

Rheinische Post Online
Moers: Geplante Baumfällungen - bekannter Förster und Autor kritisiert Pläne
Moers · Der Protest gegen die geplante Sanierung des Moerser Schlossparks geht weiter. Eine Online-Petition wurde bislang von 1931 Menschen unterschrieben. Jetzt meldet sich ein bekannter Experte per Video zu Wort.
16.12.2024 , 16:30 Uhr
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Peter Wohlleben ist Förster, Naturschützer, Autor und Podcaster.
Foto: dpa/Peter Zschunke
Der Widerstand gegen die geplante Sanierung des Moerser Schlossparks geht trotz eines eindeutigen Votums des Stadtrats weiter. Wie berichtet, wollen Verwaltung und Politik die historische Grünanlage vor dem Hintergrund des Klimawandels „zukunftsfähig“ machen. Dafür sollen rund 100 Bäume gefällt und durch klimaresistente Neupflanzungen ersetzt werden – und zwar nicht nur solche, die bereits unter Trockenheit oder Krankheiten leiden. Es geht unter anderem auch um Bäume, die „zu nah“ an anderen stehen und diesen damit das Licht rauben.
Eine Online-Petition, die den Stop der geplanten Fällungen zum Ziel hat, wurde laut Initiatorin Christina Josten bislang von 1931 Menschen unterschrieben. Jetzt hat sich auch Peter Wohlleben mit einem Video zum Thema zu Wort gemeldet. Darin kritisiert der bekannte Förster, Naturschützer, Autor und Podcaster die Moerser Pläne.
Der Moerser Schlosspark aus der Luft. Rund 100 Bäume sollen dort Anfang 2025 gefällt werden.
Foto: Christoph Reichwein (crei)/Reichwein, Christoph (crei)
Den Park durch den Austausch von Baumarten klimaresistent machen zu wollen, sei Quatsch, sagt Wohlleben in dem kurzen Clip: „Wenn man zum Beispiel alte Eichen oder Ahorne fällt und durch Schwarznuss, Orient- oder Hopfenbuche auf ein zukünftiges Klima hin ersetzt, von dem wir gar nicht genau wissen, wie sich das lokal äußert, dann ist das keine gute Idee.“
Heimische Baumarten, erklärt Wohlleben, passten sich an. Es gebe eine Reihe von Studien, die das belegten. Solange sie gesund seien und keine Gefahr für Passanten darstellten, seien alte Bäume unersetzlich. Aus diesem Grund rät der Baumexperte, keinesfalls „einfach die Motorsäge sprechen zu lassen“, sondern vorab ein unabhängiges Gutachten einzuholen.
Zu den Gegnern der Pläne zählt auch der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein (GMGV). Er reichte kurz vor der letzten Ratssitzung vor zwei Wochen einen Bürgerantrag ein. Inhalt: Nur solche Bäume sollen gefällt werden, die so krank sind. Den Antrag lehnten alle Fraktionen ab. Der Beschluss zur Schlossparksanierung sei keineswegs leichtfertig gefallen, hieß es. Ein externes Landschaftsarchitekturbüro sei einbezogen gewesen, der Kreis, Denkmalschutz- und Naturschutzbehörde, Enni, BUND, Nabu und von Anfang an auch der GMGV wurden beteiligt.
Wie viele Bäume am Ende tatsächlich fallen werden, steht derweil noch gar nicht fest. Anfangs war von mehr als 200 die Rede, dann von 139, zuletzt von 130. Stand jetzt geht es „nur“ noch um 105 Bäume. Die Initiatoren der Petition gehen davon aus, dass mindestens 52 dieser Bäume „in diesem Moment absolut gesund“ sind. Um für Transparenz zu sorgen, und für Verständnis zu werben, hat die Stadt Vertreter des GMGV und der Bürger zu Gesprächen ins Rathaus eingeladen.
(juha aka )