Rettet die Kugel - Erhalt des Industriedenkmals Kugelgasbehälter Köln-Ehrenfeld -


Rettet die Kugel - Erhalt des Industriedenkmals Kugelgasbehälter Köln-Ehrenfeld -
Das Problem
Wir wollen das Industriedenkmal Kugelgasbehälter Köln-Ehrenfeld erhalten
Auf dem Gelände der Rheinenergie AG am Maarweg in Köln-Ehrenfeld steht ein Industriedenkmal aus dem Jahr 1954. Der Kugelgasbehälter ist ein Pionierbauwerk und bei seiner Inbetriebnahme im Januar 1955 der erste und größte geschweißte Gashochdruckkugelbehälter der Welt.
Das Industriedenkmal ist massiv bedroht durch die Rückbaupläne des Eigentümers - der Rheinenergie AG. Diese hat aus betriebswirtschaftlichen Gründen kein Interesse am Erhalt des Denkmals. Das Grundstück auf dem das Denkmal steht soll hochpreisig an einen Immobilienentwickler verkauft werden und in die städtebauliche Planung des benachbarten Max-Becker-Areals einbezogen werden. Kurzsichtiges Renditedenken lassen die Rheinenergie AG vergessen, dass es sich bei dem Denkmal um ein gemeinsames geschichtliches Erbe unserer neueren Stadtgeschichte handelt. Die Rheinenergie verleugnet ihre eigene Geschichte und innovativen Leistungen in Zeiten als die Versorgungssicherheit vieler Kölner Haushalte mit Gas eine vorrangige Stellung besaß.
Eine Initiative von interessierten Bürgerinnen und Bürgern und Experten auf dem Gebiet der Denkmalpflege und Industriearchitektur setzen sich seit März 2021 für den Erhalt dieses industrie- und ortsgeschichtlich bedeutenden Objektes ein.
Gemeinsam haben die Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld von 1954 e.V. und der Verein Rheinische Industriekultur Fakten und Dokumente gesammelt, die die Einzigartigkeit der "Ehrenfelder Kugel" eindeutig belegen.
Dieser Einschätzung folgte nach intensiver Prüfung auch das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland und stufte den Kugelgasbehälter im März 2022 als Baudenkmal ein.
„Der Kugelgasbehälter in Köln-Ehrenfeld ist einschließlich Fundament und umgebender Freifläche im beschriebenen Umfang ein Baudenkmal gemäß §2 DSchG NRW. Er ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeitsverhältnisse. Seine Erhaltung und Nutzung liegen aus wissenschaftlichen Gründen – hier: technikhistorischen und ortsgeschichtlichen Gründen – im öffentlichen Interesse“, heißt es in der gutachterlichen Stellungnahme des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland.
Wie das Gutachten darlegt, erfüllt der Kugelgasbehälter Ehrenfeld folgende wesentliche Kriterien, die den Denkmalwert begründen:
- Bedeutend für die Geschichte des Menschen
- Bedeutend für die Stadt Köln und die Ortsgeschichte
- Bedeutend für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse im Rheinland
Außerdem benennt das LVR-ADR wichtige technikgeschichtliche und ortsgeschichtliche Gründe für einen Erhalt des Industriedenkmals Kugelgasbehälter Ehrenfeld.
Das LVR-ADR-Gutachten endet mit dem Satz: „Die Stadt Köln hat nach wie vor allen Grund, mit Stolz auf diese bedeutende Technikleistung der frühen Nachkriegszeit zu blicken und den Kugelgasbehälter im Zuge der anstehenden städtebaulichen Neuordnung auf dem ehemaligen Areal der Gasanstalt Ehrenfeld gemeinsam mit den noch erhaltenen Bauten des ehemaligen städtischen Gaswerks für nachfolgende Generationen zu bewahren.“

„Wir begrüßen ausdrücklich, dass das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland nach eingehender und sorgfältiger Recherche dem Kugelgasbehälter in Ehrenfeld den Denkmalwert zuerkennt. Wir haben in Ehrenfeld nun ein neues Industriedenkmal, das es gilt zu erhalten und im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs zum Max-Becker-Areal,
ohne Wenn und Aber zu integrieren. Gründe, an denen ein berechtigtes öffentliches Interesse an der Erhaltung des Ehrenfelder Gasspeichers geltend gemacht werden können, gibt es viele. Wir können es absolut nicht nachvollziehen, dass der Stadtkonservator der Stadt Köln, Dr. Thomas Werner, bis heute ablehnt sich dieser Expertise der Oberen Denkmalbehörde anschließt und es ablehnt das Industriedenkmal Kugelgasbehälter in die Denkmalliste der Stadt Köln einzutragen. Sowohl die Stadt Köln als auch die Rheinenergie negieren die Existenz des Industriedenkmals und fördern dessen Abriss“, sagt Dr. Dieter
Brühl, Vorsitzender der Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld.
Dabei hat die Bürger*Innen-Initiative mehrmals versucht Vorschläge für eine nachhaltige Um- und Nachnutzung des Denkmals bei der Rheinenergie AG anzustoßen. Der Energiekonzern blockt aber ab. "Die Rheinenergie hat kein Interesse an dem Erhalt des Kugelgasbehälters", sagte zuletzt am 22.11.22 ein Vertreter des Unternehmens im Rahmenplanungsbeirat Braunsfeld, Müngersdorf, Ehrenfeld.
Die Rheinenergie verleumdet nicht nur den Stellenwert des Denkmals, sondern zudem Ihre eigene Geschichte und die einst gefeierte Innovation.
