Professur für Latinistik vor der Streichung!

Das Problem

Professur für Latinistik vor der Streichung! Geplanter Kahlschlag am Institut für Klassische Philologie der Goethe-Universität Frankfurt

Frankfurt Classics department under threat — chair of Latin to be cut 
(English text below)

 

Die Professur für Latinistik am Institut für Klassische Philologie der Goethe-Universität soll gestrichen werden.

Die verbleibende Professur für Gräzistik soll dann beide Fächer, Latein und Griechisch, abdecken. Es soll also eine einzige Person in Frankfurt Forschung in den beiden Sprachen und Literaturen vertreten, Lehrkräfte aus- und fortbilden, Bücher schreiben, Drittmittel einwerben, interdisziplinär, international und nachhaltig arbeiten, die Selbstverwaltung des Instituts übernehmen, Kontakte zu Öffentlichkeit und Schulen halten – eine wahre Heraklesaufgabe, die zum Scheitern verurteilt sein muss.

Das Institut für Klassische Philologie hat substantielle Einsparmaßnahmen angeboten. Diese wurden abgelehnt, am Plan der Streichung der Latinistik wird festgehalten.

 

Dabei sind wir, die Studierenden der beiden Sprachen in Frankfurt, der festen Überzeugung:

Die Beschäftigung mit der Literatur der Klassischen Philologie ist auch – oder gerade – heute noch von existenzieller Bedeutung, weil man sich dabei mit grundlegenden menschlichen Problemen auseinandersetzt: Das Studium der beiden klassischen Sprachen ist ein Beitrag zum Studium des Menschlichen – und dieser darf an der Goethe-Universität nicht zum Abschuss freigegeben werden!

Die lateinische und griechische Literatur zeigt bis in die heutige Zeit große Bedeutung: Was wären Philosophie, Theater, Kunst, Literatur und Wissenschaft ohne diese beiden Kultursprachen, die unsere Gesellschaft auch heute noch prägen?

 

Die Streichungspläne sind ferner aus folgenden Gründen widersinnig:

1.     Latein und Griechisch sind kultur- und literaturgeschichtlich zwar eng miteinander verwandt, aber doch zwei verschiedene Sprachen, sogar mit verschiedenen Alphabeten. Es ist leicht ersichtlich, dass es sich dabei um unterschiedliche Fächer handelt, die unmöglich von nur einem einzigen Lehrstuhl vollumfänglich auf hohem wissenschaftlichem Niveau vertreten werden können. Institute für Klassische Philologie in Deutschland bestehen daher im Regelfall mindestens aus zwei Professuren, und nicht ohne Grund existieren der gräzistische und der latinistische Lehrstuhl in Frankfurt seit der Gründung der Goethe-Universität im Jahre 1914 nebeneinander.

 

2.     Aufgrund der höheren Nachfrage nach dem Lateinischen unter den Studierenden wird die Streichung einer Professur zwangsläufig auf eine Schwächung der Gräzistik hinauslaufen, was sich auch im nationalen Vergleich zeigt: Es gibt in Deutschland keine Universität, die nur eine Professur für Latein und Griechisch hat und gleichzeitig sowohl Griechisch- als auch Lateinstudium im selben Maße als Studienfächer anbietet. In diesen Ausnahmefällen wird z.B. auf die vollwertige Ausbildung von Griechisch-Lehrkräften verzichtet. Für Frankfurt würde dies das Ende der Klassischen Philologie bedeuten – die Goethe-Universität wäre im humanistischen Sinne keine Volluniversität mehr. Insbesondere hat dies gravierende Auswirkungen für die Qualität des Studiums in jedem der beiden Fächer zur Folge.

