Bildung statt Aufbewahrung - gegen das Konzept der Wiedereröffnung von Kitas in Sachsen

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Seit März werden auch in Sachsens Kitas (Horte eingeschlossen) nur noch Kinder aufgenommen, denen eine „Notbetreuung“ zusteht. Nun ist laut Kultusministerium „die Schmerzgrenze erreicht“ und Sachsen öffnet ab 18.05.2020 für alle Kinder wieder die Kitas, in einem sogenannten „eingeschränkte Regelbetrieb“. Für viele Eltern bedeutet dies Aufatmen und Entlastung bei ihrem Spagat, Kinder, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen.

Wir pädagogische Fachkräfte allerdings sehen angesichts der Maßnahmen, die das Konzept der Wiedereröffnung in Sachasen vorgibt, das Kindswohl als gefährdet an.

Eltern dürfen die Kita nicht mehr betreten, Kinder werden in besonderen Zonen vor der Kita von den Eltern getrennt.

Danach dürfen sie sich, nach den neuen Auflagen, nur noch in festen Gruppen bewegen. „Offene und teiloffene Konzepte sind auszusetzen“, damit Infektionsketten nachvollziehbar sind und das für eine längere, unbestimmte Zeit.

Besonders in Kitas, die nach dem offenen Konzept eine bedürfnisorientierte pädagogische Arbeit gestalten, ist dies so überhaupt nicht denkbar. Die Kinder sind es gewöhnt, sich frei im Haus nach ihren Interessen und Bedürfnissen ganztägig zu bewegen und sich ihre Freunde und Lernpartner zu suchen. Lernen passiert dabei im gesamten Alltag durch die Auseinandersetzung mit Materialien, mit anderen Kindern und Erwachsenen, indem die Kinder ihren Fragen nachgehen, sich damit auseinandersetzen und daran wachsen können.

Nun sollen sich die Kinder ganztägig nur noch innerhalb ihrer Gruppen bewegen – im Zimmer, im Garten, auf den Toiletten. Das bedeutet ganz konkret - spielen, essen, ruhen – alles in einem Raum, mit immer denselben Kindern und einer vorgeschriebenen pädagogischen Fachkraft. Das bedeutet eine enorme Reduzierung von Bildungsanlässen durch wesentlich eingeschränkte materielle und räumliche Möglichkeiten, festgelegte Toilettenzeiten und Gartennutzungszeiten. Diese werden sehr eingeschränkt sein, da viele Außengelände in Kitas ein Trennen der Gruppen überhaupt nicht ermöglichen und die Kinder so nur nacheinander draußen sein könnten.

Eine Arbeit nach dem Sächsischen Bildungsplan, welcher per Gesetz unsere Handlungsgrundlage für die pädagogische Arbeit in den Kitas ist, ist so nicht umsetzbar.

Sehr geehrter Herr Kultusminister Piwarz. Sie schreiben in Ihrem Brief an die Eltern: „Kinder sollen toben, spielen, lernen und bedürfen der individuellen Förderung“

Wir fordern Sie auf, dafür auch die entsprechenden Bedingungen zu schaffen. Die getroffenen Maßnahmen sind nicht zum Wohl der Kinder, sondern aus Erwachsenenperspektive gedacht.

Wir sind gegen den Eingriff in die Persönlichkeits- und Freiheitsrechte der Kinder, der hier stattfinden soll. Wir sind für das Recht auf Bildung, Teilhabe und seelische Unversehrtheit. Wir sind für eine Kita als Bildungsstätte.

Wir fordern Sie auf, Ihre Maßnahmen dringend zu überdenken. Hygiene und Schutz – ja, Einschränkung und Einsperren der Kinder – nein. Ihre Maßnahmen sollten Maßnahmen sein, die tatsächlich zum Wohl der uns anvertrauten Kinder stattfinden. In frühkindlichen Bildungsstätten braucht es Bildung und nicht Aufbewahrung.