Erster geschweißter „Gashochdruckkugelbehälter“ der Welt - State of the art 1954.

Kugelgasbehälter im Bau 1954 /Foto: © Archiv Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld /Dr. Dieter Brühl (Abdruck, Vervielfältigung und elektronische Verarbeitung nur mit Genehmigung)
Der Gasbehälter in Ehrenfeld ist der erste geschweißte „Gashochdruckkugelbehälter“ der Welt. Die Gaskugeln zuvor
waren genietet. Also eine enormer Innovationsschritt, der sich in Ehrenfeld industriegeschichtlich manifestiert. Der Gasspeicher in Form einer Kugel wurde 1954 nach siebenmonatiger Bauzeit fertigstellt und war damals ein echtes Pionierbauwerk mit einem Durchmesser von 33,75 Metern und einem Gesamtgewicht von rund 950 Tonnen. Er ist damit sowohl technikgeschichtlich bedeutend und als auch bedeutend für die Geschichte des Menschen. Errichtet wurde der innovative Hochdruckbehälter mit einem Nutzinhalt vom 112.500 Kubikmeter seinerzeit von einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) der Stahlbaufirmen August Klönne aus Dortmund und der Pintsch-BAMAG Maschinenfabrik in Köln-Bayenthal. Für den Bau wurden eigens entwickelter Sonderstahl und eine spezielle
Schweißtechnik verwendet. Diese Arbeit stellte hohe Anforderungen an alle am Bau Beteiligten, da die Bleche mit einer Wanddicke von 28,5 mm und einem Einzelgewicht von bis zu 7300 Kilogramm genau eingepasst werden mussten. Insgesamt wurden rund 1800 Meter Schweißnähte mit Spezialelektroden, die erst nach wochenlangen Versuchen ermittelt werden konnten, hergestellt. Alle Nähte wurden nachträglich durch Wärmebehandlung entspannt und geröntgt.

Bau des Gashochdruckbehälters 1954

"Köln vollbrachte in dieser Beziehung eine Art Pioniertat, indem es den bisher größten Kugelgasbehälter der Welt baute" (Kölnische Rundschau, 13.11.1954)
„Das Wunder von Köln“ oder die „Größte Kugel der Welt steht in Köln“
Recherchen Dr. Dieter Brühl im Zeitungsarchiv der Kölnischen Rundschau
Bereits während der Bauzeit machte der neuartige Gasspeicher von sich reden. Die Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke der Stadt Köln waren sich der Bedeutung ihres bemerkenswerten Neubaus in Ehrenfeld zu jeder Zeit
vollkommen bewusst: „Eine Pionierleistung“ nannte Dr.-Ing. Richard Fischer, der damalige Direktor der GEW, den gerade in Angriff genommenen Bau des „größten Kugelgasbehälters der Welt“, wie die Tagespresse berichtete. „Die größte Kugel der Welt“ oder "Eine `Weltkugel´ mit `entspanntem´ Gas" lauteten 1954 die Titel in überregionalen Tageszeitungen. Auch Rundfunk und Fernsehen, in- und ausländische Illustrierte und Zeitschriften berichteten über das Kölner Pionierbauwerk.
Kölnische Rundschau vom 10.03.1954: "Neuer Kugelgasbehälter in Ehrenfeld"
„Köln erhält den größten Kugelgasbehälter der Welt, der einen Durchmesser von 34 Meter haben wird. Er wird auf dem Gelände der städtischen Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke in Ehrenfeld errichtet.“
Kölnische Rundschau vom 09.07.1954: "Eine `Weltkugel´ mit `entspanntem´ Gas"
„Sowohl der Bau der Kugel wie die Einrichtung an sich sind völlig neuartig.“
„Einige Erkenntnisse, die bei der Konstruktion des Behälters gewonnen wurden, und neue Bauverfahren sind patentfähig“.
Kölnische Rundschau September/Oktober: "Diese Baustelle ist von Geheimnissen umwittert – Zwei `Schüsse´ fehlen noch /Kugelgasbehälter in Ehrenfeld bald fertig" „Der `größte Gaskugelbehälter der Welt´, der von den städtischen Versorgungsbetrieben auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks in Ehrenfeld errichtet wird geht seiner Fertigstellung entgegen.“
Kölnische Rundschau vom 13.11.1954: "Kugelgasbehälter wird Anfang Dezember `gerichtet´"
"Eine Kugel setzt Druck noch den größten Widerstand entgegen, weshalb man nach dem Kriege auch erstmals Kugelgasbehälter entwickelt hat, nachdem das Problem auftauchte, unter Hochdruck stehendes Gas zu speichern. Köln vollbrachte in dieser Beziehung eine Art Pioniertat, indem es den
bisher größten Kugelgasbehälter der Welt baute." (Zitat KR 13.11.1954).
