"STOPPT MOBBING" - bevor Menschen zu Opfern und zu Tätern werden !!!

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Offener Brief an die Ministerinnen und Minister, die Kultusministerinnen und Kultusminister sowie an die Bildungssenatorinnen und Bildungssenatoren der Länder und an Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey

Berlin, den 25. März 2019

Empfänger:
 

Dr. Susanne Eisenmann (Baden-Württemberg), Prof. Dr. Michael Piazolo (Bayern), Sandra Scheeres (Berlin), Britta Ernst (Brandenburg), Dr. Claudia Bogedan (Bremen), Ties Rabe (Hamburg), Prof. Dr. Alexander Lorz (Hessen), Birgit Hesse (Mecklenburg-Vorpommern), Grant Hendrik Tonne (Niedersachsen), Yvonne Gebauer (Nordrhein-Westfalen), Dr. Stefanie Hubig (Rheinland-Pfalz), Ulrich Commercon (Saarland), Christian Piwarz (Sachsen), Marco Tullner (Sachsen-Anhalt), Karin Prien (Schleswig-Holstein), Helmut Holter (Thüringen)

Betrifft: Bundesweite Petition wegen Mobbing-Situation an deutschen Schulen

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Tod der Berliner Schülerin im Februar 2019, der offensichtlich mit Mobbing in Verbindung gebracht werden muss, lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Medien wieder einmal auf diese menschenverachtende, entwürdigende und in höchstem Maße zerstörerische Problematik. (Diese beschränkt sich selbstverständlich nicht nur auf Schulen, sondern zieht sich durch verschiedene gesellschaftliche Bereiche.)  

Die bundesweite Anti-Mobbing Kampagne „Stoppt Mobbing“ in Deutschland und mehrere engagierte Elterninitiativen mit tausenden Mitgliedern in verschiedenen Bundesländern bilden gemeinsam ein starkes Bündnis gegen Mobbing. Wir möchten vermeiden, dass es nach dem Todesfall nur einen Strohfeuer-Effekt gibt und schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen wird. Vielmehr muss endlich nachhaltig und konsequent gegen Mobbing an Schulen vorgegangen werden, und das auch gerade durch die Politik und durch die Verantwortlichen aller Bundesländer.

Alle Kinder und Jugendlichen in unserer Gesellschaft haben ein Recht darauf, ohne Angst vor körperlichen und seelischen Torturen die Schule besuchen zu können. 
Alle Kinder und Jugendlichen haben einen Anspruch darauf, von Lehrern, Schulleitungen und den zuständigen Schulbehörden vor Mobbing und Gewalt beschützt zu werden.

Stellvertretend für alle Bürger und Eltern, alle Verbände, Vereine und Organisationen, die diesen offenen Brief bzw. diese bundesweite Petition unterschrieben haben, wollen wir unsere Kinder und Jugendlichen ohne Sorgen der Institution Schule anvertrauen können - in der festen Überzeugung, dass dort eine effektive Null-Toleranz-Strategie gegen Mobbing verfolgt und eine Kultur des Hinschauens statt Wegschauens gepflegt wird.

Die Initiatoren dieses Briefes sind - neben vielen engagierten Privatpersonen - sechs Anti-Mobbing-Zusammenschlüsse bzw. eingetragene Vereine in Kooperation mit CAMP STAHL e.V. Wir alle haben es uns zur Aufgabe gemacht, von Mobbing betroffenen Schülerinnen und Schülern sowie ihren Familien erste Hilfestellungen zu geben: Wir stehen ihnen bei Gesprächen mit den jeweiligen Schulen zur Seite, nennen bei der oftmals notwendigen psychologischen Unterstützung der Kinder Anlaufstellen und informieren über mögliche juristische Schritte.

In bestimmten Fällen wählen wir außerdem auch den Weg an Medien und die Öffentlichkeit, um den nötigen Handlungsdruck auf die Verantwortlichen in der Politik und des Schulsystems in den verschiedenen Bundesländern zu erzeugen.  

Darüber hinaus leisten wir unter anderem bundesweit regelmäßig Präventions- und Aufklärungsarbeit gegen Mobbing, Gewalt, Hass, Kriminalität und Vorurteile.
 
Viele Unterzeichner machen dies ehrenamtlich und neben ihren beruflichen und familiären Aufgaben. Wir alle haben uns dazu verpflichtet, weil wir auf die eine oder andere Weise selbst von Mobbing betroffen waren – durch unsere Kinder oder durch eigene Erfahrungen – und weil wir um die destruktive Kraft dieses Phänomens Mobbing und um die damit verbundenen Gefahren für die psychische und physische Gesundheit der Betroffenen wissen.

