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Petition für eine Wiedereinstellung Halil İbrahim Dinçdağs als Schiedsrichter in der Türkei – Gegen Diskriminierung im Fußball.

Zu schwul zum Pfeifen?

 

Petition für eine Wiedereinstellung Halil İbrahim Dinçdağs als Schiedsrichter in der Türkei – Gegen Diskriminierung im Fußball.

 

Anfang April war der türkische Schiedsrichter Halil İbrahim Dinçdağ zu Besuch in Berlin und Leipzig, um dort seine Geschichte zu erzählen und von seinen Erfahrungen zu berichten.

 

Dinçdağ ist Schiedsrichter, und zwar ein guter. Davon konnten sich die Besucher der Freundschaftsspiele zwischen Tennis Borussia Berlin und Türkiyemspor sowie Roter Stern Leipzig überzeugen, bei denen Dinçdağ als Gastschiedsrichter im Einsatz war. Seine ruhige, souveräne Ausstrahlung und fachliche Kompetenz führten ihn sogar bis in die zweite türkische Liga. Seit 2008 jedoch darf er keine Spiele des türkischen Fußballverbandes „Türkiye Futbol Federasyonu“ (TFF) mehr pfeifen. Schließlich musste er den Verband verlassen.

 

„Psychosexuelle Störungen“

 

Formeller Grund war, dass er seinen Militärdienst nicht abgeleistet hatte, wie es in der Türkei für Männer ab einem bestimmten Alter Pflicht ist. Allerdings hatte Dinçdağ seinen Militärdienst im Herbst 2008 angetreten, wurde wenig später jedoch von der Militärmedizinischen Akademie  aufgrund „psychosexueller Störungen“ wieder entlassen. Anders ausgedrückt: Homosexualität als Ausmusterungsgrund.

 

Zwangsouting in der türkischen Öffentlichkeit

 

Am Dienstag, dem 22. April 2014  wurde vor der 20. Kammer des Zivilgerichts in Istanbul zunächst mit einem Urteilsspruch gerechnet. Dinçdağ hatte den türkischen Fußballverband auf Wiederanstellung verklagt. Der Schiedsrichter hatte zudem infolge des öffentlichen Zwangsouting über die Medien durch den TFF auch seinen Job als Radiomoderator verloren und ist seither arbeitslos. In der öffentlichen Darstellung in der Türkei wird Dinçdağs diskriminiert und erhält Morddrohungen, da er von seiner Forderung nicht abdrückt, wieder Verbandsspiele pfeifen zu dürfen. Halil İbrahim Dinçdağ möchte wieder Schiedsrichter sein. Unter der Anwesenheit einer Delegation von Roter Stern Leipzig '99 e.V. und dem Berliner Tennis Borussia e.V., die mit Unterstützung des Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) vor Ort war, wurde die Urteilsverkündung ein weiteres Mal vertagt.

 

Geradezu skandalös ist dabei die Argumentation des türkischen Fußballverbandes, Halil İbrahim Dinçdağs sei in der Zeit von 2001- 2008 gar nicht als Schiedsrichter beim TFF tätig gewesen und habe daher keinen Anspruch auf Wiederanstellung oder Schadensersatz, so der TFF. Der nächste Prozesstermin wird für den 15. Juli 2014 vor dem Zivilgericht in Istanbul erwartet.

 

Volle Kraft für fairen Fußball!

 

„Im Fußball ist man nicht gleich, wenn man schwul ist“, sagte Dinçdağ in einem Interview mit einem Fernsehteam in Berlin. Obwohl die aktuelle Lage die Einschätzung stützt, wollen wir uns mit dieser Situation nicht abfinden. Die besondere Kraft und der Zauber des Fußballs besteht darin, dass er unterschiedlichen Menschen zusammen führen kann. Wenn Menschen aufgrund ihrer Sexualität von der Erlebniswelt des Fußballs ausgeschlossen werden – egal ob als Spielerinnen, als Fans oder als Schiedsrichter – dann ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem und erfordert das Engagement aller.

 

Wir fordern daher:

 

- Schadensersatz und das Recht, wieder Spiele zu pfeifen, für Halil İbrahim Dinçdağ!

 

- Das sofortige Ende jeglicher Form von Diskriminierung von Menschen, die von der heterosexuellen Norm abweichen – im Fußball und in der Gesellschaft, in der Türkei und überall!

 

- Keinen Platz in der Kurve wie anderswo für Homophobie und Schwulenfeindlichkeit!

 

Eine Petition der Faninitiative Fußballfans gegen Homophobie und des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD)

This petition was delivered to:
  • Türkiye Futbol Federasyonu (TFF) - Türkischer Fußballverband


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