Kölnische Rundschau vom 08.01.1955: "Ehrenfelder Kugelgasbehälter fertiggestellt"
„Der neue Kugelgasbehälter der städtischen Gaswerke in Ehrenfeld ist fertiggestellt. Damit wurde Köln um eine technische Attraktion reicher; denn bei dem Behälter handelt es sich, wie die Rundschau schon mitteilte, um den größten Kugelgasbehälter der Welt.“ (Zitat KR 08.01.1955)
Kölnische Rundschau vom 11.01.1955: "Kölns Kugelgasbehälter `entlüftet´ und `abgestempelt´"
„Der bereits vielfach `besungene´ Kugelgasbehälter in Ehrenfeld erlebte gestern den Tag seiner offiziellen Vollendung. Und wenn man bei einem Brückenbauwerk aus solchem Anlaß eine letzte goldene Niete einzuschlagen pflegt, so ist es Brauch bei einem Behälter dieser Art (er ist mit 112 500 cbm Nutzinhalt der größte geschweißte Kugelgasbehälter der Welt), das Abnahmeschild des Technischen Überwachungsvereins in feierlicher Form abzustempeln.“
„Der Ehrenfelder Kugelgasbehälter, technische Meisterleistung der deutschen Industrie, erhielt nach der bereits vor einigen Tagen erfolgten Abnahme gestern seine letzten Hammerschläge durch Abstempelung des auf vier Kupfernieten befestigten Abnahmeschildes.“ (Zitate KR 11.01.1955)
Die vollständigen Artikel können auf Nachfrage bei Dr. Diter Brühl eingesehen werden (mit Genehmigung der Kölnischen Rundschau).
Denkmalprüfverfahren angeregt
Die Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld hatte bereits im Februar 2021 zusammen mit dem Verein Rheinische Industriekultur und anderen interessierten Bürgerinnen und Bürger die Bürgerinitiative (BI) Gaskugel Ehrenfeld ins Leben gerufen und fordert seit dem den Erhalt dieses für Köln einmaligen Bauwerkes auf dem Gelände der historischen Kölner Gasanstalt. Die BI hatte am 08.03.2021 die Prüfung des Denkmalwertes des Bauwerkes beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland und der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln angeregt. Die Bürgervereinigung hat mit eigenständigen Recherchen das Prüfverfahren beider Behörden unterstützt.
„Die Kugel war technisch damals seiner Zeit weit voraus und beispielgebend für nachfolgende kleinere Gasspeicher dieser Art. Er ist das letzte Zeugnis dieser industriegeschichtlich bedeutenden Stufe der Technikentwicklung im
linksrheinischen Köln und somit erhaltenswert aus wissenschaftlichen, besonders technikhistorischen Gründen. Durch seine Größe und Lage am viel frequentierten Maarweg und an der Eisenbahnstrecke Köln-Aachen als Teil einer internationalen Verbindung zwischen Berlin, Brüssel, Paris und London ist der Kugelgasbehälter in Ehrenfeld eine weithin sichtbare Landmarke im Stadtbild und daher von hoher städtebaulicher Bedeutung und somit von öffentlichem Interesse. Ein weiterer Grund für eine Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Köln“, sagt Prof. Walter Buschmann, Vorsitzender des Vereins Rheinische Industriekultur und renommierter Industriedenkmalpfleger.
Nachhaltige städtebauliche Planung mit Industriedenkmal inmitten eines urbanen Grüns der "Weststadt"
Die Stadt und der Großinvestor Pandion AG planen ein neues Veedel in Ehrenfeld - die von den Planer so benannte "Weststadt". Die hochtrabenden, millionenschweren Pläne negieren dabei vollkommen das Industriedenkmal Kugelgasbehälter. Als Zeichen und Ingenieurleistung ist es vergleichbar mit dem Heliosturm (Ende des 19. Jhr. erbaut). Der Heliosturm ist heute das strahlende Wahrzeichen von Ehrenfeld und nicht mehr aus dem Stadtbild unseres Veedels wegzudenken. Steht der Heliosturm für eine industriegeschichtliche Epoche der aufkommenden Elektrifizierung, steht der Ehrenfelder Kugelgasbehälter als Pionierbauwerk für einen bedeutenden technischen Innovationsschritt in der Hochdruckspeicherung von Gas zur Versorgung einer Großstadt in der Nachkriegszeit. Allein diese Tatsache müsste die politisch Verantwortlichen in dieser Stadt antreiben dieses Industriedenkmal für die Stadtgeschichte und kommende Generationen zu erhalten.
Der nun zum Industriedenkmal erklärte Kugelgasbehälter Ehrenfeld gehört zu den identitätsstiftenden und unbedingt erhaltenswerten Objekten auf dem Grundstück der ehemaligen Gasfabrik. Zusammen mit dem Max-Becker-Areal soll das Betriebsgelände der Rheinenergie AG in den kommenden Jahren stadtplanerisch neu entwickelt werden.
Städtebaulich in die Gesamtplanung von Wohnen und Frei-/Grünraum einbezogen und einer entsprechenden Umnutzung zugeführt, könnte dem Industriedenkmal als „Ehrenfelder Gasometer“ eine neue identitätsstiftende Rolle im Kölner Westen zugewiesen werden.
Zu einem neuen lebendigen Stadtteil gehört nicht nur Wohnungsbau, sondern auch Freiraum, Grünanlagen, Orte des Verweilens und des Treffens. Dies ist städtebaulich sinnvoll. Es geht darum diese Landmarke mit in den Bebauungsplan für das Areal einzubeziehen und zu überlegen, ob und wie es möglich sein könnte eine nachhaltige und vielfältige städtebauliche Planung auch mit einer Nachnutzung des Gaskugelbehälters hinzubekommen. Es liegt im gesamtstädtischen Interesse ortsbildprägende und identitätsstiftende Bauwerke - zumal als Industriedenkmal eingestuft - vor dem Rückbau zu schützen und für kommende Generationen zu erhalten.
Es gäbe vielversprechende Visionen aus dem Kugelgasbehälter im Grünen
beispielsweise einen kulturellen Ort mit Café zu schaffen, der vielleicht auch als Planetarium dienen kann, wie auch für Konzerte und kleinere Veranstaltungen. Zudem könnte am Ort durch den Gasspeicher die Geschichte der Kölner Gaswerke dokumentiert werden. Der interessierten Bürgerschaft ist bislang der Zugang zu entsprechenden Bauakten geschweige der direkte Zugang zum Denkmal verwehrt worden. Nur durch eine Machbarkeitsstudie wäre zu klären, welche Optionen für die Zukunft der Kugel möglich wären.
