Petition updateRettet die Ostsee! Den Bau des gigantischen Ostsee-Tunnels stoppen!Belttunnel: Kombination aus Wahn- und Irrsinn
BELTRETTER
1 Jun 2017
Die Belttunnel-Farce: eine Kombination aus Wahn- und Irrsinn. Wer tiefer einsteigen mag, sollte den Artikel aus der Zeitung Ingeniøren mal lesen. So schieben sich Tunnelplaner und Beratungsfirmen Gutachten hin und her. Bis sie dann endlich mal passen. Auf Dänisch: https://ing.dk/artikel/prognoserne-femern-trafikken-drejer-rundt-rundt-rundt-rundt-rundt-rundt-199297 Auf Deutsch: Prognosen für Fehmarnverkehre drehen sich im Kreis, im Kreis, im Kreis, im Kreis... Ein großer Zirkus – So bewerten Kritiker, dass die Prognosen für die Verkehre durch den Fehmarnbelttunnel zwischen der staatlichen Projektgesellschaft und den immer gleichen Beratungsfirmen in einer endlosen Qualitätssicherungsschleife hin und her geschoben werden. Das letzte Kapitel in Sachen Qualitätssicherung der Verkehrsprognosen durch den Fehmarntunnel erinnert einen an das dänische Kinderlied „Hjulene på bussen“ („Die Räder am Bus drehen sich im Kreis und im Kreis, im Kreis, und im Kreis...“). Mit der Verspätung der letzten Analyse schließt sich ein Kreis zwischen den Firmen, die die Qualität der Verkehrsprognosen absichern sollen. Es geht um die ganz zentrale Voraussage, dass jedes 12. Auto, das heute über die Große Belt-Brücke zwischen Fyn und Seeland fährt, in Zukunft durch den Fehmarnbelttunnel fahren wird. Dieser wird frühestens 2028 eröffnet. Ein Aktenvermerk, den Hans Schjær-Jacobsen, früherer Rektor der Universität DTU Diplom, von der staatseigenen Firma Sund & Bælt bekommen hat, zeigt nämlich, dass die letzte Analyse nun wieder bei den deutschen Beratungsfirmen BVU und Intraplan gelandet ist. Hans Schjær-Jacobsen hat Berechnungen durchgeführt, die seiner Meinung nach belegen, dass die Tunnelprojektgesellschaft Femern A/S, eine Tochter von Sund & Bælt, vereinfachte Risikoberechnungen durchgeführt hat, und dass die Steuerzahler am Ende einen Teil der Rechnung für den Belttunnel bezahlen werden. BVU und Intraplan hatten auch die ursprüngliche Verkehrsprognose durchgeführt, aufgrund derer die Einnahmen des Tunnels durch die PKW-Nutzer berechnet wurden. Die Autofahrer sollen den bei weitem größten Anteil des 54 Mrd. DKK (7,2 Mrd. EUR) teuren Tunnels bezahlen, die dänische Eisenbahn zusätzlich ca. 10 Mrd. DKK (1,3 Mrd. EUR). Kritiker: Ein großer Zirkus „Ein großer Zirkus. Die Qualitätssicherung der Analysen wird zwischen Firmen herumgereicht, die überhaupt nicht in der Lage sind, die Qualität zu sichern“, sagt Knud Erik Andersen, früherer Verkehrschef der Straßenbehörde Vejdirektoratet, der die Verkehrsprognosen der Beltquerung seit vielen Jahren kritisiert. Bevor eine sehr große Mehrheit des Folketings im letzten Jahr grünes Licht für die Fehmarnbeltverbindung gab, hatte der damalige Verkehrsminister Hans-Christian Schmidt (Venstre) eine externe Qualitätssicherung der Verkehrsprognose von einer dritten Beratungsfirma, Cowi, bekommen. Cowi stellte fest, dass die Verkehrsprognosen der deutschen Firmen BVU und Intraplan „eine realistische Annahme darüber darstellen, wie viel Verkehr auf der Festen Fehmarnbeltquerung erwartet werden kann.“ Cowi wurde u.a. von Knud Erik Andersen hart dafür attackiert, den Auftrag zur Qualitätssicherung angenommen zu haben. Die dänische Beraterfirma war zu diesem Zeitpunkt an mehreren Ausschreibungen zum Bau des Tunnels beteiligt und hatte somit ein klares Interesse daran, dass die Politik dem Projekt zustimmt. Diese Kritik verfing jedoch weder bei den Verkehrspolitikern noch beim Ministerium – Ganz anders als die Feststellung von Cowi, dass der Nachweis für ein Viertel aller Autoverkehre durch den Tunnel pro Jahr fehle. Nachweis für 814.000 Autos im Fehmarntunnel gesucht Diese 814.000 Autos würden anderweitig die Route über die Große Belt-Brücke nehmen. Der Qualitätssicherung von Cowi zufolge fehlt es an Nachweisen darüber, dass diese