

08. März 2011 - ein Anruf in der Früh - die Mama ist heute Nacht eingeschlafen... Ich brülle ein "Nein" in den Hörer - bin schon auf der Autobahn - will sie sehen -
Weniger Tage später -
Hans bringt Glück eine Geschichte aus meiner Kindheit
Ich fahre sehr früh los. Für meine Verhältnisse - mehr als rechtzeitig… ich habe Angst vor der Fahrt, Angst vor meinen Gefühlen während der Fahrt und Angst es nicht zu schaffen, Angst es nicht rechtzeitig zu schaffen. Mama hat immer wieder gesagt, ich soll nicht immer auf den letzten Drücker kommen.
In Trauerkleidung ins Auto und ab auf die Autobahn… normalerweise ist die Strecke Frankfurt - Baden-Baden in knapp zwei Stunden zu schaffen. Heute plane ich dafür drei Stunden ein und das ist gut so. Eine halbe Stunde hinter Frankfurt muss ich raus auf einen Parkplatz, weil es mich vor Heulen so schüttelt, dass ich denke, besser mal anhalten… und rauslassen, was seinen Weg finden will und muss… Schmerz, Schluchzen. Es dauert wenige Minuten, dann schöpfe ich aus diesem Schmerz wieder Kraft zum Weiterfahren… wie viele Parkplätze ich auch brauchen sollte, die Zeit müsste reichen…
Doch ich komme ohne eine weitere Unterbrechung am Friedhof an…
Als erstes nehme ich die Vögel auf dem Friedhof wahr… ist offensichtlich auch für sie ein Ort der Ruhe. Und dann sehe ich sie, das heißt, ich sehe ihren Sarg in der Trauer-Kapelle. Ich bleibe draußen. Reingehen wäre falsch, sagt mir mein Gefühl. Da kommt der Bestatter auf mich zu, sagt, sind sie die Cornelia? – Ja – Dann waren wir zusammen in der Schule, in der Grundschule. Ich bin der Hans. Ja klar, ich erinnere mich.
Hans sagt, als er die Todesanzeige in der Zeitung gesehen und meinen Namen gelesen habe, da hätte er sich an eine Geschichte aus unserer Schulzeit erinnert. Sein Vater hatte damals einen VW-Käfer gekauft und als er das stolz in der Schule erzählt habe – da hätte sich die ganze Klasse kaputt gelacht. Da hätte ich mich hingestellt und gesagt, weiß nicht, was ihr lacht, ich finde VW-Käfer toll!
Da sei sofort Ruhe gewesen…
Was für eine schöne Geschichte! Ich drehe mich um in Richtung Sarg und denke – hast du das auch gehört? Da komme ich am Tag meiner großen Trauer auf den Friedhof und treffe Hans, meinen Klassenkameraden aus der Grundschul-Zeit. Ich höre eine Geschichte, an die ich mich nicht mehr erinnert habe. Ich bin Hans so dankbar für diese Geschichte aus unserer Kindheit, dankbar für dieses schöne Geschenk!
Wäre ich zu spät gekommen – wäre diese Geschichte für mich wohl für immer und ewig vergessen gewesen …
... ihre Geschichten, die sie uns erzählt hat, werde ich nie vergessen.
Frühmorgens die B 500 - die Schwarzwaldhochstraße - alle Mann im Auto rauf in den Schwarzwald, damit wir mal den Sonnenaufgang über der Rheinebene sehen können - Vesperbrote, Saftschorle und Kaffee dabei ... hundemüde und wenig Lust auf dieses Familien- Abenteuer ... aber man hat als Kind ja keine Wahl ... noch bevor wir losfahren, sehen wir, dass der Wald - der ganze Schwarzwald dampft - so weit das Auge reicht ... das sind die Hasen, die Kaffee kochen, hat sie uns dann erzählt ... wie schön ... die Vorstellung, dass da lauter Hasen-Mütter und Hasen-Väter und Hasen-Kinder frühstücken, irgendeiner hat vorher noch so richtig mit der Kaffeemühle - wie die Großmutter vom Kasper aus "Räuber Hotzenplotz" - die Bohnen gemahlen. Und jetzt sitzen sie auf dem Waldboden oder in ihren Hasen-Stuben und der Kaffee dampft ...