Doch bislang schließt die Rheinenergie eine Nachnutzung kategorisch aus. Was nicht sein darf, kann nicht sein!
Erste Konzeptideen für die Nachnutzung des Kugelgasbehälters Ehrenfeld
Erhalt des Gaskugelbehälters in Ehrenfeld im Sinne einer innovativen und zukunftsorientierten Stadtentwicklung
Das Industriedenkmal „Kugelgasbehälter“ lässt sich bei Umnutzung seines Innenraums in die stadtplanerische Entwicklung der „Weststadt“ nach Nachhaltigkeitskriterien einbeziehen.
Umnutzungsbeispiele für die „Kugel“ und erste konzeptionelle Überlegungen
Die Idee, den Gaskugelbehälter neu nutzen zu können, bietet die Chance, das Alte zu bewahren und gleichzeitig etwas Neues zu schaffen, im Sinne einer nachhaltigen Wertschöpfung zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger. Von daher wäre es von Vorteil, wenn die markante Landmarke unter Denkmalschutz stünde. Denn ein so formschönes Technik-Denkmal zu haben, ist etwas ganz Besonderes.
- Schaffung eines vitalen Wahrzeichens, als generationenübergreifender Treffpunkt im Quartier für Führungen oder vielfältige andere Veranstaltungsformate
- Planetarium zusammen mit Volkssternwarte Köln
- Ort für kulturelle Veranstaltungsformate wie beispielweise Ausstellungen, Führungen, Lesungen, Licht- und Klanginstallationen und Musik für die freie Kulturszene
Die Grundvoraussetzung ist die Kugel selbst, mit ihrer parkähnlichen Freifläche darum herum und dem alten Baumbestand. Der Gaskugelbehälter könnte einbezogen werden in die künftige Freiraum-/Grünflächenplanung des neuen Stadtquartiers der „Weststadt“.
Dass, eine solche Umnutzung möglich ist, beweist der Umbau der Solinger Gaskugel zum sogenannten „Galileum Solingen“, einem 2019 eröffneten Planetarium. Die Gaskugel in Villingen-Schwenningen wurde 2003 zum experimentellen Ort völlig neuer Klangdimensionen. Fasziniert von der einzigartigen Akustik, realisierten vier Musiker dort ein innovatives und atemberaubendes Klangerlebnis. Auch in Freiburg haben sich der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde und Kultur- und Geschichtsinteressierte zusammengetan und ein Nutzungskonzept für den dortigen Gaskugelbehälter erarbeitet.
Doch um seriös zu sein, war es erst notwendig, wie es im Innenraum aussieht und ob die Seilverspannungen verzichtbar sind. Nach Aussagen verschiedener Experten wäre dies möglich. Vieles ist noch zu prüfen, zu klären, zu entwickeln. Daher schlagen wir eine Machbarkeitsstudie vor.
Gerne bieten wir unsere Gesprächsbereitschaft an. Alle Interessierten sind eingeladen, mitzudenken, zu hinterfragen, zu planen.
Politische Beschlüsse - Bezirksvertretungen für Erhalt
Die Bezirksvertretung Ehrenfeld hatte am 13. Dezember 2021 beschlossen, die Auslobung des Städtebaulichen Wettbewerbs für das Max-Becker-Gelände so zu ändern, dass der Kugelgasbehälter als Landmarke des industriellen Erbes unabhängig vom formalen Denkmalstatus in vollem Umfang erhalten bleibt. Von den Teilnehmenden sei aufzuzeigen, wie sich dieser inklusive des ihn umgebenden Baumbestandes in die Planung einfügen lässt. Neben der städtebaulichen Einbindung sollten auch Ideen für eine Nutzungsänderung dieses besonderen Ortes skizziert werden, heißt es in dem BV-Beschluss. Die Bezirksvertretung Lindenthal fasste am 24.01.2022 den gleichen Beschluss. „Leider ist der Stadtentwicklungsausschuss auf seiner Sitzung am 10.03.2022 weder diesem innovativen Beschluss der Bezirksvertretungen Ehrenfeld und Lindenthal gefolgt, noch hat er die gutachterliche Stellungnahme des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland berücksichtigt. Angesichts dieser eindeutigen Zuerkennung des Denkmalstatus für den Kugelgasbehälter Ehrenfeld, ist eine Planung, die den Rückbau des Denkmals vorsieht, wenig zielführend und negiert nicht nur die Fachexpertise des LVR-ADR, sondern auch das berechtigte Interesse der Bürgerinnen und Bürger ein bedeutendes Industriedenkmal für die Stadtgesellschaft und ihre künftigen Generationen erhalten zu wollen. Auch in dem Siegerkonzept des kürzlich zu Ende gegangenen Städtebaulichen Wettbewerbs wird das Industriedenkmal überplant. Das ist nicht akzeptabel“, so Dieter Brühl.
Es ist schon so viel in unseren Stadtteil an geschichtlicher und industriegeschichtlicher Erinnerungskultur durch Bauvorhaben vernichtet worden. Wir müssen dieses Industriedenkmal erhalten!! Stoppt die Rheinenergie!!!
für die IG Industriedenkmal Gaskugelbehälter Köln-Ehrenfeld
Dr. Dieter Brühl, Vorsitzender der Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld von 1954 e.V.