Im Verlauf der Jahre sind wir zu Experten geworden. Wir kennen Mobbing aus der Praxis, aus den eigenen Erfahrungen und aus dem theoretischen und praktischen Wissen über Mobbingprozesse, das wir uns angeeignet haben. Wir kennen die Bedürfnisse von „Opfern“, Mitläufern sowie Tätern und sind uns der massiven Defizite in der Präventions- und Interventionsarbeit an nahezu fast allen Schulen im ganzen Land schmerzlich bewusst.

Wir bieten Ihnen an, unsere Erfahrungen und Erkenntnisse mit Ihnen zu teilen! Denn wir wissen – im Gegensatz zu manchen Experten, die nicht wie wir tagtäglich mit Opfern, Tätern, Mitläufern, Zuschauern wie Wegschauern und dem System Schule konfrontiert werden –, was verändert werden muss, damit unsere Kinder und Jugendlichen ihre Schullaufbahn ohne Angst und Wut, gefahrlos und gewinnbringend für unsere Gesellschaft und für ihr persönliches Leben absolvieren können.

Wir möchten Sie, die Bildungs- und Kultusministerinnen und Minister beziehungsweise die Senatorinnen und Senatoren für Bildung unserer Länder, dazu auffordern, sich ebenso wie wir alle, die diese bundesweite Petition ins Leben gerufen und unterschrieben haben, dem Schutz unserer Kinder und Jugendlichen vor Mobbing und seinen Gefahren zu verpflichten!

Wir möchten keine Fronten aufbauen, sondern abbauen. Doch wir können und wollen nicht mehr länger hinnehmen, dass die psychische und physische Gesundheit vieler tausende von Kindern und Jugendlichen, und damit auch die Zukunft unserer Gesellschaft, gefährdet wird.

Wir fordern:

Die verbindliche und qualitative Ausbildung aller Pädagogen und Sozialarbeiter/innen in der Mobbingprävention und -intervention bereits während des Studiums.

Verbindliche Fortbildungen aller bereits im Dienst befindlichen Pädagogen und Sozialarbeiter/innen in der Mobbingprävention und -intervention.

An jeder Schule in Deutschland muss ein/e Sozialarbeiter/in mit einer festbesetzten Vollzeitstelle eingestellt und eingesetzt werden.

Regelmäßige Präventions- und Aufklärungsarbeit an den Schulen, durch Seminare von Experten in der Anti-Mobbing-, Anti-Gewalt-, Drogen- und Kriminalprävention. 

Die Unterstützung der Schulen bei der Bildung von Mobbing-Interventionsteams. 

Eine Meldepflicht für Mobbing- und Gewalt-Fälle an Schulen im ganzen Bundesgebiet durch die Schulleitungen.

Unabhängig und neutral konzipierte Untersuchungsmöglichkeiten seitens der Schulbehörden.

Klare Anweisungen auf Minister- beziehungsweise Senatoren-Ebene an die Schulen, Fälle von Mobbing und Gewalt offensiv zu behandeln und auf keinen Fall zu verharmlosen oder sogar zu vertuschen.

Gerne tauschen wir uns mit Ihnen in einem persönlichen Gespräch aus, um über wirksame, zielgerichtete und nachhaltige Veränderungen gemeinsam zu sprechen und nachzudenken.

Unsere Schullandschaft benötigt schnellstens Veränderungen, denn der Flächenbrand durch menschenverachtendes Mobbing und zunehmende Gewalt an unseren Schulen nimmt überall in Deutschland immer schlimmere und gefährlichere Dimensionen an. 

Deshalb freuen wir uns auf Ihr Gesprächsangebot.

Mit freundlichen Grüßen, und stellvertretend für alle Unterzeichner,

Carsten Stahl

Vorsitzender Camp Stahl e.V. & Gründer von „Stoppt Mobbing“ in Deutschland

Initiatoren und Erstunterzeichner dieser bundesweiten Petition:

Astrid Frank/Ralf Peter Zander/Thomas Klaus, Sprecher der Facebook-Initiative gegen Gewalt und Mobbing an Schulen (Köln/Brake)

Diana Forchert, Vorsitzende des Vereins Mobbing Bachariel e.V. (Heidenrod)

Levi Hackbarth, Vorsitzender des Vereins Be Social (Wattenbek)

Marco Krüger, Vorsitzender des Vereins Anti-Mobbing „Das M steht für Mut“ (Naumburg/Saale)

Norbert Menke, Sprecher der Selbsthilfegruppe „Eltern gegen Mobbing“ (Lahn)

Siegfried Pleimann, Vorsitzender des Vereins Stop Bullying e.V. (Emsdetten)

Carsten Stahl, Camp Stahl e.V. (Berlin)