Offener Brief an Friedrich Merz. Keine Kürzungen in der Jugend- und Eingliederungshilfe

Aktuelle Unterzeichner*innen:
Justus Meller und 19 andere Personen haben kürzlich unterschrieben.

Das Problem

An

Bundeskanzleramt                                                                 Abs.:
Bundeskanzler                                                                       Petra Johanna Mack
Friedrich Merz                                                                                           

WillyBrandt-Straße 1              
10557 Berlin

 

Betr.: Ihre Rede beim Kommunalkongress bzgl. Ausgabenprüfungen im Sozialrecht – Kürzungen bei der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe

 

Guten Tag  Herr Merz,

heute schreibe ich Ihnen einen Brief, von dem ich nie gedacht hätte ihn einmal schreiben zu müssen. Nun formuliere ich diese Zeilen mit großer Wut und Enttäuschung, aber auch mit dem großem Stolz einer Mutter.

Sie wollen also die Kosten für inklusive Maßnahmen, vor allem in der Jugendhilfe, deutlich senken. Ich widerspreche Ihnen ausdrücklich, denn ihr Vorhaben ist nicht nur aus sozialpädagogischer und sozialrechtlicher Sicht, sondern auch aus ökonomischer Sicht katastrophal. Wenn jungen Menschen diese Hilfen verwehrt werden, führt das oftmals dazu, dass sie weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben und, im schlimmsten Fall, ihr ganzes Leben lang auf, auch finanzielle, Unterstützung angewiesen sind, da sie selten dem Arbeitsmarkt zugeführt werden können.

Werden Eingliederungshilfen und andere Maßnahmen/Hilfen gewährt, trägt das wiederum maßgeblich dazu bei, dass diese Menschen ihr Leben selbst (-ständig)  gestalten und einen wertvollen, nicht zu unterschätzenden Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten können.

Es ist uns durchaus bewusst, dass diese Maßnahmen kostenaufwändig sind, aber wie der Erfolg zeigt, sind diese Maßnahmen nicht nur notwendig, sonder auch absolut sinnvoll.

Ich erläutere ihnen das mal am Beispiel unseres Sohnes,  der mit der Diagnose ASS lebt und

lange Zeit als „unbeschulbar“ galt.  Nicht nur, aber auch, um ihm den Besuch der Regelschule weiterhin zu ermöglichen, suchten wir damals nach Hilfe und Unterstützung, die wir auch fanden. Unser Sohn und wir, als seine Eltern, bekamen in den folgenden Jahren Unterstützung u.a. durch

1.      Erziehungsberatungsstelle: Dort wurde das erste Mal der Verdacht einer Autismus-Spektrums-Störung geäußert. Man hat uns dort den Mut geschenkt, für unseren Sohn zu kämpfen und das Selbstbewusstsein nicht aufzugeben.  

2.       Die  Autismus-Beauftragte RLP:  Sie hat uns über all die Jahre begleitet, mitgelitten, mitgefiebert, uns Mut zugesprochen und uns, wenn nötig, aufgeklärt. Und natürlich war sie eine große Hilfe, wenn es um die Kommunikation mit der Schule ging.

3.      Verschiedene Schulbegleiter haben unserem Sohn geholfen den Schulalltag zu meistern. Wir wissen, dass das eine zum Teil sehr schwere Aufgabe war. Es war eine Herausforderung eine geeignete Schulbegleitung zu finden. Sie haben Ausdauer bewiesen und sie hatten Erfolg. Wir haben große Hochachtung vor dieser Leistung.   

4.      Psychosoziale Begleitung und Diagnostik brachte Licht in das Dunkel und die Diagnose, die uns unseren Sohn besser verstehen ließ. Für den Mut und die Zuversicht, die uns dort vermittelt wurde , sind wir ausgesprochen dankbar.

5.      Die  therapeutische Betreuung in einer Tagesstätte und die damit verbundene psychotherapeutische Begleitung, halfen unserem Sohn dabei sich selbst und andere besser zu verstehen, selbständig zu werden und sich mehr und mehr in eine Gemeinschaft einzufügen. Uns, als Eltern, gab sie nicht nur das Werkzeug an die Hand, unseren Sohn  weiterhin in Liebe zu begleiten. Sie hat auch unser Selbstbewusstsein und unseren Mut gestärkt. Die hier erworbene neue Selbständigkeit unseres Sohnes  wurde von der Schulbegleitung in Form der sozialpädagogischen Betreuungsgruppe der Schule weiter gefördert und liebevoll und engagiert unterstützt. Den Austausch auf Augenhöhe haben wir als sehr wohltuend empfunden.