Menge an Autos von der einen auf die andere feste Querung verlagert werden würde. Daraufhin bestellte das Verkehrsministerium eine neue Analyse von Sund & Bælt, welche die Große Belt-Brücke betreibt. Diese Analyse hätte schon im letzten Jahr fertig sein sollen. Sie beruht laut Hans Schjær-Jacobsens Aktenvermerk auf der Befragung von 57.000 Autofahrern, die die Brücke im Laufe von jeweils zwei Wochen im Mai und August letzten Jahres überquert hatten. Interne Mail: Unsere Bewertung soll in Bezug auf die Verkehrsprognose überprüft werden Sund & Bælt hält wesentliche Teile dieser Analyse vorerst zurück, wie im Folgenden zu sehen ist. (Anm.: Es folgt der Aktenvermerk in voller Länge (12 Seiten), auf eine Übersetzung wurde an dieser Stelle verzichtet) Die Heimlichtuerei ist der Tatsache geschuldet, dass die Analyse nun an BVU und Intraplan zur erneuten Qualitätssicherung geschickt wurde – also an die Firmen, deren Analyse ursprünglich geprüft werden sollte. In einer internen Mail, die dem Aktenvermerk beiliegt, schreibt ein Sekretariatschef bei Femern A/S an den Vizedirektor der Gesellschaft: „Wir beurteilen es als unabdingbar für die Qualität und Gültigkeit der (Anm.: Sund & Bælt-) Analyse, dass die vorläufigen Daten und Wertungen in Bezug auf die Verkehrsprognose qualitativ überprüft werden; insbesondere im Hinblick auf die Qualifizierung der Analysedaten und -bewertungen von BVU/Intraplans Bewertung des internationalen Verkehrs auf der Großen Belt-Brücke und der gesamten Verkehrsprognose der Festen Fehmarnbeltquerung. Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie, die Dokumente an Intraplan/BVU zu schicken.“ Der Vizedirektor bestätigte den Versand in einer späteren Mail. Projektgesellschaft: Wichtig unsere Analyse mit den Modelberechnungen abzugleichen Femern A/S wollte zur Logik dieses „Qualitätssicherungskreises“ kein Interview geben. Kommunikationschefin Lene Gebauer Thomsen hat stattdessen diesen schriftlichen Kommentar gesendet: „Weil sich die Analyse von Sund & Bælt nur mit einem kleinen Teil der Verkehrsprognosen für die Fehmarnbeltqerung beschäftigt ist es wichtig, dass die Analyse von Sund & Bælt in Zusammenhang mit den Modellrechnungen von Intraplan/BVU gesetzt wird, zumal Intraplan/BVU die gesamte Verkehrsprognose für die Fehmarnbeltquerung ausgearbeitet hat.“ Doppelter Schwindel? Damit sind wir zurück bei Knud Erik Andersens Beurteilung des Manövers: „Ein Doppelschwindel bei der Qualitätssicherung“, sagt er. Er verweist darauf, dass Sund & Bælt bereits im Vorwege die Datengrundlage geliefert hat, auf der wiederum BVU und Intraplan einen Teil ihrer Verkehrsprognosen aufgebaut hatten. Gleichzeitig zeigte ein längerer Aktenvermerk, den Ingeniøren vor zwei Jahren beschafft hatte, dass die Daten, die DTU zur Verkehrsprognose abgeliefert hatte, nichts mit der Verlagerung von Verkehr vom Großen Belt auf den Fehmarnbelt zu tun hatte. Das kam bei einer Antwort des damaligen Verkehrsministers Magnus Heunicke (S) heraus. Knud Erik Andersen argumentiert daher, dass sich das Rad bereits vor der letzten Qualitätsprüfung einmal halb gedreht hat. Sund & Bælt hatte Input zur Verkehrsprognose von BVU/Intraplan geliefert, die von Cowi überprüft wurde und danach von Sund & Bælt selbst, die danach noch einmal Hilfe von den deutschen Beratern in Anspruch genommen haben. „Wenn überhaupt jemand etwas überprüfen und qualitätssichern soll, so sind BVU und Intraplan dafür am allerwenigsten geeignet“, sagt er. Und wenn sie als Leser sowohl diesen Artikel wie auch das Kinderlied vor ihrem inneren Ohr so lange ausgehalten haben, dass sie immer noch weiterlesen, dann ist es nun Zeit daran zu erinnern, dass die Wirtschaftlichkeit des Belttunnels ohne die Verkehre vom Großen Belt nicht gegeben ist. Ohne diese Autos ist das Projekt nicht durch Staatsgarantien finanzierbar, und der Staat wird das Projekt durch Steuergelder unterstützen müssen.
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