
Hallo liebe Leser dieses abendlichen Updates meinerseits!
Heute, am 15.10.2025 hat die Deutsche Bahn ihren Winterfahrplan 2025/26 in die Fahrplanauskunft gestellt, und... herrje wo soll ich anfangen? Es wird vielleicht wieder länger, also nehmen sie sich fürs Lesen etwas mehr Zeit und brühen sie sich vorher noch einmal eine frische Tasse Kaffee oder holen sich, so wie ich, ein leckeres Essen! Dieses Update ist Pflichtlektüre für alle, die diese Petition unterschrieben haben.
Erstmal das wichtigste: Wie bereits von mir in einer meiner letzten Berichte erklärt, bringt der wegfallende Halt in Riesa keine 30 Minuten Fahrzeitverkürzung, selbstverständlich nicht. Dies wurde auch in einem Pressestatement der Deutschen Bahn ggü. MDR / RBB falsch herübergebracht. Der Halt Riesa hat keinerlei Auswirkungen auf die Reisezeit von München nach Dresden. Dass dieses "keinerlei" wirklich berechtigt ist, musste ich am heutigen Tage von der Fahrplanauskunft erfahren.
Denn was denken sie, wie viel Fahrzeit kann zwischen Dresden und Leipzig dank des Auslassen der Nudelstadt eingespart werden? 5 Minuten? 10 Minuten? Gar 15 Minuten? Nein! Es ist noch besser. Bei den Zügen von Dresden nach Leipzig beträgt der Fahrzeitgewinn 0 (In Worten NULL, auf Englisch: Zero, auf Russisch: Ноль, usw.) Minuten. Nix, nada, niente, absolut gar nix. Was man alles in Null Minuten machen kann, ist immens. Sie können in 0 gewonnen Lebensminuten ___ oder ___.
Aber Spaß beiseite.
Egal ob man für seine Reise von Dresden Hbf nach Leipzig Hbf einen ICE mit oder ohne Halt in Riesa nimmt, oder einen IC der immer mit Halt in Riesa verkehrt, die Fahrzeit ist den gesamten Tag bei allen Zugleistungen exakt dieselbe. 1h 9 MInuten ist man zwischen beiden Bahnhöfen unterwegs. Die ICE's verlassen Dresden einheitlich zur geraden Stunde zur Minute :11, und erreichen Leipzig einheitlich in der ungeraden Stunde zur Minute :20. Der Halt in Riesa macht hier absolut keinen Unterschied, und das trotz 2 Minütigem Aufenthalt. Der InterCity 2 mit Vmax 160 ist exakt gleich schnell wie der ICE-T / ICE 1 mit Tempo 200.
In der Gegenrichtung beträgt der Fahrzeitgewinn der ICE ohne Halt gegenüber einem mit Halt etwa 1 - 2 Minuten. Wenn man bedenkt, dass im neuen Fahrplan für alle in Riesa noch haltenden Züge ein 2-Minütiger Halt geplant wird, im alten Fahrplan aber ein 1-Minütiger Halt möglich war, beträgt die effektive Fahrzeitverlängerung durch den Halt in Riesa etwa 0 - 1 Minute. Mit dieser einen Minute können sie 12-20 Atemzüge Dresdner Luft zusätzlich genießen!
Eine Besonderheit noch bei dem Intercity: Dieser braucht von Leipzig bis Riesa (d.h. in Fahrtrichtung Dresden) künftig 6 Minuten länger, was sicherlich an irgendeiner im Raum Leipzig vor dem Zug schleichende RB oder S-Bahn liegt. Was der genaue Grund dafür ist, weiß ich nicht. Diese längere Reisezeit ist aber definitiv NICHT auf Riesa zurückzuführen, siehe aktuelle Fahrzeit der IC.
