büste. Bei diesem, sagen sie, seien sieben gesunde Bäume – davon fünf Ahorne mit einem Stammumfang bis über 1,70 Meter – zur Fällung vorgesehen. „Warum wird diese sich gegenseitig schützende, schattenspendende, herrliche Baumgruppe nicht einfach in ,Ahornrondell‘ umgetauft und so belassen, wie sie den Parkbesuchern beim Anblick Freude bereitet?“, fragen die GMGV-Vorstände.

Ähnlich, heißt es weiter, verhalte es sich mit der circa 20 Meter hohen, freistehende Serbische Fichte am Zugang vom Schlossplatz. Wie bei allen genannten 44 Bäumen erschließe sich dem Verein dort die Begründung für eine Fällung in der Abwägung der maßgeblichen Faktoren nicht.
„Die in der Fäll-Liste aufgeführte ,klimatische‘ Begründung einer negativen Zukunftsprognose bis 2060 oder sogar bis 2100 für einen jetzt kerngesunden Baum erntet bei Fachleuten und Laien im Übrigen Kopfschütteln“, so Boschheidgen und Scholten. „In unseren Zeiten sind derartige Prognosen über einen Zeitraum von nahezu vier oder acht Jahrzehnten nicht verlässlich und deshalb auch als (nicht alleinige Mit-)Begründung ungeeignet, einen jetzt gesunden Baum mit wertvollem ästhetischen und ökologischen Beitrag aus einem innerstädtischen Park vorsorglich zu entfernen“.

Für den Fall, dass sich bei der Begehung am 9. Januar eine gemeinsam getragene Lösung zwischen Politik/Verwaltung und Bürgerschaft nicht abzeichnen sollte, regt der GMGV an, dass ein unabhängiger Gutachter auf Vorschlag der IHK Duisburg zur Frage der Sinnhaftigkeit der Fällung der 44 gesunden Bäume im Schlosspark zugezogen wird. Das Büro Ehrig, heißt es, sei von der Stadt Moers beauftragt worden und könne allein schon deshalb nicht als unabhängig angesehen werden. Dieser Vorschlag, so die Vereinsvorstände abschließend, stehe sowohl mit einer Anregung des Baumexperten Peter Wohlleben, als auch mit Stimmen aus dem Rat im Einklang und sei geeignet, in dieser die Öffentlichkeit sichtlich berührenden Angelegenheit einen Interessensausgleich herbeizuführen.

Info

Hier gibt es Auskünfte zu den Planungen

Faltblatt Die geplanten Fällungen sollen im Januar 2025 beginnen. Über die Schlosspark-Sanierung informiert die Stadt auf www.moers.de/schlosspark und www.youtube.com/stadtmoers Zusätzlich liegt ein Faltblatt an verschiedenen Stellen (Rathaus, Enni-Kundencenter, Sparkassenfilialen, Moers Marketing) aus.

Kontakt

Wer Fragen zu den geplanten Maßnahmen hat, kann sich an den Fachdienst Freiraum- und Umweltplanung im Rathaus wenden: Telefon 02841 201-590, Planung.Gruen@Moers.de

(juha aka )

 

 

 

 

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