

Offener Brief an NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen


Offener Brief an NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen
Das Problem
Sehr geehrte Frau Ministerin Gorißen,
Ihre jüngsten Aussagen über Mountainbikerinnen und Mountainbiker im Wald haben viele von uns irritiert — nicht, weil wir uns gegen Kritik wehren wollen, sondern weil Ihre Worte ein verzerrtes Bild zeichnen, das einer sachlichen Auseinandersetzung im Weg steht.
Sie sagten: „Zum Beispiel rasen Mountainbike-Fahrende zunehmend ohne Rücksicht auf Verluste quer durch die Wälder. (…) Der Wald könne es nicht ertragen, wenn der Mensch dort Rennstrecken baue und die Rinden alter Bäume abreiße.“ [1]
Medial hat das für Schlagzeilen gesorgt, in denen von “Chaoten” und “Hooligans” die Rede ist - mit Bild eines Mountainbikers, der das Feindbild symbolisiert.
Die Gruppe der Mountainbiker in NRW wird immer größer und deren Interesse am Wald steht nicht im Widerspruch zum Naturschutz.
Im Gegenteil: Viele Mountainbikerinnen und Mountainbiker pflegen ein sehr bewusstes Verhältnis zur Natur, nicht zuletzt, weil sie selbst vom Zustand der Wälder abhängig sind. Beispielsweise engagieren sie sich bei Müllsammel- oder Aufforstungsaktionen und anderen Events mit gesellschaftlichen Mehrwert. [2] Einige von uns sind selbst Förster, Jäger, Baumpfleger oder in anderen waldnahen Berufen tätig – oft ist gerade diese berufliche Nähe zum Wald der Ursprung unserer Leidenschaft für den Sport. Umso unverständlicher ist es, wenn mit pauschalen Aussagen ein Klima erzeugt wird, in dem einzelne Forstbedienstete jede Fahrerin und jeden Fahrer grundsätzlich als Störfaktor betrachten. Diese Voreingenommenheit erleben viele von uns im Alltag — und sie hilft weder dem Miteinander noch dem Wald.
Gleichzeitig muss man die Frage stellen, welche Dringlichkeit in Ihrer Kritik wirklich steckt. Wenn einzelne Personen Rinde beschädigen, ist das selbstverständlich nicht wünschenswert. Aber vor welchen Herausforderungen steht unser Wald denn tatsächlich?
Wir erleben in NRW:
- Monokulturen, die dem Klima nicht mehr gewachsen sind,
- massiven Borkenkäferbefall,
- jahrelange Trockenheit,
- großflächige Fichtensterben,
- und eine überlastete Forstwirtschaft, die versucht, diese Aufgaben überhaupt noch zu bewältigen
Angesichts dieser existenziellen Probleme entsteht der Eindruck, Mountainbiker würden hier zu einem Symbolproblem stilisiert — ein Problem, das im Verhältnis zu den realen ökologischen Belastungen des Waldes verschwindend gering ist. Wenn politische Debatten von solchen Nebenschauplätzen dominiert werden, verlieren wir wertvolle Zeit, die wir eigentlich in echte Lösungen investieren sollten: klimaresiliente Mischwälder, nachhaltige Bewirtschaftung, bessere Finanzierung der Forstbetriebe und breite Umweltbildung.
Der Wald braucht Schutz — darüber herrscht Einigkeit. Aber wer Verantwortung ernst nimmt, muss auch Prioritäten richtig setzen. Ein gelegentlich abgerissener Streifen Rinde mag unschön sein; ein kollabierendes Waldökosystem ist eine Katastrophe.
Ich würde mir wünschen, dass Sie Mountainbikerinnen und Mountainbiker nicht als Gegner adressieren, sondern als Menschen, die ein großes Interesse an einem gesunden Wald haben. Ein echtes Miteinander zwischen Forst, Politik, Kommunen, Naturschutz und der wachsenden Mountainbike-Community. Offizielle, nachhaltig geplante Trails entlasten sensible Bereiche. Transparente Kommunikation schafft Verständnis. Gemeinsame Konzepte verhindern Konflikte, bevor sie entstehen. Was wir brauchen, ist Kooperation statt pauschaler Vorwürfe, Dialog statt Polarisierung und ein Blick auf die wahren Herausforderungen, die unsere Wälder bedrohen.