Schmankerl: Das neue ICE-Zugpaar Köln - Kassel - Erfurt - Dresden und retour, welches bis September 2026 fährt, ist NICHT von der Kurzwende in Dresden Hbf betroffen und hält dennoch nicht in Riesa. Der Hammer: Dieser Zug benötigt in Richtung Dresden gegenüber den in Riesa haltenden ICE 6 Minuten LÄNGER, ggü den restlichen ICE ohne Halt sogar 8 Minuten!!! Das ergibt gar keinen Sinn mehr. Ich versuche ehrlich gesagt, irgendwie einen wirtschaftlichen Sinn darin zu sehen, aber für mich ist das vollkommen unlogisch. In der Gegenrichtung benötigt der Zug hingegen die ominösen 69 Minuten zwischen beiden Städten, ebenfalls ohne Halt.
Noch dazu kommt ein Fakt, von dem ich nicht weiß ob die Deutsche Bahn das so recht auf dem Schirm hat, oder nicht. Es geht um die RB45 Chemnitz - Riesa (- Elsterwerda). Bisher kam man aus Richtung Döbeln zur Minute :09 in Riesa an, und der ICE fuhr bereits um :01 oder :02 in Richtung Dresden weg. Fahrgäste mussten bisher auf den RE50 zur Minute :45 warten, und kamen zur darauffolgenden Stunde :33 in Dresden an. Mit dem Fahrplanwechsel kommt der Zug aus Döbeln bereits 3 Minuten früher zur Minute :06 an. Würde der ICE weiterhin in Riesa halten, würde der Zug zur Minute :11 in Richtung Dresden abfahren, wegen späteren Fahrzeiten ab Erfurt. Fahrgäste hätten einen 5-Minütigen Umstieg von RB zu ICE.
Die Fahrzeit nach Dresden von Döbeln aus, immerhin Sitz des sächsischen Landesrechnungshof und Dank Karls Erlebnis-Dorf ein bedeutender Touristenmagnet im Herzen Sachsens, würde sich nahezu Halbieren.
Von etwas über 100 auf 60 Minuten.
Damit würde man von der Fahrzeit her dem Auto echt ernstzunehmende Konkurrenz machen. Auch von Leipzig nach Zeithain, Wülknitz, Elsterwerda hätte man guten Anschluss vom ICE aus, womit sich ein bequemer Rund-Um-Anschluss ICE/RB45 ergäbe. Meine Vermutung (Achtung, wilde Spekulation): Die Bahn hat selber Anfangs noch mit allen FV-Halten in Riesa geplant, und die RB an diese bereits angepasst, dann aber irgendwann plötzlich gesagt: Nö, wir fahren durch. Sollten die ICE tatsächlich durch Riesa durchfahren, würde sie potenzielle Fahrgäste aus der Region einfach ignorieren. Damit schneidet sich die DB ins eigene Fleisch. Einerseits bettelt sie mit Super-Sparpreis Aktion, Flexpreis Young und im Sommer dem 44-Ticket, dass doch endlich Fahrgäste wieder Bock auf Fernverkehr haben, andererseits hängen sie Regionen mit durchaus Potenzial einfach ab, wie sich ja jetzt zeigt ohne ersichtlichen oder logischen Grund. Nicht einmal nennenswert betrieblich!
Zumal der Halt in Riesa der Bahn feste Einnahmen beschert. Seit 2014 finanziert der VVO den ICE-Halt mit, dafür können die Fernzüge Dresden - Riesa mit VVO-Zeitkarten und Schwerbehindertenausweise genutzt werden. Dafür zahlt sie eine Pauschale an DB Fernverkehr. Der VVO hat angekündigt, sollte das Streichkonzert tatsächlich gefahren werden, der DB entsprechend weniger zu zahlen. Sprich: Nur für die Züge zahlen, die tatsächlich Riesa ansteuern.
Das wird sicherlich für DB Fernverkehr unwirtschaftlicher sein, als zu halten. Ich wiederhole: Ich kann mir diese Entscheidung auch nach längerer Überlegung nicht erklären, außer, und das ist ja auch die Befürchtung von PRO BAHN, man will Riesa perspektivisch komplett vom Fernverkehr abkoppeln, das ist ehrlich gesagt die logischste Erklärung für mich persönlich.
