

HOCHTAUNUS
Jeder zehnte Zug fällt aus.
Weiter Probleme bei der Taunusbahn trotz Einsatz von Diesel-Triebwagen
Etwa jeder zehnte Zug fällt aus. Das ist die durchaus ernüchternde Bilanz, nachdem seit rund einer Woche der Dieselantrieb wieder zurück ist auf der Strecke zwischen Bad Homburg und Brandoberndorf. Damit geht der Ärger für Pendler und Zugfahrer weiter.
Der Rhein-Main-Verkehrsverbund setzt beim Betrieb der Taunusbahn wieder vermehrt auf die roten Diesel-Triebwagen aus Schleswig-Holstein. Die bereits eingesetzten, neuen Wasserstoff-Züge sind anfällig für Störungen. Sie sollen vom Hersteller Alstom überholt werden. Um das zu ermöglichen, hat man Diesel-Triebwagen angemietet. Aber auch ihr Einsatz läuft zurzeit noch nicht rund. Der RMV sprach auf Anfrage von „leichten Anlaufschwierigkeiten“ bei der Verfügbarkeit der dieselbetriebenen Leihfahrzeuge. 16 hatte man bestellt. Nur acht Dieselzüge sind seit rund einer Woche auf der RB 15 von Bad Homburg nach Brandoberndorf im Einsatz. Das liege, wie ein RMV-Sprecher sagt, daran, dass das Personal für diese Züge geschult werden müsse und die Triebwagen „für die Strecke fit gemacht werden“ müssen. Wie viel Prozent der Züge auf der Taunusbahn seit etwa einer Woche über die Ausfälle hinaus verspätet waren, hat der RMV-Sprecher nicht beantwortet.
Kunden sind genervt
Ein Facebook-Nutzer und Taunusbahn-Fahrer schreibt Ende vergangener Woche im Internet: „Nun stehe ich mal wieder in Seulberg.“ Der Zug komme nicht. „Dadurch bekomme ich keinen Anschluss in Usingen und bin wieder noch zwei Stunden in der Kälte.“ Insgesamt sei er dadurch mehr als fünf Stunden unterwegs – auf einer Strecke, die an der Luftlinie gemessen 50 Kilometer lang sei. Dabei konnten sich die Taunusbahn-Fahrer seit Jahresbeginn darüber freuen, dass die Züge nach einer Pannen-Serie in den vergangenen beiden Jahren endlich zuverlässiger durch den Taunus rollten. Aber mit den Ersatzzügen hakt es erst einmal wieder. Eine Bahnfahrerin schreibt im Internet, ihre Hoffnung auf Besserung „hat sich zerschlagen“. Vom angekündigten Schienenersatzverkehr sei nichts zu sehen gewesen. „Unverschämt“, sagt sie.
Die Anlaufschwierigkeiten seien „bei solchen Projekten normal“, wie der RMV-Sprecher sagte. Mehr als 90 Prozent der vorgesehenen Fahrten hätten immerhin stattgefunden. Besonders eine Teilstrecke sorgt jedoch für Kopfschmerzen: Auf der Strecke zwischen Brandoberndorf und Grävenwiesbach komme es zu „fahrzeugbedingten Teilausfällen“. Dort fahren seit dem 3. Februar Ersatzbusse. Als Grund für die Ausfälle führt das Unternehmen zudem an, dass Fahrpersonal an Grippe erkrankt sei. Wann genau mit Besserung zu rechnen ist, beantwortete der Sprecher nicht. „Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Verfügbarkeit weiter zu verbessern.“
Dass es nun beim Betrieb der Strecke erneut zu Schwierigkeiten komme, hätte so nicht kommen müssen, schreibt der Fahrgastverband Pro Bahn. In einer Mitteilung kritisiert er den RMV scharf. Die Diesel-Triebwagen, die vor den Wasserstoffzügen im Taunus im Einsatz waren, seien „voreilig“ nach Rumänien verkauft worden. Der RMV habe den „größtmöglichen Schaden für den ÖPNV im Rhein-Main-Gebiet“ verursacht, der auf absehbare Zeit nicht mehr zu reparieren sei. Auf diese Vorwürfe entgegnete der RMV, dass die neuen Wasserstoffzüge von Seiten des Herstellers erprobt worden seien.
Sobald dem RMV Lieferschwierigkeiten und die technischen Probleme bekannt geworden seien, hätten die Verantwortlichen Ersatzkonzepte aufgestellt. „Die von Pro Bahn angesprochenen Fahrzeuge“, sagte der RMV-Sprecher, „befanden sich zum Teil im Eigentum der Hessischen Landesbahn“. Sie habe den Verkauf der Fahrzeuge geplant und umgesetzt.
Darüber hinaus seien die alten Dieselzüge aber auch „am Ende der Einsatzfähigkeit angekommen“, die Wartung und Versorgung mit Ersatzteilen „wurde immer schwieriger“. Darüber hinaus betonte der RMV-Sprecher, dass es nicht leicht gewesen sei, die 16 Züge aus Norddeutschland zu bekommen – „angesichts des bundesweit angespannten Fahrzeugmarktes“.
Bis Mitte Dezember seien sie noch in Norddeutschland im Einsatz gewesen. Die Diesel-Triebwagen sind bis Ende 2025 angemietet. Bis dahin müssen dann die Wasserstoffzüge wieder in Betrieb gehen.
Quellenangabe: Hochtaunus vom 11.02.2025, Seite 36