...wenn heute irgendwo der Wald nach ergiebigen Regen dampft, dann denke ich an sie und freue mich, dass ich weiß, dass auch hier die Hasen Kaffee kochen ...
Und ich bin ihr und meinem Vater dankbar, dass sie mich / dass sie uns in die Natur / mit der Natur vertraut gemacht haben. Jeder Käfer / jede Raupe wurde begutachtet - das Wuseln in großen Wald-Ameisen-Haufen 'studiert' ... Wir hatten ein Vogelhäuschen vorm Küchenfenster - Meerschweinchen... Wir freuten uns über Eidechsen und liebten Salamander am Brunnen in der Ibbelsbach - einem Taelchen zwischen Lichtental und Hoellhausel ... zusammen mit dem "Wäldele" ein Kinderparadies...
Kinder gingen in den Häusern ein und aus - wenn wer Hunger hatte, gab es auch für ihn etwas zu essen - Mutter sagte - wo fünf Kinder satt werden, wird sicher auch ein sechstes Kind satt...
Das war gelebte "Nächstenliebe".
Würde sie / würden sie sich nun an meiner Liebe zu Tauben / zu Stadttauben stören -
Sie würden zuhören, wenn ich ihnen erklärte, warum der Mensch so gegen diesen schlauen Vögel ist und ich bin mir sicher, sie würden mich verstehen und unterstützen -
Sie sind beide in Baden-Baden / in dieser Stadt im Wald geboren -
Sie kennen die Geschichte von Noah und der Taube, die mit dem Oelzweig zurück gekommen ist und 'gesagt' hat - hey, ihr könnt rauskommen - da ist Land in Sicht - das Wasser geht zurück -
Die Taube hat Mensch und Tiere gerettet und heute töten Wir sie - lassen Wir zu, dass sie verhungern, dass man ihnen das Genick bricht, sie vergiftet, sie quält, sie überfährt, sie einfängt und wegbringt -
Und das, wo die Lösung in Form von Taubenhäusern, Taubentürmen, Tauben-Bauwagen und Tauben-Containern längst da ist - Ehrenamtliche längst Schlange stehen, den sozialen Vögeln zu helfen -
Kein einziger der bislang 15 Landtags- Beschlüsse fordert zum Tauben- Töten auf -
Keiner verbietet das Stellen von 'Zu-Hausen' für Stadttauben -
Füttern wird in der Regel 'nur' untersagt, wenn es "Tauben-Management" gibt - sprich 'Unterkunft' - Futter - Wasser - sauber machen und Ei-Tausch, um die Population sanft / human zu senken -
Ohne ein Stadttauben-Management ist Verhungern lassen - absolutes NoGo.
Ich habe gestern einem Wohnsitzlosen an der Bushaltestelle eine Flasche Wasser geschenkt - mir war danach...
Kommt eine ältere 'Dame' an mich ran und sagt: "dem hätten Sie besser eine Flasche Schnaps geschenkt - da hätte er sich mehr drüber gefreut."
Ob sie ne Flasche Schnaps wolle -
Sollte sie nicht froh und dankbar sein, dass sie nicht in solch einer Situation sei?
Der friedliche, freundliche wohnungslose Mensch und die friedliche Stadttaube - Beide wären von Nächstenliebe abhängig.
Schämen sollte sich diese 'Dame' und alle, die meinen die einen bräuchten Schnaps und die anderen finden schon was -
Beide sind dankbar für Nächstenliebe.
Schau dir "Das Augsburger Stadttauben-Konzept" auf YouTube an -
https://youtu.be/Yxb9Nkxx0yA?feature=shared
https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:dabe09b0-e7e5-4a64-833f-c2f77de5da45