Prof. Dr. Walter Buschmann, Verein Rheinische Industriekultur
Roland Schüler, BI Gaskugel Ehrenfeld

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Das Problem
Wir wollen das Industriedenkmal Kugelgasbehälter Köln-Ehrenfeld erhalten
Auf dem Gelände der Rheinenergie AG am Maarweg in Köln-Ehrenfeld steht ein Industriedenkmal aus dem Jahr 1954. Der Kugelgasbehälter ist ein Pionierbauwerk und bei seiner Inbetriebnahme im Januar 1955 der erste und größte geschweißte Gashochdruckkugelbehälter der Welt.
Das Industriedenkmal ist massiv bedroht durch die Rückbaupläne des Eigentümers - der Rheinenergie AG. Diese hat aus betriebswirtschaftlichen Gründen kein Interesse am Erhalt des Denkmals. Das Grundstück auf dem das Denkmal steht soll hochpreisig an einen Immobilienentwickler verkauft werden und in die städtebauliche Planung des benachbarten Max-Becker-Areals einbezogen werden. Kurzsichtiges Renditedenken lassen die Rheinenergie AG vergessen, dass es sich bei dem Denkmal um ein gemeinsames geschichtliches Erbe unserer neueren Stadtgeschichte handelt. Die Rheinenergie verleugnet ihre eigene Geschichte und innovativen Leistungen in Zeiten als die Versorgungssicherheit vieler Kölner Haushalte mit Gas eine vorrangige Stellung besaß.
Eine Initiative von interessierten Bürgerinnen und Bürgern und Experten auf dem Gebiet der Denkmalpflege und Industriearchitektur setzen sich seit März 2021 für den Erhalt dieses industrie- und ortsgeschichtlich bedeutenden Objektes ein.
Gemeinsam haben die Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld von 1954 e.V. und der Verein Rheinische Industriekultur Fakten und Dokumente gesammelt, die die Einzigartigkeit der "Ehrenfelder Kugel" eindeutig belegen.
Dieser Einschätzung folgte nach intensiver Prüfung auch das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland und stufte den Kugelgasbehälter im März 2022 als Baudenkmal ein.
„Der Kugelgasbehälter in Köln-Ehrenfeld ist einschließlich Fundament und umgebender Freifläche im beschriebenen Umfang ein Baudenkmal gemäß §2 DSchG NRW. Er ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeitsverhältnisse. Seine Erhaltung und Nutzung liegen aus wissenschaftlichen Gründen – hier: technikhistorischen und ortsgeschichtlichen Gründen – im öffentlichen Interesse“, heißt es in der gutachterlichen Stellungnahme des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland.
Wie das Gutachten darlegt, erfüllt der Kugelgasbehälter Ehrenfeld folgende wesentliche Kriterien, die den Denkmalwert begründen:
- Bedeutend für die Geschichte des Menschen
- Bedeutend für die Stadt Köln und die Ortsgeschichte
- Bedeutend für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse im Rheinland
Außerdem benennt das LVR-ADR wichtige technikgeschichtliche und ortsgeschichtliche Gründe für einen Erhalt des Industriedenkmals Kugelgasbehälter Ehrenfeld.
Das LVR-ADR-Gutachten endet mit dem Satz: „Die Stadt Köln hat nach wie vor allen Grund, mit Stolz auf diese bedeutende Technikleistung der frühen Nachkriegszeit zu blicken und den Kugelgasbehälter im Zuge der anstehenden städtebaulichen Neuordnung auf dem ehemaligen Areal der Gasanstalt Ehrenfeld gemeinsam mit den noch erhaltenen Bauten des ehemaligen städtischen Gaswerks für nachfolgende Generationen zu bewahren.“

„Wir begrüßen ausdrücklich, dass das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland nach eingehender und sorgfältiger Recherche dem Kugelgasbehälter in Ehrenfeld den Denkmalwert zuerkennt. Wir haben in Ehrenfeld nun ein neues Industriedenkmal, das es gilt zu erhalten und im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs zum Max-Becker-Areal,
ohne Wenn und Aber zu integrieren. Gründe, an denen ein berechtigtes öffentliches Interesse an der Erhaltung des Ehrenfelder Gasspeichers geltend gemacht werden können, gibt es viele. Wir können es absolut nicht nachvollziehen, dass der Stadtkonservator der Stadt Köln, Dr. Thomas Werner, bis heute ablehnt sich dieser Expertise der Oberen Denkmalbehörde anschließt und es ablehnt das Industriedenkmal Kugelgasbehälter in die Denkmalliste der Stadt Köln einzutragen. Sowohl die Stadt Köln als auch die Rheinenergie negieren die Existenz des Industriedenkmals und fördern dessen Abriss“, sagt Dr. Dieter
Brühl, Vorsitzender der Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld.
Dabei hat die Bürger*Innen-Initiative mehrmals versucht Vorschläge für eine nachhaltige Um- und Nachnutzung des Denkmals bei der Rheinenergie AG anzustoßen. Der Energiekonzern blockt aber ab. "Die Rheinenergie hat kein Interesse an dem Erhalt des Kugelgasbehälters", sagte zuletzt am 22.11.22 ein Vertreter des Unternehmens im Rahmenplanungsbeirat Braunsfeld, Müngersdorf, Ehrenfeld.
Die Rheinenergie verleumdet nicht nur den Stellenwert des Denkmals, sondern zudem Ihre eigene Geschichte und die einst gefeierte Innovation.
Erster geschweißter „Gashochdruckkugelbehälter“ der Welt - State of the art 1954.

