Bleiberecht für unsere Nachbarn - Familie H. soll endlich in Frieden bei uns leben dürfen!

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Im Namen der Menschenwürde, des Kindswohles und der Humanität:

Bitte verleihen Sie Familie Poghosyan/Hovhannisyan unverzüglich einen gesicherten Aufenthaltsstatus, damit sie endlich angstfrei und selbstbestimmt hier leben kann!

Wir wohnen in direkter Nachbarschaft mit der aus Armenien stammenden Familie, die seit 11 Jahren hier in Dresden lebt. Wir kennen Emma, Vardan und ihre drei in Deutschland geborenen Kinder Emilia, André und Alen seit gut zwei Jahren und schätzen sie als umgängliche, vertrauenswürdige und hilfsbereite Nachbarn und Freunde, die häufig liebevoll und kompetent unseren Sohn Mika (11) mit Down-Syndrom betreut haben. Alle fünf sind uns sehr ans Herz gewachsen. Bereits Anfang August mussten wir miterleben, dass versucht wurde, die Familie mit Polizeigewalt abzuschieben, was erst in letzter Minute am Flughafen vom Flugkapitän verweigert wurde. Das war für die Mutter Emma so traumatisch, dass sie nach einem Suizidversuch mehrere Wochen in der Klinik betreut werden musste.

Trotz ärztlich bescheinigter Reiseunfähigkeit der Mutter, und gegen die Zusage der Behörden, von weiteren Maßnahmen abzusehen, bis der Amtsarzt am 2.11. den Gesundheitszustand begutachten würde, stand die Polizei am 18.9. erneut vor der Tür, um die Familie abzuschieben, nur einen Tag nach dem Begräbnis des Großvaters Andranik.

Als Emma einen Zusammenbruch erlitt und offensichtlich nicht reisefähig war, nahmen die Beamten den Vater und die beiden Söhne (6 u. 8 Jahre alt) mit. Weder unsere eindringlichen Hinweise auf die psychische Gefährdung der Mutter, die Abwesenheit von Tochter Emilia (10) oder die Unrechtmäßigkeit von Familientrennungen, noch der lautstarke Protest der Anwohner konnten den Einsatzleiter oder die anderen Beamten von ihrem Vorhaben abbringen, sodass die Familie schließlich auseinander gerissen und die männlichen Familienmitglieder nach Armenien abgeschoben wurden.

Seither befindet sich Emma wieder in der Klinik, Emilia wurde 10 Tage lang vermisst und ihr Vater und ihre Brüder kamen bei Verwandten in Armenien unter und dürfen für lange Zeit nicht mehr nach Deutschland einreisen – eine unerträgliche Situation. Doch seit letzter Woche gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die sächsische Härtefallkommission wird sich mit dem Fall befassen und könnte u. U. trotz abgelehnter Asylanträge ein Bleiberecht aus humanitären Gründen empfehlen, dem der Innenminister dann in der Regel folgt. Bis zu dieser Entscheidung wird kein weiterer Abschiebe-Versuch unternommen, sodass Emilia wieder „auftauchen“ konnte und endlich wieder zur Schule gehen.

Es ist eine menschliche Tragödie und ein Armutszeugnis für unseren Rechtsstaat, wie versucht wird, unsere Nachbarn nach über 11 Jahren in Deutschland auseinander zu reißen und zu entwurzeln. Wir wünschen uns sehr, dass Emma und Emilia hier bleiben können und Vardan, Andé und Alen unverzüglich wieder einreisen dürfen, um mit ihnen hier zu leben.

Diese Menschen sind in vielfältiger Hinsicht ein Gewinn für unsere Gesellschaft. Sie sind nicht nur in der Lage, wirtschaftlich unabhängig zu sein, sondern werden in Zukunft auch ihren Beitrag zum Gemeinwohl leisten - wenn man sie denn in Frieden hier leben, lernen und arbeiten lässt!


Emma und Vardan kamen 2006 aus Armenien nach Deutschland. Das junge Paar floh vor massiven Drohungen durch die Mafia und folgte damit der Warnung von Vardans Vater Andranik, der selber Opfer krimineller Gewalttaten wurde und später ebenfalls nach Deutschland floh, als körperlich wie geistig gebrochener Mann. Noch im gleichen Jahr wurde Emilia geboren, der 2008 und 2010 ihre Brüder folgten. Da Armenien offiziell als sicheres Land gilt, waren die Leute dem Rat gefolgt, sich als Iraker auszugeben, was ihnen bis heute vorgeworfen wird, obwohl sie inzwischen längst ihre wahre Identität offen gelegt und sämtliche Strafen bezahlt haben. (Absurderweise hat ja genau genommen erst diese Ehrlichkeit den Weg für die Abschiebung frei gemacht). Die Asylanträge und Widersprüche wurden abgelehnt und die Familie ist offiziell ausreisepflichtig.

