

Pressemitteilung: Heute am Internationalen "Hurentag" hört man wieder VertreterInnen der Pro-Prostitution Lobby, wie z.B. dem Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen, die sich für das Geschäftsmodell "Sexarbeit" aussprechen. Sie sind gegen eine Freierbestrafung und übrigens auch gegen jegliche Form von Reglementierungen. Die Deutsche Aidshilfe hatte sich sogar gegen eine Kondompflicht ausgesprochen. Die Logik dahinter ist schwer zu verstehen, da man sich ja vor Aids beim Geschlechtsverkehr am besten mit einem Kondom schützt!
Vertreten diese Menschen wirklich die Interessen der Frauen in der Prostitution? Denn wenn sie das tun würden, dann müsste man von ihnen ganz andere Forderungen hören, und zwar minimal gewerkschaftliche Forderungen, so wie: Prekäre Beschäftigungsformen beenden, bessere Arbeitsbedingungen, Sicherheit am Arbeitsplatz, Lohnsicherheit, Renten-, Pflege-, Kranken-, und Arbeitslosenversicherung sichern, gute Arbeitszeiten, Mutterschutz, gegen Sexismus am Arbeitsplatz, etc. Aber nichts davon ist zu hören! Sie protestieren nur gegen die Einführung des Nordischen Modells und sonst ist alles gut. Aber ist wirklich alles so gut in diesem Gewerbe?
20 Jahre sind seit der Einführung des Prostitutionsgesetzes vergangen und wir können Bilanz ziehen:
In Schweden wurde seit 1999 nur eine Frau in der Prostitution ermordet, in Deutschland hingegen über hundert! Diese Fakten müsste die Politik alarmieren, denn: Das deutsche Prostitutionsmodell begünstigt den Mord an Frauen in der Prostitution!
In Schweden, wo das Nordische Modell im Jahr 1999 eingeführt wurde, wird Prostitution in jeder Hinsicht als eine Form der Gewalt betrachtet, denn wenn der Sexkäufer nicht zahlen würde, dann würde dieser Akt nicht stattfinden. Das bedeutet, dass jedes Mal, auch bei Zahlung, ein ungewollter Geschlechtsverkehr stattfindet. Die Frauen lassen den Geschlechtsverkehr zu, obwohl sie ihn nicht wollen. Es bleibt eine unerwünschte Penetration.
Prostitution hat nichts damit zu tun, dass manche Männer ihre Triebe nicht zurückhalten können. Die Prostitution existiert, weil die Gesellschaft eine tiefe Ungleichheit zwischen Mann und Frau verinnerlicht hat, indem die Lust des Mannes über der Würde der Frau steht. Solange ein Staat dieses System legitimiert, kann man von einer Gleichstellung zwischen Mann und Frau nicht reden. Es ist Sexismus mit staatlichem Siegel!
Da es in der Prostitution weder um die Lust, die Gefühle noch der Würde der Frau geht, ist Gewalt in der Prostitution inhärent und dementsprechend schwierig zu regulieren.
Studien belegen dies: Es gibt eine große Bundesstudie in Deutschland aus dem Jahr 2004 zur Gewaltbetroffenheit, die das bestätigt. Unter den 10 000 befragten Frauen insgesamt wurden 110 Prostituierte befragt, die folgendes angaben: 82 Prozent nannten Formen von psychischer Gewalt, 92 Prozent erlebten sexuelle Belästigung, 87 Prozent erlebten körperliche Gewalt, 59 Prozent erlebten sexuelle Gewalt.
In Deutschland sind die Sexkäufer seit der Liberalisierung der Prostitution perverser und die Praktiken entsprechend gefährlicher geworden. Die Gewalt gegen prostituierte Frauen hat sich dadurch natürlich erhöht.
Die Gewalt in der Prostitution hat viele Gesichter: Es fängt mit einer leichten Bekleidung in der Kälte an oder auch mit dem völligen Nacktsein.
In der Straßenprostitution herrschen mangelnde Hygienezustände, keine Waschmöglichkeiten, kein Schutz, keine Sicherheit, Dunkelheit, Kälte, man ist den Blicken der Sexkäufer und Passanten ausgesetzt, die taxieren, abwerten, einen beschimpfen usw.
Die Gewalt findet nicht nur in der Prostitution statt. Die Frauen erfahren außerhalb der Prostitution auch keinen Schutz: Sie erleben Gewalt, Drohungen, etc. durch ihre Zuhälter, Bordellbetreiber, Menschenhändler bis hin zu Mord. Sie erleben seelische Gewalt durch verachtende Blicke und Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Sie werden nicht ernst genommen, werden diskriminiert, sie bleiben eine „Ex-Nutte“.
Sandra Norak beschreibt es in diesen Worten:
„Bei Prostitution von einer „Arbeit wie jede andere“ oder überhaupt von „Arbeit“ zu sprechen, ist angesichts der Realität in der Prostitution nicht angebracht. Arbeiterrechte oder Regulierung der Prostitution sind keine Lösung für die prekären Verhältnisse und Gewalt in der Prostitution. Das System der Prostitution ist von Gewalt an Frauen nicht zu trennen. Prostitution zerstört. Für mich und die Frauen, die ich persönlich in der Prostitution kennenlernte, war die Prostitution an sich schwere Gewalt und hochtraumatisch, was sich oft erst Jahre später gezeigt hat ... Was ich und andere mit Deutschlands Gesetzgebung erfahren haben, war staatlich tolerierter sexueller Missbrauch. Mit seiner Gesetzgebung von 2002 hat Deutschland geduldet und normalisiert, dass Menschen zur Ware und zu Objekten für die sexuelle Benutzung anderer gemacht werden können.“
Der deutsche Staat weigert sich, die Gewalt gegen Frauen in der Prostitution zu sehen. Prostitution ist ein System der Gewalt!
Vor diesem Hintergrund brauchen wir einen sofortigen politischen Kurswechsel durch die Einführung der Freierbestrafung nach Nordischem Modell.
Dr. Ingeborg Kraus
Quellen: Das Nordische Modell