

Liebe Baumfreund:innen,
Ich wünsche uns allen für das neue Jahr gutes Gelingen für all unsere Vorhaben!
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Ein Forstingenieur, sowie Kenner und Liebhaber des Schlossparks, hat sich bei uns gemeldet: Christoph Michels.
Im Folgenden sein Statement zu den geplanten..
"Baumfällungen im Moerser Schlosspark
Es gibt Dinge, die ich als Forstingenieur fachlich betrachtet, nicht nachvollziehen kann. Dazu zählt auch die geplante „Sanierung“ des Moerser Schlossparks. Seit vielen Jahren streife ich auf der Suche nach besonderen Bäumen durch die Parkanlagen Nordrhein-Westfalens, daher ist mir die Moerser Parkanlage sehr gut bekannt. Der artenreiche und in Teilen historische Baumbestand besticht durch zahlreiche seltene und alte Exemplare.
Der ausgeglichene Charakter der Anlage wird jedoch nicht ausschließlich durch die herausragenden, sondern in Teilen auch durch jüngere, „gewöhnliche“ und heimische Bäume geprägt. Diese hatten sich vor vielen Jahren entweder selber ausgesät oder wurden Stück für Stück vor vielen Jahrzehnten als Ersatz für inzwischen verschwundene Bäume nachgepflanzt. Die nun angedachte „Sanierung“ beinhaltet die Fällung von deutlich mehr als 100 Bäumen, dazu kommt dann die zeitgleiche Neupflanzung von zahlreichen „Kleinstbäumen“. Ich kenne ähnlich aufgebaute Parks in Düsseldorf und anderen Großstädten des Ruhrgebiet, die ihren ursprünglichen Charakter durch den Sommersturm „Ela“ verloren haben. Sie können sich ansatzweise daran orientieren um ein Bild vor Augen zu haben, wie es nach dem geplanten Radikal-Eingriff im Moerser Schlossgarten aussehen wird. Nichts spricht gegen eine langfristige Planung und behutsame Eingriffe. Selbstverständlich müssen auch immer wieder stark bedrängende und kranke Bäume entnommen werden, aber darum geht es bei dieser „Sanierung“ nicht. Als Forstingenieur habe ich gelernt, dass die Bewirtschaftung von Bäumen nicht mit der Ernte auf dem Acker gleichzusetzen ist. Wir Forstleute denken und planen nicht in Zeiträumen von Monaten sondern über viele Jahrzehnte und Jahrhunderte. Den Baum, den ich pflanze, ernte weder ich noch meine direkten Nachfolger. Das Planungskonzept eines Waldbestandes lässt sich nicht mal eben umwerfen, denn ansonsten wäre ein Forstbetrieb nach wenigen Jahren ruiniert. Und genauso verhält es sich auch mit den Bäumen in einer historischen Parkanlage. Wenn die Nachfolger dieser Stadtverwaltung nun einer anderen Auffassung sind als die jetzigen Verantwortlichen, wird dann wieder alles umgeworfen?
Lassen wir uns einmal die derzeitige Argumentation betrachten: Hauptbegründung für die Fällung von gesunden, 60 Jahre alten Berg-Ahornen und mehreren Rosskastanien ist der Umstand, dass diese „vulnerabel“ sind. Die Baumarten werden so eingestuft, dass sie eine geringe Wahrscheinlichkeit haben, die zu erwartenden Klimaveränderungen bis zum Jahr 2060 zu überstehen. Liebe Moerser, merken Sie sich den Begriff „vulnerabel“. Denn wenn Sie eines Tages einen Antrag auf die Fällung eines unbequemen Baumes in Ihrem Garten haben, können Sie anscheinend die bestehende Baumschutzsatzung prima umgehen. Denn diese gilt auch für den Moerser Schlosspark. Warum gelten für den Bürger andere Vorschriften als für die Stadtverwaltung? Das gleiche gilt auch für den von der Stadt häufig in vierstelliger Höhe eingeforderten Schadensersatz für Straßenbäume, die bei Verkehrsunfällen beschädigt werden. Erwischen sie mit Ihrem Auto einen Berg-Ahorn, flüstern Sie Ihrem Anwalt das Wort „vulnerabel“ ins Ohr und alle Probleme sind beseitigt. Jetzt aber wieder mit dem nötigen Ernst: Berg-Ahorne und Rosskastanien haben zur Zeit mit schädlichen, durch das Klima geförderten Pilzen bzw. Bakterien zu kämpfen. Serbische Fichten kamen mit den vier letzten Trockenjahren nur schwierig zurecht. Aber das heißt trotzdem nicht, dass diese alle komplett bis zum Jahr 2060 verschwunden sein werden. Die Chance ist gut, dass uns diese Bäume im Park noch lange erhalten bleiben. Und wenn dann tatsächlich einer dieser Bäume stirbt, dann kann die Stadtverwaltung gerne einen klimaresistenten Nachfolger-Baum pflanzen. Ich selber bin ein großer Freund dieser häufig „nicht heimischen“ Baumarten. Das können Sie in meinem Buch Starke Bäume in Nordrhein-Westfalen nachlesen.
Die hohe Anzahl der kranken und geschwächten Bäume, die nun ebenfalls auf einen Schlag gefällt werden sollen, stellt mich vor die Frage, was denn die Baumkontrolleure in den letzten Jahren gemacht haben. Die Stadt Moers hat mit Sicherheit hochqualifiziertes Personal, das sich um die Kontrollen kümmert. Wenn ein dringender Handlungsbedarf bezüglich der kranken Bäume besteht, warum hat sich plötzlich ein solcher Baumfällungs-Stau entwickelt?
Passend zu diesem Thema erzähle ich Ihnen gerne über eine Situation, in die ich vor kurzem involviert war: Beim Umbau eines Kindergartens wurde auch die Außenanlage umgestaltet. Dafür sollte eine bautechnisch unproblematische, kerngesunde und schön gewachsene Rot-Buche mittleren Alters neben dem Gebäude verschwinden. Die Maßnahme wurde damit begründet, dass der Baum einer vom Architekten geplanten Sonnenschutz-Markise vor dem Fenster im Weg stand. So etwas macht mich sprachlos. Erkennen Sie das Problem? Hier setzte die Vernunft des Planers aus, weil er sich selbst und seinen Plan für wichtiger befand, als den Erhalt des gesunden Baumes. Hoffen wir einmal, dass bei der „Sanierung“ des Moerser Schlossparks nicht eine ähnliche Motivation vorliegt."
Seine Homepage: Hier seine Homepage: http://www.xn--starke-bume-s8a.de/