Gerade in Hinblick auf den geplanten Ausbau des Knoten Riesa könnte man dann vielleicht hergehen und sagen: Hier halten doch gar keine Fernzüge mehr, da reichen normale Bahnsteiglängen für Nahverkehrsgrößen. Somit wäre Riesa dann endgültig und Dauerhaft aus allen Fernverkehrskarten der Bahn getilgt.
Das sind aber nur wilde Spekulationen meinerseits und müssen auf keinen Fall so kommen. Es kann auch sein, dass mit der ETCS-Inbetriebnahme zwischen Leckwitz und Zeithain 2028 und dem Kockolsbergtunnel (irgendwann in den 2030ern) die ICE auch wieder halten können, da man dann mit Tempo 200 auf diesem Abschnitt fahren kann.
Als leidenschaftlicher Bahnfahrer werde ich mich davor hüten, der DB nur böse Absichten zu unterstellen oder grundlos schlecht zu reden. Ich fahre sehr sehr gerne mit der Deutschen Bahn,
Deswegen setze ich mich ja auch dafür ein, dass viele Menschen von hier aus mit dem ICE umweltfreundlich zu Zielen in der gesamten Republik fahren können. Das ist mein absolutes Herzensanliegen. Ich habe in der Vergangenheit allerdings auch erleben müssen, wie der Service der Bahn schrittweise schlechter geworden ist.
Für eine Region wie Riesa ist diese Entscheidung auf jeden Fall nun noch viel bitterer und unverständlicher als sie sowieso schon war, neben dem drohenden Verlust an Lebensqualität und Attraktivität für Familien und Industrie.
Es gibt keine sachliche Begründung, warum man jetzt hergeht, und den Rotstift ansetzt, vor allem bei den Zügen gen Leipzig und Frankfurt, wo ja der Fahrzeitgewinn 0 Minuten beträgt! Eine Kurzwende wird meiner Meinung nach nicht möglich oder unmöglich wegen 1-3 Minuten. Dank Bauarbeiten in Dresden Hbf (Brückenbauwerk) kann es auch sein, dass ein superpünktlicher ICE die 3 Minuten an der Einfahrt vom Bahnhof abbummelt und damit wieder verliert.
Der wirtschaftliche Schaden für die Stadt Riesa ist auf jeden Fall um ein vielfaches Höher, als es der für die Deutsche Bahn wäre (sollte ein Schaden überhaupt vorhanden sein, was ich persönlich bezweifle, eher im Gegenteil, dank VVO-Mittel), würde der ICE weiter halten.
Und noch eine erfreuliche Nachricht zum Schluss: Ab Fahrplanwechsel können Riesaer schneller in die Lausitz und nach Polen fahren. 2x pro Tag und Richtung fahren Eurocitys von Leipzig nach Krakau bzw. Przemysl an der Ukrainischen Grenze. Neben Riesa halten die Züge in Deutschland noch in Elsterwerda, Ruhland und Hoyerswerda. Auch Breslau wird bedient. Damit fahren erstmals nach langer Zeit wieder internationale Tageszüge über Riesa. Ist für Fahrgäste nach Leipzig ein klitzekleines Trostpflaster, für Dresdner bringen diese Züge gar nix.
Abschließend: Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass ALLE ICE's weiterhin hier halten. Für die Menschen und für die Industrie in der Region.
Wir dürfen jetzt bloß nicht das Thema aus den Augen verlieren, wir müssen dieses Thema hoch halten, kontinuierlich darauf aufmerksam machen, damit die Bahn diese Entscheidung zurücknimmt. Es stehen noch ereignisreiche Wochen zu diesem Thema an.
Ich bedanke mich noch einmal ausdrücklich bei allen, die diese Petition weiterhin verbreiten. Insbesondere bei der Stadt Riesa, die ein Banner für diese Petition direkt am Bahnhof aufgehangen haben.
Viele Grüße aus Riesa
Der Initiator