Kugelgasbehälter im Bau 1954 /Foto: © Archiv Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld /Dr. Dieter Brühl (Abdruck, Vervielfältigung und elektronische Verarbeitung nur mit Genehmigung)
Der Gasbehälter in Ehrenfeld ist der erste geschweißte „Gashochdruckkugelbehälter“ der Welt. Die Gaskugeln zuvor
waren genietet. Also eine enormer Innovationsschritt, der sich in Ehrenfeld industriegeschichtlich manifestiert. Der Gasspeicher in Form einer Kugel wurde 1954 nach siebenmonatiger Bauzeit fertigstellt und war damals ein echtes Pionierbauwerk mit einem Durchmesser von 33,75 Metern und einem Gesamtgewicht von rund 950 Tonnen. Er ist damit sowohl technikgeschichtlich bedeutend und als auch bedeutend für die Geschichte des Menschen. Errichtet wurde der innovative Hochdruckbehälter mit einem Nutzinhalt vom 112.500 Kubikmeter seinerzeit von einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) der Stahlbaufirmen August Klönne aus Dortmund und der Pintsch-BAMAG Maschinenfabrik in Köln-Bayenthal. Für den Bau wurden eigens entwickelter Sonderstahl und eine spezielle
Schweißtechnik verwendet. Diese Arbeit stellte hohe Anforderungen an alle am Bau Beteiligten, da die Bleche mit einer Wanddicke von 28,5 mm und einem Einzelgewicht von bis zu 7300 Kilogramm genau eingepasst werden mussten. Insgesamt wurden rund 1800 Meter Schweißnähte mit Spezialelektroden, die erst nach wochenlangen Versuchen ermittelt werden konnten, hergestellt. Alle Nähte wurden nachträglich durch Wärmebehandlung entspannt und geröntgt.

Bau des Gashochdruckbehälters 1954

"Köln vollbrachte in dieser Beziehung eine Art Pioniertat, indem es den bisher größten Kugelgasbehälter der Welt baute" (Kölnische Rundschau, 13.11.1954)
„Das Wunder von Köln“ oder die „Größte Kugel der Welt steht in Köln“
Recherchen Dr. Dieter Brühl im Zeitungsarchiv der Kölnischen Rundschau
Bereits während der Bauzeit machte der neuartige Gasspeicher von sich reden. Die Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke der Stadt Köln waren sich der Bedeutung ihres bemerkenswerten Neubaus in Ehrenfeld zu jeder Zeit
vollkommen bewusst: „Eine Pionierleistung“ nannte Dr.-Ing. Richard Fischer, der damalige Direktor der GEW, den gerade in Angriff genommenen Bau des „größten Kugelgasbehälters der Welt“, wie die Tagespresse berichtete. „Die größte Kugel der Welt“ oder "Eine `Weltkugel´ mit `entspanntem´ Gas" lauteten 1954 die Titel in überregionalen Tageszeitungen. Auch Rundfunk und Fernsehen, in- und ausländische Illustrierte und Zeitschriften berichteten über das Kölner Pionierbauwerk.
Kölnische Rundschau vom 10.03.1954: "Neuer Kugelgasbehälter in Ehrenfeld"
„Köln erhält den größten Kugelgasbehälter der Welt, der einen Durchmesser von 34 Meter haben wird. Er wird auf dem Gelände der städtischen Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke in Ehrenfeld errichtet.“
Kölnische Rundschau vom 09.07.1954: "Eine `Weltkugel´ mit `entspanntem´ Gas"
„Sowohl der Bau der Kugel wie die Einrichtung an sich sind völlig neuartig.“
„Einige Erkenntnisse, die bei der Konstruktion des Behälters gewonnen wurden, und neue Bauverfahren sind patentfähig“.
Kölnische Rundschau September/Oktober: "Diese Baustelle ist von Geheimnissen umwittert – Zwei `Schüsse´ fehlen noch /Kugelgasbehälter in Ehrenfeld bald fertig" „Der `größte Gaskugelbehälter der Welt´, der von den städtischen Versorgungsbetrieben auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks in Ehrenfeld errichtet wird geht seiner Fertigstellung entgegen.“
Kölnische Rundschau vom 13.11.1954: "Kugelgasbehälter wird Anfang Dezember `gerichtet´"
"Eine Kugel setzt Druck noch den größten Widerstand entgegen, weshalb man nach dem Kriege auch erstmals Kugelgasbehälter entwickelt hat, nachdem das Problem auftauchte, unter Hochdruck stehendes Gas zu speichern. Köln vollbrachte in dieser Beziehung eine Art Pioniertat, indem es den
bisher größten Kugelgasbehälter der Welt baute." (Zitat KR 13.11.1954).
Kölnische Rundschau vom 08.01.1955: "Ehrenfelder Kugelgasbehälter fertiggestellt"
„Der neue Kugelgasbehälter der städtischen Gaswerke in Ehrenfeld ist fertiggestellt. Damit wurde Köln um eine technische Attraktion reicher; denn bei dem Behälter handelt es sich, wie die Rundschau schon mitteilte, um den größten Kugelgasbehälter der Welt.“ (Zitat KR 08.01.1955)
Kölnische Rundschau vom 11.01.1955: "Kölns Kugelgasbehälter `entlüftet´ und `abgestempelt´"
„Der bereits vielfach `besungene´ Kugelgasbehälter in Ehrenfeld erlebte gestern den Tag seiner offiziellen Vollendung. Und wenn man bei einem Brückenbauwerk aus solchem Anlaß eine letzte goldene Niete einzuschlagen pflegt, so ist es Brauch bei einem Behälter dieser Art (er ist mit 112 500 cbm Nutzinhalt der größte geschweißte Kugelgasbehälter der Welt), das Abnahmeschild des Technischen Überwachungsvereins in feierlicher Form abzustempeln.“
„Der Ehrenfelder Kugelgasbehälter, technische Meisterleistung der deutschen Industrie, erhielt nach der bereits vor einigen Tagen erfolgten Abnahme gestern seine letzten Hammerschläge durch Abstempelung des auf vier Kupfernieten befestigten Abnahmeschildes.“ (Zitate KR 11.01.1955)
Die vollständigen Artikel können auf Nachfrage bei Dr. Diter Brühl eingesehen werden (mit Genehmigung der Kölnischen Rundschau).
