Offener Brief der Hamburger Eissportler und Eissportlerinnen

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Das Anliegen

Sehr geehrter Herr Senator Grote,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind Eissportlerinnen und Eissportler bzw. deren Eltern in Hamburg. Wir wenden uns vereinsübergreifend an Sie, weil die aktuelle Situation der Hamburger Eissportstätten den Trainings- und Wettkampfbetrieb massiv beeinträchtigt und insbesondere den Nachwuchssport vor erhebliche Probleme stellt.

Seit dem Ausfall der Eisbahn in Stellingen steht dem Hamburger Eissport faktisch nur noch eine reguläre Eissporthalle zur Verfügung. Die in der vergangenen Saison eingesetzte mobile Eishalle sollte zumindest während der kalten Jahreszeit zusätzliche Trainingsmöglichkeiten schaffen. Wie der Hamburger Eis- und Rollhockeyverband in seinem Schreiben vom 8. Oktober 2026 mitgeteilt hat, konnte die zugesagte mobile Lösung für die Saison 2026/2027 jedoch nicht realisiert werden, weil sich kein Generalunternehmer auf die Ausschreibung beworben hat.

Die Folgen tragen nun vor allem die Sportlerinnen und Sportler: Trainingszeiten werden erheblich reduziert, Einheiten fallen vollständig aus und die verbleibenden Eiszeiten müssen von den Hamburger Vereinen gemeinsam genutzt werden. Das bedeutet weniger Trainingsmöglichkeiten, erschwerte sportliche Entwicklung und eine erhebliche zusätzliche Belastung für die Sportler:innen, ihre Familien und die Vereine und deren hauptamtliche wie ehrenamtliche Mitarbeitende.

Uns ist bewusst, dass die sichere und wirtschaftliche Bereitstellung von Eissportstätten anspruchsvoll ist. Ebenso ist uns bewusst, dass sich die aktuelle Situation nicht kurzfristig vollständig beheben lässt. Wir erwarten aber, dass alle verfügbaren Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Folgen für den organisierten Eissport so gering wie möglich zu halten.

Wir fordern die Verantwortlichen deshalb auf, unverzüglich konkrete Maßnahmen zu ergreifen:

1. Vorrang für den organisierten Hamburger Eissport

Solange die verfügbaren Eisflächen nicht ausreichen, um den regulären Bedarf der Hamburger Eissportvereine zu decken, sollten öffentliche Laufzeiten und sonstige frei verfügbare Nutzungen so weit wie praktisch und rechtlich möglich eingeschränkt werden. Die dadurch verfügbaren Kapazitäten sollten vorrangig dem organisierten Vereins- und Nachwuchssport zugutekommen.

2. Prüfung sämtlicher zusätzlicher Trainingsmöglichkeiten

Wir fordern die zuständigen Stellen auf, kurzfristig zu prüfen, welche zusätzlichen Eisflächen und Trainingsmöglichkeiten erschlossen werden können. 

Dazu gehören insbesondere:

  • die Prüfung, ob die Eisfläche in Planten un Blomen zumindest teilweise für ergänzendes Techniktraining oder andere geeignete Trainingsformate genutzt werden kann;
  • die Ermittlung verfügbarer Eiszeiten in der Metropolregion Hamburg und im weiteren Umland, einschließlich der Möglichkeit, diese Flächen für Hamburger Vereine anzumieten und die Nutzung finanziell oder organisatorisch zu unterstützen;
  • die Prüfung weiterer geeigneter Übergangslösungen, um den Ausfall der zusätzlichen Eisfläche wenigstens teilweise zu kompensieren.
  • Prüfung, ob zusätzliche mobile Umkleidemöglichkeiten für die Halle  in Farmsen bereitgestellt werden können, um die zusätzlich angespannte Kabinensituation zu entzerren. 

Uns ist bewusst, dass nicht jede Eisfläche für jede Sportart und jedes Trainingsformat geeignet ist. Gerade deshalb erwarten wir - in Abstimmung mit den Vereinen - eine aktive, koordinierte Suche nach praktikablen Lösungen anstelle einer bloßen Verwaltung des Mangels.