 

3.     Der Plan hat schwerwiegende Folgen für die Ausbildung von Studierenden des Griechischen und Lateinischen: Die Qualität der Ausbildung und damit die Attraktivität des Studienstandorts Frankfurt wird durch den Wegfall einer Professur enorm leiden. Eine so enge Vernetzung von Forschung und Lehre wie bisher wird nicht mehr stattfinden können, die Möglichkeiten zur Promotion werden stark eingeschränkt und die herausragende Vernetzung der Altertumswissenschaften an der Goethe-Universität wird zerschlagen. 
Hinzu kommt eine herbe Schwächung des für die Repräsentation der Alten Sprachen an den Schulen so wichtigen Standorts Frankfurt: In ganz Hessen ist das Schulamt Frankfurt das einzige, das das Referendariat (Vorbereitungsdienst) im Fach Griechisch ermöglicht. In Frankfurt sind außerdem zwei altsprachliche Gymnasien ansässig, mit denen das Institut für Klassische Philologie (insbesondere in gräzistischen Projekten) Kooperationen pflegt; davon profitieren sowohl Schülerinnen und Schüler, als auch Studierende. Bei einer Schwächung der Gräzistik ist zu erwarten, dass auch Lehramtsstudierende sich nicht mehr für ein Studium an der Goethe-Universität entscheiden. Positiv formuliert: Eine Erhaltung der Professur bedeutet also gleichzeitig die Förderung der Ausbildung von Lehrkräften in Hessen.

Die Streichung einer der nur zwei Professuren an unserem Institut ist folglich auch nicht mit den von der neuen hessischen Landesregierung formulierten Zielen in Einklang zu bringen, die sich der Förderung und Unterstützung der Alten Sprachen verschrieben hat:

„Im Herzen von Europa wollen wir Schulen ermutigen und besonders fördern, die sich der europäischen Mehrsprachigkeit – einschließlich der alten europäischen Kultursprachen Latein und Griechisch – widmen.“ (Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD für die 21. Legislaturperiode 2024 – 2029, S. 15)

 

Wir können und möchten nicht tatenlos zusehen, wie unsere Studienfächer für wertlos erklärt werden, unser Institut radikal geschwächt und durch diese Streichung de facto zerstört wird!

Daher bitten wir Sie aus voller Überzeugung, dass unsere Sache wichtig ist, um Hilfe. Unterstützen Sie uns durch Ihre Unterschrift in unserem Appell an die Universitätsleitung, den zweiten Lehrstuhl am Institut für Klassische Philologie der Goethe-Universität zu erhalten!

 

Die studentische Fachgruppe des Instituts für Klassische Philologie der Goethe-Universität

 

Kontakt: Helena Gerl
fachgruppe.klassphil@gmail.com

 

We, the representatives of the students of Classics at Goethe-Universität Frankfurt, are addressing you with a plea to help our Classics department, a small department at one of the largest universities in Germany.

Goethe University serves a major city with two traditional humanist Gymnasia; since its foundation in 1914, it has had two chairs of Classics, one in Latin and one in Greek (as is common in German universities), held by professors such as Hans v. Arnim, Walter Otto, and Karl Reinhardt. Now the board of Deans of the larger Faculty of Cultures, Languages, and Art has decided to cut one of the chairs, arguing that the two subjects should be served by one professorship representing both subjects. In the past, similar cuts have led to the demise of Greek. This cut, if effected, might encourage Faculties and university Presidents across Germany to cut one of their Classics chairs, even in departments where there are only two, weakening Greek and Classics across the country.
The board of Deans argues that substantial cuts across the Faculty are necessary, as government funding does not cover the rising costs (there are no tuition fees); however, while the Department of Classics has offered to cut positions of lecturers and junior researchers of equal value, proving that the curriculum could nevertheless be upheld, the Deans have refused to respond adequately to the department's proposals. They are planning to pass a bill containing this cut, among others, in a Faculty Council meeting on 17 April 2024; if it were to pass in the Faculty Council, the bill would be presented to the Senate and the President, at which point single measures could probably no longer be changed.