6.      Außerdem wurden wir durch viele engagierte Lehrkräfte an Grundschule und IGS tatkräftig unterstützt. Sie alle waren immer sehr engagiert und darum bemüht unseren Sohn auf seinem Weg zu unterstützen. Für Ihr Engagement im Bezug auf die Kommunikation mit uns als Eltern, sind wir sehr dankbar. Wir haben dieses Vertrauensverhältnis und die liebevolle Begleitung sehr geschätzt.

7.       Einen Großteil der Kosten für diese Maßnahmen wurden von den sozialen Diensten übernommen. Hier wurde sich sehr für uns eingesetzt. Wir sind auch heute noch, sehr dankbar dafür, dass die Maßnahmen weiterhin unterstützt wurden, obwohl es zu Beginn nicht so aus sah, als ob wir Erfolg damit hätten. Und wir sind dankbar dafür, dass wir uns bei den sozialen Diensten nie wie Bittsteller gefühlt haben. Sondern, dass die Hilfeplangespräche auf Augenhöhe stattgefunden haben. Respekt ist etwas, das Eltern in so einer Situation gut tut und weiter hilft.                                                                                                               

Sie alle haben dazu beigetragen, dass unser Sohn seinen, mitunter sehr schweren, Weg gefunden und geschafft hat. Ihnen allen gilt unser herzlichster Dank, denn ohne Sie hätte unser Sohn, hätten wir, es nicht geschafft. Und auch, wenn diese Hilfen anfangs nur zögerlich Erfolg versprachen, hat es doch gelohnt daran festzuhalten.  Denn unser Sohn hat 2021 sein Abitur bestanden und absolviert zur  Zeit seine Ausbildung im IT-Bereich bei unserer Stadtverwaltung.                                                                                                      

Ich wiederhole mich noch einmal: Es ist uns durchaus bewusst, dass diese Maßnahmen kostenaufwändig waren, aber wie der Erfolg zeigt, waren die Maßnahmen nicht nur notwendig, sonder auch absolut sinnvoll.

Vielleicht kann ich ihnen Herr Merz hiermit einen kleinen Denkanstoß geben , ihre Aussagen noch einmal zu überdenken und sich gegebenenfalls fachkompetente Beratung einzuholen. 

Beste Grüße

Petra Johanna Mack

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Bundeskanzler                                                                       Petra Johanna Mack
Friedrich Merz                                                                                           

WillyBrandt-Straße 1              
10557 Berlin

 

Betr.: Ihre Rede beim Kommunalkongress bzgl. Ausgabenprüfungen im Sozialrecht – Kürzungen bei der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe

 

Guten Tag  Herr Merz,

heute schreibe ich Ihnen einen Brief, von dem ich nie gedacht hätte ihn einmal schreiben zu müssen. Nun formuliere ich diese Zeilen mit großer Wut und Enttäuschung, aber auch mit dem großem Stolz einer Mutter.

Sie wollen also die Kosten für inklusive Maßnahmen, vor allem in der Jugendhilfe, deutlich senken. Ich widerspreche Ihnen ausdrücklich, denn ihr Vorhaben ist nicht nur aus sozialpädagogischer und sozialrechtlicher Sicht, sondern auch aus ökonomischer Sicht katastrophal. Wenn jungen Menschen diese Hilfen verwehrt werden, führt das oftmals dazu, dass sie weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben und, im schlimmsten Fall, ihr ganzes Leben lang auf, auch finanzielle, Unterstützung angewiesen sind, da sie selten dem Arbeitsmarkt zugeführt werden können.

Werden Eingliederungshilfen und andere Maßnahmen/Hilfen gewährt, trägt das wiederum maßgeblich dazu bei, dass diese Menschen ihr Leben selbst (-ständig)  gestalten und einen wertvollen, nicht zu unterschätzenden Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten können.

Es ist uns durchaus bewusst, dass diese Maßnahmen kostenaufwändig sind, aber wie der Erfolg zeigt, sind diese Maßnahmen nicht nur notwendig, sonder auch absolut sinnvoll.