3. Frühzeitige und verbindliche Vorbereitung einer mobilen Eishalle für die nächste Saison

Die Planungen für eine mobile Eishalle dürfen nicht erneut so spät beginnen, dass die rechtzeitige Bereitstellung gefährdet wird. Wir fordern deshalb, die erforderlichen Vergabe- und Beschaffungsverfahren unverzüglich einzuleiten und den Zeitplan konsequent auf eine rechtzeitige Inbetriebnahme zur nächsten Saison auszurichten.

Sollte sich ein geeignetes Unternehmen erneut nicht finden, müssen frühzeitig Alternativen geprüft werden. Dazu gehören insbesondere die Überprüfung der Ausschreibungsbedingungen, der Finanzierung, der Vertragsgestaltung und möglicher anderer Realisierungsmodelle.

Die Stadt sollte außerdem transparent darlegen, welche Ursachen dazu geführt haben, dass sich auf die bisherige Ausschreibung kein Generalunternehmer beworben hat, und welche Konsequenzen daraus gezogen werden.

4. Eine tragfähige Perspektive für den Hamburger Eissport

Der Ausfall der Eisbahn in Stellingen ist kein kurzfristiges Einzelproblem mehr. Nach den bisherigen Informationen wird der Rückbau der Dachkonstruktion vorbereitet; eine dauerhafte Lösung wird noch Zeit benötigen. Umso wichtiger ist eine verbindliche Perspektive für die kommenden Jahre.

Wir erwarten daher einen nachvollziehbaren Zeit- und Maßnahmenplan, der sowohl die Übergangslösung für die kommende Saison als auch die nachhaltige Wiederherstellung ausreichender Eissportkapazitäten umfasst. Dieser Plan sollte klare Zuständigkeiten, Meilensteine und regelmäßige Informationen an die Vereine enthalten.

Eissport ist mehr als eine Freizeitbeschäftigung.

Die Vereine leisten wichtige Arbeit in der Kinder- und Jugendentwicklung. Sie vermitteln Teamgeist, Fairness, Verantwortungsbewusstsein und Durchhaltevermögen. Trainerinnen, Trainer und zahlreiche ehrenamtliche Helfer investieren viel Zeit, um Kindern und Jugendlichen diesen Sport zu ermöglichen.

Es kann nicht im Interesse Hamburgs liegen, dass diese Arbeit durch dauerhaft unzureichende Trainingsbedingungen erschwert wird und Familien deshalb womöglich dem Eissport den Rücken kehren. Wer den Vereinssport fördern möchte, muss auch die dafür notwendige Infrastruktur sichern.

Wir fordern keine unrealistischen Sofortlösungen. Wir fordern, dass die Verantwortlichen die bestehenden Möglichkeiten konsequent nutzen, zusätzliche Kapazitäten ernsthaft prüfen und die notwendigen Entscheidungen für die Zukunft frühzeitig treffen.

Wir bitten Sie deshalb um eine Stellungnahme zu den genannten Punkten sowie um eine konkrete Darstellung der vorgesehenen Maßnahmen und ihres jeweiligen Zeitplans.

Dieser Brief wird von Eissportlerinnen und Eissportlern und deren Eltern, unabhängig ihrer Vereinszugehörigkeit getragen. Uns verbindet nicht die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Verein, sondern die Sorge um die sportlichen Perspektiven von uns, unserer Kinder und um die Zukunft des Eissports in Hamburg.

Wir und unsere Vereine, sind bereit, konstruktiv an Lösungen mitzuwirken. Jetzt erwarten wir, dass auch die zuständigen Stellen Verantwortung übernehmen und handeln.

Mit freundlichen Grüßen

Die unterzeichnenden Eissportlerinnen und Eissportler sowie die Eltern von Kindern und Jugendlichen im Hamburger Eissport.

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Moritz Schmidt-ColbergPetitionsstarterin/Petitionsstarter

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