Petition updateSCHÜTZT UNSERE KINDER - stoppt das GänsereitenDie "traditionelle" Fastenzeit!
Sandra LückSoest, Germany
Mar 29, 2015
Wunderbarer Bericht im MUT-Magazin! https://www.tierschutzpartei.de/wp-content/uploads/2014/04/mut-magazin-ausgabe46.compressed.pdf Bestimmt werden sich die traditionsbewussten Gänsereiter auch an die traditionelle Fastenzeit halten, oder? Hier kann man per Mail beim Sevinghauser Gänsereiterverein mal anfragen: berndwzo@versanet.de Es gibt Traditionen, die liebens- und erhaltenswert sind. Das Wattenscheider Gänsereiten am Rosenmontag gehört definitiv nicht dazu. Eingeführt im 16. Jahrhundert von spanischen Landsknechten als Geschicklichkeitsübung, ist es das Ziel, vom galoppierenden Pferd aus einer Gans den Kopf abzureißen. Seit 1806 ist es auf Grund einer "landesherrlichen Verordnung" verboten, hierfür eine lebende Gans zu missbrauchen. Von da an wurde die Gans vorher getötet und landet auch heute noch später auf dem Teller. Viele Gänsereitervereine sind mittlerweile dazu übergegangen, die Tiere durch Attrappen zu ersetzen. In Sevinghausen und Höntrop jedoch ist man nicht Willens, vom alten Brauchtum abzulassen. Sowohl das Reiten als auch das Abreißen des Kopfes, also das Ausbeuten und Ermorden von Lebewesen, werden als Karnevalsbrauchtum und spannendes Spektakel dargestellt. Sandra Lück, Mitglied der Partei Mensch Umwelt Tierschutz und des Vereins "Animal Peace", versucht schon seit Jahren, gegen dieses Ereignis vorzugehen. In diesem Jahr startete sie eine Online-Petition, bei der sich innerhalb eines Monats 57.000 Menschen gegen diese Form von Brauchtum aussprachen. Damit erregte sie auch die Aufmerksamkeit der Medien, und in zahlreichen Artikeln und TV-Sendungen wurde ihr Anliegen thematisiert. Am Rosenmontag demonstrierte sie so denn auch mit 70 Gleichgesinnten auf dem Gelände, auf dem das Kriegsspiel stattfand. Neben Mitgliedern der Partei Mensch Umwelt Tierschutz und "Animal Peace" waren auch die "Tierbefreier Bochum" und die Organisation "Aktion Fair Play" vor Ort. Die Tierrechtsaktivisten mussten sich einige Pöbeleien gefallen lassen, was sie aber nicht abhielt, auf die Situation aufmerksam zu machen. Die Hauptsorge Sandra Lücks gilt den Kindern, die alljährlich Zeugen der gewaltsamen Szenen werden: "Gewalttaten gegenüber Tieren werden schon seit langem als Indikatoren für eine Erkrankung der Psyche angesehen, die nicht auf Tiere beschränkt sind." "Für jeden, der sich einmal daran gewöhnt hat, das Leben irgendeines Lebewesens als lebensunwürdig anzusehen, besteht die Gefahr, dass er eines Tages auch zu dem Schluss kommt, menschliches Leben sei wertlos", zitiert sie in ihrer Petition den Humanisten Albert Schweitzer. Das Gänsereiten ist als abstumpfendes und brutales Kriegsspiel eingeführt worden, und genau diesen Charakter besitzt es noch immer. Misshandlung der Tiere ist nur ein erster Schritt, amerikanische Studien zur Entstehung von Gewaltstrukturen bei Jugendlichen haben belegt, dass der rücksichtslose Umgang mit Tieren oft auch den rücksichtslosen Umgang mit anderen, schwächeren Menschen zur Folge hatte. Versuche, mit der Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz in Kontakt zu treten, scheitern schon seit Jahren und resultierten lediglich in einigen Standard-Antworten mit identischem Wortlaut. Aus diesem Grund stellte Sandra Lück Strafanzeige gegen das Ordnungsamt Bochum als genehmigende Behörde "wegen Vorwürfen der Verstöße gegen das TierSchG gemäß Art.20a des GG und gemäss §17 TierSchG, sowie Vorwurfes des Verstoßes gegen §131 StGB". Ob dieser Anzeige nachgegangen wird, ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht bekannt. Die Stadt Bochum sieht nach wie vor keinen Handlungsbedarf. "Es gibt keine Anhaltspunkte, die ein behördliches Einschreiten rechtfertigen würden", so Sprecher Thomas Sprenger. Regelmäßig würde kontrolliert, ob der Karnevalsbrauch gegen die Lebensmittelhygiene oder den Tierschutz verstoße. Mittlerweile wurde auch Ministerpräsidentin NRW Hannelore Kraft auf den Plan gerufen und der tierschutzspolitische Sprecher der Regierung Martin Sebastian Abel zu einer offiziellen Stellungnahme aufgefordert. Vom Umweltministerium NRW erging daraufhin ein Appell an die beiden Gänsereitervereine "Gänsereiterclub Sevinghausen 1598 e. V." und "Gänsereiter-Club Höntrop von 1598 e. V.", künftig auf Tiere zu verzichten und Attrappen zu verwenden. Martin Sebastian Abel richtete von seiner Facebook-Seite aus ebenfalls einen Appell an die Verantwortlichen. Da weder die Stadt Bochum noch das Land NRW eine Handhabe sehen, ein Verbot durchzusetzen, sondern vielmehr wie schon seit 20 Jahren auf die Freiwilligkeit der Vereine setzt, hat Sandra Lück eine Petition an den Landtag von NRW gerichtet. Darin führt sie an: "Da die Genehmigung einer solchen 'Tradition' mit dem Staatsziel Tierschutz, welches 2002 in das Grundgesetz implementiert wurde und somit Art.20a besagt: 'Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.' nicht konform geht, scheint hier eine Gesetzeslücke vorzuliegen. Trotz der Verantwortung des Staates für die künftigen Generationen findet sich kein Gesetz, welches dafür Sorge trägt, dass unsere Kinder nicht einer derart verantwortungs- und würdelosen, brutalen und blutigen Darstellung ausgesetzt werden." Frau Lück fordert daher, "sich umgehend mit einem Gesetzesentwurf zu befassen, welcher die Behandlung (toter) Tiere durch öffentliche und nicht öffentliche Darstellung in Anwesenheit von Kindern reglementiert, um zu gewährleisten, dass die künftigen Generationen gesetzestreu und werteorientiert aufwachsen und unsere Kinder zusätzlich vor solch brutalen Eindrücken schützen, wie die Bilder des reißenden Gewebes beim Gänseköpfen!" Der Rosenmontag ist vergangen und wir befinden uns nun in der Fastenzeit. Traditionell soll in dieser Zeit auf Fleisch, Milchprodukte, Alkohol und Eier verzichtet und nur eine Mahlzeit pro Tag zu sich genommen werden. Ob sich die traditionsbewussten Wattenscheider wohl daran halten?
Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X