Ich erläutere ihnen das mal am Beispiel unseres Sohnes,  der mit der Diagnose ASS lebt und

lange Zeit als „unbeschulbar“ galt.  Nicht nur, aber auch, um ihm den Besuch der Regelschule weiterhin zu ermöglichen, suchten wir damals nach Hilfe und Unterstützung, die wir auch fanden. Unser Sohn und wir, als seine Eltern, bekamen in den folgenden Jahren Unterstützung u.a. durch

1.      Erziehungsberatungsstelle: Dort wurde das erste Mal der Verdacht einer Autismus-Spektrums-Störung geäußert. Man hat uns dort den Mut geschenkt, für unseren Sohn zu kämpfen und das Selbstbewusstsein nicht aufzugeben.  

2.       Die  Autismus-Beauftragte RLP:  Sie hat uns über all die Jahre begleitet, mitgelitten, mitgefiebert, uns Mut zugesprochen und uns, wenn nötig, aufgeklärt. Und natürlich war sie eine große Hilfe, wenn es um die Kommunikation mit der Schule ging.

3.      Verschiedene Schulbegleiter haben unserem Sohn geholfen den Schulalltag zu meistern. Wir wissen, dass das eine zum Teil sehr schwere Aufgabe war. Es war eine Herausforderung eine geeignete Schulbegleitung zu finden. Sie haben Ausdauer bewiesen und sie hatten Erfolg. Wir haben große Hochachtung vor dieser Leistung.   

4.      Psychosoziale Begleitung und Diagnostik brachte Licht in das Dunkel und die Diagnose, die uns unseren Sohn besser verstehen ließ. Für den Mut und die Zuversicht, die uns dort vermittelt wurde , sind wir ausgesprochen dankbar.

5.      Die  therapeutische Betreuung in einer Tagesstätte und die damit verbundene psychotherapeutische Begleitung, halfen unserem Sohn dabei sich selbst und andere besser zu verstehen, selbständig zu werden und sich mehr und mehr in eine Gemeinschaft einzufügen. Uns, als Eltern, gab sie nicht nur das Werkzeug an die Hand, unseren Sohn  weiterhin in Liebe zu begleiten. Sie hat auch unser Selbstbewusstsein und unseren Mut gestärkt. Die hier erworbene neue Selbständigkeit unseres Sohnes  wurde von der Schulbegleitung in Form der sozialpädagogischen Betreuungsgruppe der Schule weiter gefördert und liebevoll und engagiert unterstützt. Den Austausch auf Augenhöhe haben wir als sehr wohltuend empfunden.

6.      Außerdem wurden wir durch viele engagierte Lehrkräfte an Grundschule und IGS tatkräftig unterstützt. Sie alle waren immer sehr engagiert und darum bemüht unseren Sohn auf seinem Weg zu unterstützen. Für Ihr Engagement im Bezug auf die Kommunikation mit uns als Eltern, sind wir sehr dankbar. Wir haben dieses Vertrauensverhältnis und die liebevolle Begleitung sehr geschätzt.

7.       Einen Großteil der Kosten für diese Maßnahmen wurden von den sozialen Diensten übernommen. Hier wurde sich sehr für uns eingesetzt. Wir sind auch heute noch, sehr dankbar dafür, dass die Maßnahmen weiterhin unterstützt wurden, obwohl es zu Beginn nicht so aus sah, als ob wir Erfolg damit hätten. Und wir sind dankbar dafür, dass wir uns bei den sozialen Diensten nie wie Bittsteller gefühlt haben. Sondern, dass die Hilfeplangespräche auf Augenhöhe stattgefunden haben. Respekt ist etwas, das Eltern in so einer Situation gut tut und weiter hilft.                                                                                                               

Sie alle haben dazu beigetragen, dass unser Sohn seinen, mitunter sehr schweren, Weg gefunden und geschafft hat. Ihnen allen gilt unser herzlichster Dank, denn ohne Sie hätte unser Sohn, hätten wir, es nicht geschafft. Und auch, wenn diese Hilfen anfangs nur zögerlich Erfolg versprachen, hat es doch gelohnt daran festzuhalten.  Denn unser Sohn hat 2021 sein Abitur bestanden und absolviert zur  Zeit seine Ausbildung im IT-Bereich bei unserer Stadtverwaltung.                                                                                                      

Ich wiederhole mich noch einmal: Es ist uns durchaus bewusst, dass diese Maßnahmen kostenaufwändig waren, aber wie der Erfolg zeigt, waren die Maßnahmen nicht nur notwendig, sonder auch absolut sinnvoll.

Vielleicht kann ich ihnen Herr Merz hiermit einen kleinen Denkanstoß geben , ihre Aussagen noch einmal zu überdenken und sich gegebenenfalls fachkompetente Beratung einzuholen. 

Beste Grüße

Petra Johanna Mack

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