Die Tiere leiden psychisch und physisch!


Sehr geehrter Herr Özdemir,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Die von Ihnen zitierten §§ 1 und 2 des Tierschutzgesetzes sprechen klar gegen Ponykarussells. Was wir im Ponykarussell sehen, steht Normalverhalten und Bedürfnissen von Pferden krass entgegen. Kein Lebewesen geht ohne Zwang stundenlang im Kreis.
Die Forderung dieser Petition lautet, Ponykarussells zu verbieten. Die Menschen, die diese Petition unterzeichnet haben, fordern Sie auf: präzisieren Sie, wenn nötig, das Tierschutzgesetz dahingehend, dass die Unzulässigkeit von Ponykarussells klar und bindend wird!
Haben Sie unsere Argumente gelesen? Haben Sie gelesen, wie die Tiere im Ponykarussell behandelt werden? Das Veterinäramt hat all das bislang nicht abgestellt. Das muss extra noch einmal erwähnt werden, weil Sie ja an das Veterinäramt als Schutzinstanz verweisen. Ohne zu verallgemeinern möchte ich an die vielen Undercoverreportagen erinnern, die entsetzliches Tierleid dokumentieren, welches Veterinärämtern nicht aufgefallen ist.
Das Veterinäramt lässt übrigens auch das Linkskreisen ohne Handwechsel durchgehen, das der von Ihnen explizit angeführten Leitlinie klar widerspricht. Wir haben eine Fachaufsichtsbeschwerde eingereicht, aber das LANUV in NRW stellt sich bislang hinter das Veterinäramt. Leider werden dabei zentrale Aspekte einfach übergangen.
Da Tiere nicht beschreiben können, wie sie sich fühlen und was ihnen weh tut, kann leicht behauptet werden, sie würden keine Schmerzen, Leiden, Schäden davontragen. Amtsveterinäre müssten Fachtierärzte für Pferde, z.B. für Verhalten und Orthopädie zuziehen, Dopingproben nehmen usw., wenn sie ernsthaft herausfinden wollten, wie es um den physischen und psychischen Gesundheitszustand der Tiere bestellt ist. Dass Pferde keinen einfachen Handwechsel zustande bringen, ist ja keineswegs normal.
Eine Amtsveterinärin äußerte sich 2010 in der Presse erfrischend deutlich: „‚Die derzeitige Praxis, die Ponys stundenlang in dieselbe Richtung trotten zu lassen, ist als absolut verhaltenswidrig einzustufen. Die Tiere leiden physisch und psychisch.‘ Das ständige Kreisen in einer Richtung führe bei den Ponys zu Haltungsschäden. Gelenke und Muskulatur würden einseitig belastet. Hinzu komme, dass die Kinder oft nicht in der Lage seien, sich richtig auszubalancieren. Das Pony müsse diese Belastung auffangen, auch das trage zu Fehlbildungen bei. ."(Zitat aus Neue Westfälische vom 17.11.2010)
Die meiste Zeit im Leben der Ponys ist kein Veterinäramt an ihrer Seite. Wir wissen auch auf konkrete Nachfrage von keinen weiterführenden Untersuchungen der Tiere durch Fachtierärzte.
Es gibt nichts, was für Ponykarussells spricht. Kein Kind lernt etwas über Tiere oder baut eine Bindung zu ihnen auf, wenn es drei Minuten auf einem fremden Pferd sitzt, das auf einem Rummelplatz mit Ausbindezügeln drangsaliert zum Kreislaufen gezwungen wird. Kinder lernen hier, die Bedürfnisse der Tiere zu missachten und sie entgegen ihrer Natur wie leblose Gegenstände zu benutzen.
Herr Özdemir, das Leid dieser Tiere darf nicht weitergehen. Bitte lesen Sie unsere Argumente, Beobachtungen und verbieten Sie Ponykarussells. Die Kommentare zu unserer Petition zeigen, dass sehr viele Menschen gar nicht wussten, dass es diese Quälerei und Kindertäuschung immer noch gibt.
Mit freundlichen Grüßen
Astrid Reinke, Vorsitzende, Tierärztin