Stoppt das Töten von Frauen #saveXX

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Sehr geehrte Frau Ministerin Lambrecht,
sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Giffey,

sowohl die WELT (*), als auch die ZEIT (****) , als auch die ze.tt (*****) thematisieren derzeit, in unterschiedlichen Varianten das gleiche Thema: FEMIZID - und ich frage mich: weshalb der Blick in’s Nachbarland? Ablenkung, von dem, was in Deutschland passiert?

Der statistische Wert der gewaltsamen Tötung einer Frau in der Bundesrepublik liegt zwischenzeitlich weit über dem unserer Nachbarn: 351 vollendete Tötungsdelikte gegen Frauen (**). Anders formuliert: Ab Januar nahezu täglich ein vollendeter Femizid. Hinzu kommen noch 564 versuchte Tötungsdelikte, sowie die Frauen, die NACH dem offiziellen Zeitpunkt der Datenerfassung (Übergabe der Akte von der Exekutive an die Judikative) ihren Verletzungen erliegen.

FEMIZIDE SIND TEIL IHRER BERUFLICHEN VERANTWORTUNG.

Der Ist-Zustand ist unerträglich: Das geschlechtsbedingte Töten geht, aktuellen Pressemeldungen zufolge, auch in 2019 nahtlos weiter, die korrelierende öffentliche Ignoranz ebenfalls:

04.01.2019: 25-jährige Frau auf offener Straße in der Nähe des Tempelhofer Felds erschossen, zwei Tatverdächtige in Haft. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen habe der Ex-Freund „einfach mal jemanden abschießen“ wollen. (Berlin)

04.01.2019: Passanten finden 35-jährige, tote Frau im Straßengraben. Die Obduktion hat den Verdacht eines Tötungsdelikts bestätigt. Tatverdächtig ist ein Bekannter der Frau, dessen Leiche im Zuge der Ermittlungen in einer Wohnung gefunden wurde, die Polizei geht vom Suizid des Mannes aus. (Freiberg, Sachsen)

09.01.2019: 72-jährige in Schwerte getötet, der Obduktion zufolge wurde die Frau umgebracht. Der Tatverdächtige, gegen den unter anderem wegen Mordes Haftbefehl erlassen wurde, übertrug seine Verhaftung live auf Facebook, er startete seine Aufnahme mit den Worten „Hallo! Mir geht‘s gut.“ Er, war gerade erst aus der Haft entlassen worden: 1990 hatte er in einem Park versucht, eine Spaziergängerin zu vergewaltigen. Weil sie sich wehrte und schrie, erstickte und ertränkte er sie schließlich. (Nordrhein-Westfalen)

11.01.2019: Schwangere Patientin, 25-jährig, wird in Krankenhaus in Bad Kreuznach von ihrem Ex-Freund niedergestochen: Baby tot. Der Täter ist der Vater des ungeborenen Kindes. (Rheinland-Pfalz)

12.01.2019: In Torgelow ist die sechsjährige Leonie zu Tode misshandelt worden, im Obduktionsbericht ist u. a. die Rede von Hämatomen am ganzen Körper und von mehreren gebrochenen Rippen. Dringend tatverdächtig: der polizeibekannte Stiefvater. (Mecklenburg-Vorpommern)

12.01.2019: Eine 87-jährige Rentnerin, die sich als Küchenhilfe ihre Rente aufbesserte, wurde tot in ihrem Keller in Jena gefunden. Täter und Opfer kannten sich, der Haftbefehl lautet auf Totschlag. (Thüringen)

13.01.2019: Zwei Deutsche aus Berlin sind auf Mallorca tot aufgefunden worden. Nach ersten Erkenntnissen brachte der Mann seine 55-jährige Partnerin um und erhängte sich danach. Zeugenangaben zufolge wollte sich die Frau von ihrem Lebensgefährten trennen. (Berlin/Mallorca)