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Helena GerlPetitionsstarter*in

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Professur für Latinistik vor der Streichung! Geplanter Kahlschlag am Institut für Klassische Philologie der Goethe-Universität Frankfurt

Frankfurt Classics department under threat — chair of Latin to be cut 
(English text below)

 

Die Professur für Latinistik am Institut für Klassische Philologie der Goethe-Universität soll gestrichen werden.

Die verbleibende Professur für Gräzistik soll dann beide Fächer, Latein und Griechisch, abdecken. Es soll also eine einzige Person in Frankfurt Forschung in den beiden Sprachen und Literaturen vertreten, Lehrkräfte aus- und fortbilden, Bücher schreiben, Drittmittel einwerben, interdisziplinär, international und nachhaltig arbeiten, die Selbstverwaltung des Instituts übernehmen, Kontakte zu Öffentlichkeit und Schulen halten – eine wahre Heraklesaufgabe, die zum Scheitern verurteilt sein muss.

Das Institut für Klassische Philologie hat substantielle Einsparmaßnahmen angeboten. Diese wurden abgelehnt, am Plan der Streichung der Latinistik wird festgehalten.

 

Dabei sind wir, die Studierenden der beiden Sprachen in Frankfurt, der festen Überzeugung:

Die Beschäftigung mit der Literatur der Klassischen Philologie ist auch – oder gerade – heute noch von existenzieller Bedeutung, weil man sich dabei mit grundlegenden menschlichen Problemen auseinandersetzt: Das Studium der beiden klassischen Sprachen ist ein Beitrag zum Studium des Menschlichen – und dieser darf an der Goethe-Universität nicht zum Abschuss freigegeben werden!

Die lateinische und griechische Literatur zeigt bis in die heutige Zeit große Bedeutung: Was wären Philosophie, Theater, Kunst, Literatur und Wissenschaft ohne diese beiden Kultursprachen, die unsere Gesellschaft auch heute noch prägen?

 

Die Streichungspläne sind ferner aus folgenden Gründen widersinnig:

1.     Latein und Griechisch sind kultur- und literaturgeschichtlich zwar eng miteinander verwandt, aber doch zwei verschiedene Sprachen, sogar mit verschiedenen Alphabeten. Es ist leicht ersichtlich, dass es sich dabei um unterschiedliche Fächer handelt, die unmöglich von nur einem einzigen Lehrstuhl vollumfänglich auf hohem wissenschaftlichem Niveau vertreten werden können. Institute für Klassische Philologie in Deutschland bestehen daher im Regelfall mindestens aus zwei Professuren, und nicht ohne Grund existieren der gräzistische und der latinistische Lehrstuhl in Frankfurt seit der Gründung der Goethe-Universität im Jahre 1914 nebeneinander.

 

2.     Aufgrund der höheren Nachfrage nach dem Lateinischen unter den Studierenden wird die Streichung einer Professur zwangsläufig auf eine Schwächung der Gräzistik hinauslaufen, was sich auch im nationalen Vergleich zeigt: Es gibt in Deutschland keine Universität, die nur eine Professur für Latein und Griechisch hat und gleichzeitig sowohl Griechisch- als auch Lateinstudium im selben Maße als Studienfächer anbietet. In diesen Ausnahmefällen wird z.B. auf die vollwertige Ausbildung von Griechisch-Lehrkräften verzichtet. Für Frankfurt würde dies das Ende der Klassischen Philologie bedeuten – die Goethe-Universität wäre im humanistischen Sinne keine Volluniversität mehr. Insbesondere hat dies gravierende Auswirkungen für die Qualität des Studiums in jedem der beiden Fächer zur Folge.

