Petition updateFür einen Rekonstruktions-Watch – und wider den modernefeindlichen ArchitekturpopulismusErwiderung auf den desinformierenden Kommentar von Ulf Poschardt in der WELT
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May 7, 2018
Es wird in diversen Kommentaren, so auch in der Stellungnahme von Ulf Poschardt, Chefredakteur der Welt, in desinformierender Absicht uns unterstellt, wir würden Fachwerk oder was auch immer mit Faschismus gleichsetzen. Fakt ist, dass wir immer betont haben, dass es nicht darum geht, irgendwelche Architektur als "rechts" hinzustellen. Es geht schlicht um die Tatsache, dass die Rekonstruktionsprojekte von Neurechten und Rechtsradikalen für ihre geschichtspolitische Agenda vereinnahmt wird. Es ging auch nie um die Frage, wer zuerst die Idee zur Rekonstruktion hatte. Das wäre eine müßige Debatte. Unbestritten ist die Tatsache, wie von Trüby recherchiert und von uns im Offenen Brief beschrieben, „dass es der rechtsradikale, völkische und geschichtsrevisionistische Autor Dr. Claus Wolfschlag war, der mit seinem nicht minder radikalen politischen Weggefährten Wolfgang Hübner im September 2005 jenen Antrag Nr. 1988 der ‚Freien Wähler BFF (Bürgerbündnis für Frankfurt)‘ formulierte, der zur Blaupause dessen wurde, was ab 2006 auf den parlamentarischen Weg gebracht und heute nun in Frankfurt gebaut steht“. Selbstverständlich hat es Rekonstruktionsbestrebungen und ein Unbehagen gegen die moderne Architektur schon vor der AfD und den Neurechten gegeben. Diesen Diskurs hatten wir bereits am Beispiel der Berliner „Kritischen Rekonstruktion“ in den 1990ern geführt. Der Unterschied liegt heute darin, dass solche Tendenzen für eine neurechte geschichtspolitische Agenda missbraucht wird. Die Stellungnahmen von Claus Wolfschlag und Wolfgang Hübner auf den Artikel von Trüby zeigen deutlich die Argumentationsrichtung und die Politisierung der Rekonstruktion. Zitat Hübner: „Trüby, Luxusantifaschist des Jahrgangs 1970, bekennt sich mit solch wutschnaubender Polemik als überzeugter Anhänger einer aus dem verbreiteten ‚Schuldkult‘ resultierenden ‚Sühnearchitektur‘, die viele deutsche Städten mit Betonbrutalismus und Traditionsverachtung verschandelt.“ Hier klingt die Rede von Björn Höcke zum Holocaust-Mahnmal an. Die Unterwanderung dieser Architekturdebatte durch solche reaktionären Positionen ist eine reale politische Gefahr, auf die wir mit dem Offenen Brief aufmerksam machen wollten. Es ging nie darum, wer zuerst die Idee für die Rekonstruktion hatte oder ob Fachwerk „rechts“ ist, sondern um die Veränderung der Argumentationsmuster, die im Zusammenhang mit der politischen Großwetterlage betrachtet werden muss. Es war nun mal nicht die Union, sondern es waren Claus Wolfschlag und Wolfgang Hübner (die zweifelsohne rechts ohne Anführungszeichen sind), die das Projekt parlamentarisch eingebracht haben. Wir glauben eben nicht an Zufälle, sondern an politische Zusammenhänge.
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