"Rechtlicher Schutz vor Gewichtsdiskriminierung ist überfällig!"

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Starren – verurteilen - medizinisch falsch behandeln - beruflich benachteiligen - als Kunden ausschließen:

Jetzt auch bei H & M ausgemustert! - Das kann nicht sein!

Wer das Normalgewicht deutlich unter- oder überschreitet, dem begegnet unsere Gesellschaft in vielen Situationen diskriminierend. Angefangen bei ungefragten und meist nutzlosen Ratschlägen, über einen Schwall an Unterstellungen und herabwürdigenden Vorurteilen, bis hin zu schlechteren Karrierechancen: Der Alltag vieler Menschen, deren Gewicht den Normbereich verlassen hat, bietet viele kleine und größere Grausamkeiten. Es gilt in unserer Gesellschaft weiterhin als legitim und ist bislang auch als legal, respektvolles Verhalten gegenüber Menschen vom geforderten Körpergewicht abhängig zu machen, auf dem Arbeitsmarkt zu diskriminieren und im Gesundheitssystem die Versorgung zu erschweren. Das ist vollkommen inakzeptabel.

Die Würde des Menschen darf nicht vom aktuellen Körpergewicht abhängen!

Was sind wir für eine Gesellschaft, wenn Diskriminierung gegen eine häufig diskrimierte Gruppe nicht geahndet werden kann? Was ist es für eine Gesellschaft, wenn hochgewichtige mehr und mehr aus öffentlichen Räumen verdrängt werden?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, hochgewichtig zu sein. Ich kenne die damit einhergehenden Kämpfe. Viele Betroffene kämpfen jahrelang einen verzweifelten Kampf auch mit ihrem Gewicht. Dabei erhalten Sie außer allgegenwärtigem Druck, oftmals wenig Unterstützung.

Während offene Diskriminierungen gegenüber vielen anderen Bevölkerungsgruppen bekämpft werden, fehlt Gewichtsdiskriminierten offenbar eine Lobby. Dabei sind Vorurteile gegenüber Menschen mit hohem und niedrigem Körpergewicht in den letzten Jahren sogar größer geworden, wie uns das Ergebnis von Langzeitstudien des Projekt Implicits verschiedener internationaler Universitäten in erschreckender Weise aufzeigt. Hier zeigt sich auch: In allen gesetzlich geschützten Bereichen sind die Vorurteile in der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten gesunken - beim Gewicht sind sie allerdings gestiegen!

Für hochgewichtige Menschen hat diese Diskriminierung oft fatale Folgen

Aufgrund solcher Vorurteile (Dicke seien faul, undsizipliniert, unintelligent) entstehen auch massive Nachteile im Bereich der medizinische Versorgung. Beim Arztbesuch erleben Menschen mit Übergewicht häufig, nicht genügend ernst genommen zu werden. Immer wieder rückt alleine das Gewicht in den Fokus und gilt als Quelle allen Übels. Daher bleibt es folglich des Öfteren bei den immer gleichen Appellen, abzunehmen - zuungunsten weiterer Abklärungen und Interventionen. Insbesondere, wenn hinter dem Übergewicht ernsthafte Erkrankungen stecken, ob nun Lipödem, Essstörungen, oder Stoffwechselerkrankungen, erfolgen Diagnosen dadurch häufig erst sehr spät, die Erkrankungen schreiten fort. Es gibt zu wenig Forschung zur Behandlung solcher Erkrankungen.

Die Annahme: Aus eigener Kraft abnehmen kann doch jeder. Und wer es nicht kann, der ist eben faul und möge sich bitte nicht in der Öffentlichkeit zeigen.

Am eigenen Leib habe ich erlebt, wie unterschiedlich ich von Fremden, Kollegen und Arbeitgebern behandelt wurde, als ich viel Gewicht verlor. "Respekt!" bekam ich erst dann. Zuvor wollte mein Chef mich noch "ein paar Runden ums Gebäude jagen". Irgendwann war ich ihm dann "für meinen Geschmack ein paar Kilo zu dünn". Vor einer Einstellungsuntersuchung musste ich - wie viele Kolleg*innen - bangen, dass ich meine Arbeitsstelle antreten durfte. Das Menschen in Abhängigkeit von ihrem Körpergewicht so unterschiedlich behandelt werden, ist erschreckend! Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der der Mensch als Mensch zählt und zwar egal, bei welchem Gewicht. Deshalb setze ich mich für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung von Menschen mit "ungesundem" Körpergewicht.