 

3.     Der Plan hat schwerwiegende Folgen für die Ausbildung von Studierenden des Griechischen und Lateinischen: Die Qualität der Ausbildung und damit die Attraktivität des Studienstandorts Frankfurt wird durch den Wegfall einer Professur enorm leiden. Eine so enge Vernetzung von Forschung und Lehre wie bisher wird nicht mehr stattfinden können, die Möglichkeiten zur Promotion werden stark eingeschränkt und die herausragende Vernetzung der Altertumswissenschaften an der Goethe-Universität wird zerschlagen. 
Hinzu kommt eine herbe Schwächung des für die Repräsentation der Alten Sprachen an den Schulen so wichtigen Standorts Frankfurt: In ganz Hessen ist das Schulamt Frankfurt das einzige, das das Referendariat (Vorbereitungsdienst) im Fach Griechisch ermöglicht. In Frankfurt sind außerdem zwei altsprachliche Gymnasien ansässig, mit denen das Institut für Klassische Philologie (insbesondere in gräzistischen Projekten) Kooperationen pflegt; davon profitieren sowohl Schülerinnen und Schüler, als auch Studierende. Bei einer Schwächung der Gräzistik ist zu erwarten, dass auch Lehramtsstudierende sich nicht mehr für ein Studium an der Goethe-Universität entscheiden. Positiv formuliert: Eine Erhaltung der Professur bedeutet also gleichzeitig die Förderung der Ausbildung von Lehrkräften in Hessen.

Die Streichung einer der nur zwei Professuren an unserem Institut ist folglich auch nicht mit den von der neuen hessischen Landesregierung formulierten Zielen in Einklang zu bringen, die sich der Förderung und Unterstützung der Alten Sprachen verschrieben hat:

„Im Herzen von Europa wollen wir Schulen ermutigen und besonders fördern, die sich der europäischen Mehrsprachigkeit – einschließlich der alten europäischen Kultursprachen Latein und Griechisch – widmen.“ (Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD für die 21. Legislaturperiode 2024 – 2029, S. 15)

 

Wir können und möchten nicht tatenlos zusehen, wie unsere Studienfächer für wertlos erklärt werden, unser Institut radikal geschwächt und durch diese Streichung de facto zerstört wird!

Daher bitten wir Sie aus voller Überzeugung, dass unsere Sache wichtig ist, um Hilfe. Unterstützen Sie uns durch Ihre Unterschrift in unserem Appell an die Universitätsleitung, den zweiten Lehrstuhl am Institut für Klassische Philologie der Goethe-Universität zu erhalten!

 

Die studentische Fachgruppe des Instituts für Klassische Philologie der Goethe-Universität

 

Kontakt: Helena Gerl
fachgruppe.klassphil@gmail.com

 

We, the representatives of the students of Classics at Goethe-Universität Frankfurt, are addressing you with a plea to help our Classics department, a small department at one of the largest universities in Germany.

Goethe University serves a major city with two traditional humanist Gymnasia; since its foundation in 1914, it has had two chairs of Classics, one in Latin and one in Greek (as is common in German universities), held by professors such as Hans v. Arnim, Walter Otto, and Karl Reinhardt. Now the board of Deans of the larger Faculty of Cultures, Languages, and Art has decided to cut one of the chairs, arguing that the two subjects should be served by one professorship representing both subjects. In the past, similar cuts have led to the demise of Greek. This cut, if effected, might encourage Faculties and university Presidents across Germany to cut one of their Classics chairs, even in departments where there are only two, weakening Greek and Classics across the country.
The board of Deans argues that substantial cuts across the Faculty are necessary, as government funding does not cover the rising costs (there are no tuition fees); however, while the Department of Classics has offered to cut positions of lecturers and junior researchers of equal value, proving that the curriculum could nevertheless be upheld, the Deans have refused to respond adequately to the department's proposals. They are planning to pass a bill containing this cut, among others, in a Faculty Council meeting on 17 April 2024; if it were to pass in the Faculty Council, the bill would be presented to the Senate and the President, at which point single measures could probably no longer be changed.

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Petition am 16. März 2024 erstellt