
Bischof Kramer ruft zur Umsiedlung von Judensau auf
Landesbischof über antisemitische Kirchenplastik
"Judenhass ist Gotteshass"
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Von der Stadtkirche in Wittenberg soll die "Judensau" verschwinden. Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, hat eine weitere Idee. Von Timo Lehmann (Protokoll)
15. November 2019
Mir gefällt der Begriff 'Judensau' nicht, ich nenne die Plastik lieber 'Luthersau'. Das macht die Beschimpfung der Juden durch Luther sofort deutlich und beschreibt das Einmalige der Wittenberger Darstellung. In der DDR hatte die Junge Gemeinde 1983 erstmals die Abnahme gefordert, ich fand das richtig, ich komme selbst aus Wittenberg. Es war eine fromme Gemeinde, und so war auch das Motiv: Ein Christ darf niemanden beschimpfen. Die Stadtkirchengemeinde entschied anders, unterhalb der Sau wurde ein Mahnmal in den Boden gesetzt. Es war eine dialektische Lösung, die These hieß: Die Sau bleibt dran. Und die Antithese: Wir zeigen unsere Schuld und die dunkle Geschichte. Die Synthese findet im Kopf statt: Was bedeutet das heute? So klug das damals war, heute funktioniert es nicht mehr. Ich bin deshalb dafür, die Schandplastik abzunehmen und sie direkt am Ort in einem erweiterten Denkmal auszustellen.