Ich konnte nicht mehr zusehen, wie viele Menschen von Diskriminierungserfahrung und unterlassener ärztlicher Unterstützung leiden. Und so habe ich mit "Leichter leben mit Lipödem" ein Buch verfasst, in dem es nicht nur um medizinisch notwendige Behandlung und Hilfe zur Selbsthilfe geht. Vielmehr geht es auch um den Umgang mit Diskriminierung, den Wiederaufbau des Selbstwert, psychische Herausforderungen und um Aufklärung gegen Gewichtsdiskriminierung.

Sogar beim Schutz vor Diskriminierung werden Menschen mit hohem und niedrigem Körpergewicht diskriminiert.

Rechtlich lässt sich gegen Diskriminierung von Menschen aufgrund von Körpergewicht bislang zu wenig vorgehen. Es gibt in Deutschland zwar seit 2006 ein Antidiskriminierungsgesetz (Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)), von körperlichen Merkmalen wie Unter- oder Übergewicht ist darin aber keine Rede. Dabei ist die Gewichtsdiskriminierung laut einer Studie der DAK Krankenkasse weit verbreitet: 15 Prozent der Deutschen geben zu, dass sie den Kontakt mit dicken Menschen meiden. 

"Die Würde des Menschen ist unantastabar!" Bei Gruppen, die allerdings in besonderem Maße Diskriminierung erfahren, bietet dieser allgemeingehaltene Artikel 1 des Grundgesetzes nicht genügend Schutz.

Eine Aufnahme dieser Dimension ins Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz würde Menschen, die aufgrund von Körpermerkmalen das Gewicht betreffend diskriminiert werden, rechtliche Handhabe geben, dagegen vorzugehen und eine würdevolle Behandlung am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum auch rechtlich einzufordern.

Ich möchte mit dieser Petition einen weiteren Beitrag dazu leisten, gegen Diskriminierungen in Abhängigkeit vom Körpergewicht meine Stimme zu erheben.

Damit stehe ich nicht alleine:

Dr. Friedrich Schorb plädiert dafür, dass Diskriminierungen aufgrund von körperlichen Mermalen, mit in das Antidiskriminierungsgesetz aufzunehmen: Es ist wichtig anzuerkennen, dass Gewichtsdsikriminierug "eine Form der Diskriminierung ist, die genauso schädlich ist, die genauso falsch ist, genauso sanktionierenswert ist, wie Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, aufgrund von Religion, aufgrund sexueller Orientierung, des Geschlechts.“

(Quelle: Buten un Binnen, 4. Juni, Text von Leonard Steinbeck und Sonja Harbers)

Sebastian Bickerich von der Antidiskriminierungs-Stelle des Bundes zur aktuellen Situation:

“Nur wenn ein Übergewicht die Schwelle einer Behinderung erreicht, besteht Diskriminierungsschutz. Deshalb dürfte es für Betroffene schwer sein, unter Verweis auf das AGG gegen Bestimmungen wie im beschriebenen Hotel gerichtlich vorzugehen.” “Der Gesetzgeber sollte prüfen, ob der in Deutschland recht eng gefasste Katalog der geschützten Merkmale ausgeweitet beziehungsweise präzisiert werden sollte.”

Natalie Rosenke von der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung: „Ein rechtlicher Schutz vor Gewichtsdiskriminierung ist überfällig!“

Rosenke warnt: „Gewichtsdiskriminierung belastet dicke Menschen nicht nur in dem Moment, wo sie die Diskriminierungserfahrung machen, sondern dauerhaft. Sie vermittelt ein Gefühl der Minderwertigkeit und stellt das Recht auf die eigene Existenz infrage. Sie ist damit fruchtbarer Boden für depressive Zustände.“

(Quelle: BILD, 5. Juni, Text von René Garzke und Luisa Volkhausen)

Helfen Sie bitte mit, damit niemand mehr wegen seines oder ihres Gewichts folgenlos diskriminiert werden kann.