Denkmalprüfverfahren angeregt
Die Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld hatte bereits im Februar 2021 zusammen mit dem Verein Rheinische Industriekultur und anderen interessierten Bürgerinnen und Bürger die Bürgerinitiative (BI) Gaskugel Ehrenfeld ins Leben gerufen und fordert seit dem den Erhalt dieses für Köln einmaligen Bauwerkes auf dem Gelände der historischen Kölner Gasanstalt. Die BI hatte am 08.03.2021 die Prüfung des Denkmalwertes des Bauwerkes beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland und der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln angeregt. Die Bürgervereinigung hat mit eigenständigen Recherchen das Prüfverfahren beider Behörden unterstützt.
„Die Kugel war technisch damals seiner Zeit weit voraus und beispielgebend für nachfolgende kleinere Gasspeicher dieser Art. Er ist das letzte Zeugnis dieser industriegeschichtlich bedeutenden Stufe der Technikentwicklung im
linksrheinischen Köln und somit erhaltenswert aus wissenschaftlichen, besonders technikhistorischen Gründen. Durch seine Größe und Lage am viel frequentierten Maarweg und an der Eisenbahnstrecke Köln-Aachen als Teil einer internationalen Verbindung zwischen Berlin, Brüssel, Paris und London ist der Kugelgasbehälter in Ehrenfeld eine weithin sichtbare Landmarke im Stadtbild und daher von hoher städtebaulicher Bedeutung und somit von öffentlichem Interesse. Ein weiterer Grund für eine Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Köln“, sagt Prof. Walter Buschmann, Vorsitzender des Vereins Rheinische Industriekultur und renommierter Industriedenkmalpfleger.
Nachhaltige städtebauliche Planung mit Industriedenkmal inmitten eines urbanen Grüns der "Weststadt"
Die Stadt und der Großinvestor Pandion AG planen ein neues Veedel in Ehrenfeld - die von den Planer so benannte "Weststadt". Die hochtrabenden, millionenschweren Pläne negieren dabei vollkommen das Industriedenkmal Kugelgasbehälter. Als Zeichen und Ingenieurleistung ist es vergleichbar mit dem Heliosturm (Ende des 19. Jhr. erbaut). Der Heliosturm ist heute das strahlende Wahrzeichen von Ehrenfeld und nicht mehr aus dem Stadtbild unseres Veedels wegzudenken. Steht der Heliosturm für eine industriegeschichtliche Epoche der aufkommenden Elektrifizierung, steht der Ehrenfelder Kugelgasbehälter als Pionierbauwerk für einen bedeutenden technischen Innovationsschritt in der Hochdruckspeicherung von Gas zur Versorgung einer Großstadt in der Nachkriegszeit. Allein diese Tatsache müsste die politisch Verantwortlichen in dieser Stadt antreiben dieses Industriedenkmal für die Stadtgeschichte und kommende Generationen zu erhalten.
Der nun zum Industriedenkmal erklärte Kugelgasbehälter Ehrenfeld gehört zu den identitätsstiftenden und unbedingt erhaltenswerten Objekten auf dem Grundstück der ehemaligen Gasfabrik. Zusammen mit dem Max-Becker-Areal soll das Betriebsgelände der Rheinenergie AG in den kommenden Jahren stadtplanerisch neu entwickelt werden.
Städtebaulich in die Gesamtplanung von Wohnen und Frei-/Grünraum einbezogen und einer entsprechenden Umnutzung zugeführt, könnte dem Industriedenkmal als „Ehrenfelder Gasometer“ eine neue identitätsstiftende Rolle im Kölner Westen zugewiesen werden.
Zu einem neuen lebendigen Stadtteil gehört nicht nur Wohnungsbau, sondern auch Freiraum, Grünanlagen, Orte des Verweilens und des Treffens. Dies ist städtebaulich sinnvoll. Es geht darum diese Landmarke mit in den Bebauungsplan für das Areal einzubeziehen und zu überlegen, ob und wie es möglich sein könnte eine nachhaltige und vielfältige städtebauliche Planung auch mit einer Nachnutzung des Gaskugelbehälters hinzubekommen. Es liegt im gesamtstädtischen Interesse ortsbildprägende und identitätsstiftende Bauwerke - zumal als Industriedenkmal eingestuft - vor dem Rückbau zu schützen und für kommende Generationen zu erhalten.
Es gäbe vielversprechende Visionen aus dem Kugelgasbehälter im Grünen
beispielsweise einen kulturellen Ort mit Café zu schaffen, der vielleicht auch als Planetarium dienen kann, wie auch für Konzerte und kleinere Veranstaltungen. Zudem könnte am Ort durch den Gasspeicher die Geschichte der Kölner Gaswerke dokumentiert werden. Der interessierten Bürgerschaft ist bislang der Zugang zu entsprechenden Bauakten geschweige der direkte Zugang zum Denkmal verwehrt worden. Nur durch eine Machbarkeitsstudie wäre zu klären, welche Optionen für die Zukunft der Kugel möglich wären.