Wir kennen und schätzen Emma Poghosyan und Vardan Hovannisyan und ihre Kinder Emilia, Andre und Alen als umgängliche, herzenswarme und hilfsbereite Menschen. Gelegentlich spielen unsere Kinder miteinander und Emma hat - zeitweise ganz offiziell im Auftrag der Lebenshilfe - regelmäßig liebevoll und kompetent unseren behinderten Sohn Mika betreut. Ihre Kinder sind alle in Dresden geboren und aufgewachsen und kennen Armenien nur aus den Erzählungen ihrer Eltern (von „ZURÜCKschicken“ kann also in ihrem Fall gar keine Rede sein!). Sie sind allgemein umgänglich und voll integriert, sprechen sehr gut deutsch und zeigen gute Leistungen in Schule und Sportverein.

Vardan ist Koch, hatte mehrere kurzfristige Arbeitsverhältnisse in Bau und Gastronomie und erst am 4.9. wieder eine Arbeitserlaubnis beantragt (die ihm im Zuge des Abschiebeverfahrens entzogen worden war). Er hatte bereits einen unbefristeten Arbeitsvertrag für eine Vollzeitstelle in der Gastronomie, den er bei einem positiven Bescheid sofort hätte unterschreiben können. Vardan hatte lange seinen schwer psychisch kranken Vater Andranik betreut, wurde aber im Zuge des ersten Abschiebeversuches Anfang August offiziell als Betreuer abgesetzt. Andranik (von unserem Mika liebevoll „Opa“ genannt) besaß einen Aufenthaltsstatus, da seine Erkrankung in Armenien nicht angemessen behandelt werden kann. Er sprach kein Deutsch, war verwirrt und akzeptierte den neu eingesetzten Betreuer nicht. Er war auf die Hilfe seines Sohnes dringend angewiesen, der ihn weiterhin inoffiziell betreute.

Seit dem Abschiebungsversuch sah Andranik zunehmend schlecht aus, war sehr verängstigt und sagte häufig, dass er nicht weiterleben wolle, wenn sein Sohn nicht mehr da wäre. Als er am Samstag den 26. 8. im Supermarkt Zigaretten kaufen wollte, fiel er an der Kasse tot um, Ursache: Herzversagen. Obwohl dem Betreuungsgericht die Anwesenheit des Sohnes natürlich bekannt war, war kein Kontakt zu ihm aufgenommen worden und die fragwürdige Betreuungssituation wurde selbst nach Andraniks Tod weder hinterfragt noch untersucht. Der Verlust des freundlichen alten Mannes hat die anderen Familienmitglieder – auch uns und alle, die ihn kannten – tief getroffen, und mit großer Sorge beobachten wir eine zunehmende Verzweiflung unserer Nachbarn, in deren Augen ein Zusammenhang mit den Maßnahmen und Unterlassungen seitens der Behörden offensichtlich ist.

Diese haben sich in all den Jahren als Institutionen gezeigt, die ohne Augenmaß die Familie Hovhannisyan unter allen Umständen aus Deutschland „weg“ haben wollen. Sie sind mit unangemessener Härte gegen sie vorgegangen und haben die aus humaner und rationaler Sicht gebotenen gesetzlichen Spielräume für einen Aufenthalt nicht zur Anwendung gebracht. Aus unserer Sicht werden hier Menschen, die unsere Gesellschaft in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht bereichern (könnten), auf zynische und unmenschliche Weise politischem und ideologischem Kalkül geopfert.

Dieses Vorgehen nützt niemandem. Es gefährdet nicht nur die seelische Gesundheit der Betroffenen, sondern auch des gesamten Umfeldes. Meine eigene und viele andere Familien – insbesondere die Kinder - leiden buchstäblich mit an der Gewalt, die sie hier miterleben. Völlig unnötig wird der soziale Frieden und das Vertrauen in den Rechtsstaat gefährdet. Bitte helfen Sie mit Ihrer Unterschrift, diese Tragödie doch noch zu einem würdigen Ende für alle Beteiligten zu führen.

 

Vielen Dank,
Guido Richarts

 



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