13.01.2019: lebensgefährliche Attacke in Köln-Chorweiler: Eine 39-jährige Frau ist laut Polizei nach einer Auseinandersetzung am Sonntagmorgen in der Oxforder Passage geschlagen worden, sie stürzte auf den Kopf und zog sich einen Schädelbasisbruch zu. Für die Tat soll laut Zeugen ein etwa 1,85 Meter großer Mann verantwortlich sein, er ist flüchtig. (Nordrhein-Westfalen)

13.01.2019: Dinslakener in U-Haft, er soll seine 52-jährige Frau getötet haben. Seine Aussagen passten nicht zum Obduktionsergebnis, er wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen. (Nordrhein-Westfalen)

14.01.2019: Paderborner Unternehmer ersticht seine Frau, tötet sich dann selbst. Der Täter soll mehrfach mit einem Messer in den Hals seiner zehn Jahre jüngeren Frau gestochen haben. Im Umfeld heißt es, dass die 46-jährige sich von ihrem Mann habe trennen wollen, es habe schon seit einiger Zeit in der Ehe gekriselt. (Nordrhein-Westfalen)

Bereits zehn Tötungsdelikte (Stand 14.01.2019). Frauen leben in Deutschland, allein auf Grund ihres Geschlechts, nicht sicher. Die öffentliche Debatte über Femizide hat bereits in vielen Ländern, u. a. in Mexiko und Nicaragua zu Strafrechtsreformen auf nationaler Ebene geführt. Nicht so in Deutschland.

Die von der BRD beim Generalsekretär des Europarats in 2017 hinterlegte Beitrittsurkunde zum "Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt" reicht als alleinige Maßnahme bei weitem nicht aus.

Wie viele Frauen müssen noch sterben, bevor Sie aktiv und damit der bereits in 2006 von der Generalversammlung der UN verabschiedeten Resolution "Intensification of efforts to eliminate all forms of violence against women" A/RES/61/143 (***) gerecht werden?

Die Petition #saveXX ist verbunden mit dem dringenden Appell, den akuten Handlungsbedarf zu:

- einem ad hoc greifenden, umfassenden Schutz für Gefährdete

- einer rigiden Gesetzgebung: die Einführung des Straftatbestandes „Machistische-Gewalt“, die auch zu Taten der Hooligan-/Ultra-, Autoraser-, Jugend- und Motorradgang-Szene passt (Selbstüberhöhung, Narzissmus, fehlende Bereitschaft zur Reflexion, bzw. Verhaltensänderung einschlägiger Wiederholungstäter und auch der Aspekt "wäre ein Abbruch/ eine Umkehr im Tathergang möglich gewesen" sind klare Kriterien, die sich legislativ fassen lassen)

- einer länderübergreifenden Erfassung, Auswertung und Publikation der Daten und der daraus resultierenden Maßnahmen, bzw. Ergebnisse

anzuerkennen und zeitnah korrigierende Maßnahmen einzuleiten: Kümmern Sie sich endlich darum, dass das, mittlerweile fast tägliche, Töten von Frauen endet! Selbstverständlich macht sich diese Petition FÜR DEN SCHUTZ UND DIE RECHTE ALLER Mädchen und Frauen stark, egal ob cis oder trans*,

mit freundlichem Gruß,
Prof. Dr. Kristina Wolff

 

Kampagnenvideo vom 13.11.2019 

(*) Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/article187072758/Vier-Opfer-in-zwei-Wochen-Die-toten-Frauen-von-Oesterreich.html

(**) Quelle: https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2017/pks2017_node.html

(***) Quelle: http://www.un.org/womenwatch/daw/vaw/A_RES_61_143.pdf

(****) Quelle: https://www.zeit.de/2019/05/kriminalitaet-frauenmorde-aufklaerung-quote-taeter-wertehaltung-gewalt

(*****) https://ze.tt/frauenmorde-in-oesterreich-femizid-betrifft-uns-alle/