Mit freundlichen Grüßen
ein Mountainbiker aus Nordrhein-Westfalen
[2] https://deadpedalssociety.de/events-list
4.423
Das Problem
Sehr geehrte Frau Ministerin Gorißen,
Ihre jüngsten Aussagen über Mountainbikerinnen und Mountainbiker im Wald haben viele von uns irritiert — nicht, weil wir uns gegen Kritik wehren wollen, sondern weil Ihre Worte ein verzerrtes Bild zeichnen, das einer sachlichen Auseinandersetzung im Weg steht.
Sie sagten: „Zum Beispiel rasen Mountainbike-Fahrende zunehmend ohne Rücksicht auf Verluste quer durch die Wälder. (…) Der Wald könne es nicht ertragen, wenn der Mensch dort Rennstrecken baue und die Rinden alter Bäume abreiße.“ [1]
Medial hat das für Schlagzeilen gesorgt, in denen von “Chaoten” und “Hooligans” die Rede ist - mit Bild eines Mountainbikers, der das Feindbild symbolisiert.
Die Gruppe der Mountainbiker in NRW wird immer größer und deren Interesse am Wald steht nicht im Widerspruch zum Naturschutz.
Im Gegenteil: Viele Mountainbikerinnen und Mountainbiker pflegen ein sehr bewusstes Verhältnis zur Natur, nicht zuletzt, weil sie selbst vom Zustand der Wälder abhängig sind. Beispielsweise engagieren sie sich bei Müllsammel- oder Aufforstungsaktionen und anderen Events mit gesellschaftlichen Mehrwert. [2] Einige von uns sind selbst Förster, Jäger, Baumpfleger oder in anderen waldnahen Berufen tätig – oft ist gerade diese berufliche Nähe zum Wald der Ursprung unserer Leidenschaft für den Sport. Umso unverständlicher ist es, wenn mit pauschalen Aussagen ein Klima erzeugt wird, in dem einzelne Forstbedienstete jede Fahrerin und jeden Fahrer grundsätzlich als Störfaktor betrachten. Diese Voreingenommenheit erleben viele von uns im Alltag — und sie hilft weder dem Miteinander noch dem Wald.
Gleichzeitig muss man die Frage stellen, welche Dringlichkeit in Ihrer Kritik wirklich steckt. Wenn einzelne Personen Rinde beschädigen, ist das selbstverständlich nicht wünschenswert. Aber vor welchen Herausforderungen steht unser Wald denn tatsächlich?
Wir erleben in NRW:
- Monokulturen, die dem Klima nicht mehr gewachsen sind,
- massiven Borkenkäferbefall,
- jahrelange Trockenheit,
- großflächige Fichtensterben,
- und eine überlastete Forstwirtschaft, die versucht, diese Aufgaben überhaupt noch zu bewältigen
Angesichts dieser existenziellen Probleme entsteht der Eindruck, Mountainbiker würden hier zu einem Symbolproblem stilisiert — ein Problem, das im Verhältnis zu den realen ökologischen Belastungen des Waldes verschwindend gering ist. Wenn politische Debatten von solchen Nebenschauplätzen dominiert werden, verlieren wir wertvolle Zeit, die wir eigentlich in echte Lösungen investieren sollten: klimaresiliente Mischwälder, nachhaltige Bewirtschaftung, bessere Finanzierung der Forstbetriebe und breite Umweltbildung.
Der Wald braucht Schutz — darüber herrscht Einigkeit. Aber wer Verantwortung ernst nimmt, muss auch Prioritäten richtig setzen. Ein gelegentlich abgerissener Streifen Rinde mag unschön sein; ein kollabierendes Waldökosystem ist eine Katastrophe.
Ich würde mir wünschen, dass Sie Mountainbikerinnen und Mountainbiker nicht als Gegner adressieren, sondern als Menschen, die ein großes Interesse an einem gesunden Wald haben. Ein echtes Miteinander zwischen Forst, Politik, Kommunen, Naturschutz und der wachsenden Mountainbike-Community. Offizielle, nachhaltig geplante Trails entlasten sensible Bereiche. Transparente Kommunikation schafft Verständnis. Gemeinsame Konzepte verhindern Konflikte, bevor sie entstehen. Was wir brauchen, ist Kooperation statt pauschaler Vorwürfe, Dialog statt Polarisierung und ein Blick auf die wahren Herausforderungen, die unsere Wälder bedrohen.
Mit freundlichen Grüßen
ein Mountainbiker aus Nordrhein-Westfalen
[2] https://deadpedalssociety.de/events-list
4.423
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Petition am 22. November 2025 erstellt