Doch bislang schließt die Rheinenergie eine Nachnutzung kategorisch aus. Was nicht sein darf, kann nicht sein!
Erste Konzeptideen für die Nachnutzung des Kugelgasbehälters Ehrenfeld
Erhalt des Gaskugelbehälters in Ehrenfeld im Sinne einer innovativen und zukunftsorientierten Stadtentwicklung
Das Industriedenkmal „Kugelgasbehälter“ lässt sich bei Umnutzung seines Innenraums in die stadtplanerische Entwicklung der „Weststadt“ nach Nachhaltigkeitskriterien einbeziehen.
Umnutzungsbeispiele für die „Kugel“ und erste konzeptionelle Überlegungen
Die Idee, den Gaskugelbehälter neu nutzen zu können, bietet die Chance, das Alte zu bewahren und gleichzeitig etwas Neues zu schaffen, im Sinne einer nachhaltigen Wertschöpfung zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger. Von daher wäre es von Vorteil, wenn die markante Landmarke unter Denkmalschutz stünde. Denn ein so formschönes Technik-Denkmal zu haben, ist etwas ganz Besonderes.
- Schaffung eines vitalen Wahrzeichens, als generationenübergreifender Treffpunkt im Quartier für Führungen oder vielfältige andere Veranstaltungsformate
- Planetarium zusammen mit Volkssternwarte Köln
- Ort für kulturelle Veranstaltungsformate wie beispielweise Ausstellungen, Führungen, Lesungen, Licht- und Klanginstallationen und Musik für die freie Kulturszene
Die Grundvoraussetzung ist die Kugel selbst, mit ihrer parkähnlichen Freifläche darum herum und dem alten Baumbestand. Der Gaskugelbehälter könnte einbezogen werden in die künftige Freiraum-/Grünflächenplanung des neuen Stadtquartiers der „Weststadt“.
Dass, eine solche Umnutzung möglich ist, beweist der Umbau der Solinger Gaskugel zum sogenannten „Galileum Solingen“, einem 2019 eröffneten Planetarium. Die Gaskugel in Villingen-Schwenningen wurde 2003 zum experimentellen Ort völlig neuer Klangdimensionen. Fasziniert von der einzigartigen Akustik, realisierten vier Musiker dort ein innovatives und atemberaubendes Klangerlebnis. Auch in Freiburg haben sich der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde und Kultur- und Geschichtsinteressierte zusammengetan und ein Nutzungskonzept für den dortigen Gaskugelbehälter erarbeitet.
Doch um seriös zu sein, war es erst notwendig, wie es im Innenraum aussieht und ob die Seilverspannungen verzichtbar sind. Nach Aussagen verschiedener Experten wäre dies möglich. Vieles ist noch zu prüfen, zu klären, zu entwickeln. Daher schlagen wir eine Machbarkeitsstudie vor.
Gerne bieten wir unsere Gesprächsbereitschaft an. Alle Interessierten sind eingeladen, mitzudenken, zu hinterfragen, zu planen.
Politische Beschlüsse - Bezirksvertretungen für Erhalt
Die Bezirksvertretung Ehrenfeld hatte am 13. Dezember 2021 beschlossen, die Auslobung des Städtebaulichen Wettbewerbs für das Max-Becker-Gelände so zu ändern, dass der Kugelgasbehälter als Landmarke des industriellen Erbes unabhängig vom formalen Denkmalstatus in vollem Umfang erhalten bleibt. Von den Teilnehmenden sei aufzuzeigen, wie sich dieser inklusive des ihn umgebenden Baumbestandes in die Planung einfügen lässt. Neben der städtebaulichen Einbindung sollten auch Ideen für eine Nutzungsänderung dieses besonderen Ortes skizziert werden, heißt es in dem BV-Beschluss. Die Bezirksvertretung Lindenthal fasste am 24.01.2022 den gleichen Beschluss. „Leider ist der Stadtentwicklungsausschuss auf seiner Sitzung am 10.03.2022 weder diesem innovativen Beschluss der Bezirksvertretungen Ehrenfeld und Lindenthal gefolgt, noch hat er die gutachterliche Stellungnahme des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland berücksichtigt. Angesichts dieser eindeutigen Zuerkennung des Denkmalstatus für den Kugelgasbehälter Ehrenfeld, ist eine Planung, die den Rückbau des Denkmals vorsieht, wenig zielführend und negiert nicht nur die Fachexpertise des LVR-ADR, sondern auch das berechtigte Interesse der Bürgerinnen und Bürger ein bedeutendes Industriedenkmal für die Stadtgesellschaft und ihre künftigen Generationen erhalten zu wollen. Auch in dem Siegerkonzept des kürzlich zu Ende gegangenen Städtebaulichen Wettbewerbs wird das Industriedenkmal überplant. Das ist nicht akzeptabel“, so Dieter Brühl.
Es ist schon so viel in unseren Stadtteil an geschichtlicher und industriegeschichtlicher Erinnerungskultur durch Bauvorhaben vernichtet worden. Wir müssen dieses Industriedenkmal erhalten!! Stoppt die Rheinenergie!!!
für die IG Industriedenkmal Gaskugelbehälter Köln-Ehrenfeld
Dr. Dieter Brühl, Vorsitzender der Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld von 1954 e.V.
Prof. Dr. Walter Buschmann, Verein Rheinische Industriekultur
Roland Schüler, BI Gaskugel Ehrenfeld

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Die Entscheidungsträger*innen

Petition am 24. November 2022 erstellt