

Offener Brief an das Präsidium der Universität Witten/Herdecke


Offener Brief an das Präsidium der Universität Witten/Herdecke
Das Problem
Sehr geehrter Herr Prof. Butzlaff, sehr geehrtes Präsidium,
in den vergangenen Tagen haben viele mit Schrecken die mediale Präsenz der Universität Witten/Herdecke verfolgt. Zum wiederholten Male droht die Universität durch (geplante) Veranstaltungen zur akademischen Bühne für Querdenker:innen und Verschwörungsideolog:innen zu werden. Wir erinnern uns an die geplante Einladung von Wolfgang Wodarg, die nur auf Initiative einiger Studierender verhindert werden konnte und an den unrühmlichen Auftritt des Verschwörungsideologen Daniele Ganser im Jahr 2015.
Mit der angekündigten Veranstaltung zur Corona-Pandemie unter Teilnahme von Frau Guérot und insbesondere Herrn Homburg ist für die Universität Witten/Herdecke ein neuer Tiefpunkt erreicht.
Prof. Guérot äußert sich in öffentlichen Diskussionen wiederholt bewusst irreführend oder schlicht falsch. Sie stellte vermeintlich durch wissenschaftliche Untersuchungen gedeckte Behauptungen auf, deren Richtigkeit im Moment der Diskussion nicht direkt überprüft werden kann, die sich aber im Nachhinein als vollkommen falsch herausstellten. So behauptete Frau Guérot beispielsweise im österreichischen Fernsehen eine Studie habe ergeben, dass nicht-geimpfte Personen oft sehr viel besser informiert seien als geimpfte Personen. Die Studie, auf welche sie sich hier bezog, besagte aber eher das Gegenteil (vgl. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ulrike-guerot-ist-eine-heldin-der-querdenkerszene-in-ihrem-buch-plagiiert-sie-18079968.html?premium=0x38ab26979a3882fcf97546032c01d5cb&GEPC=s9 und: https://www.zeit.de/kultur/2022-08/ulrike-guerot-plagiat-politik-professorin
Da man einer Universitätsprofessorin zutrauen kann, die Aussage einer solchen Studie zu verstehen, ist anzunehmen, dass Frau Guérot in bad faith und bewusst irreführend argumentiert. Die faschistoid anmutenden Auszüge aus ihrem Buch, die zunächst auf der Verschwörungstheorieplattform Rubikon veröffentlicht wurden, sind schon vielerorts zitiert worden und sollen hier nicht noch einmal wiedergegeben werden.
Prof. Homburgs Historie von selektiven, bewusst irreführenden oder falschen Aussagen ist gut dokumentiert (vgl. z.B. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/corona-verschwoerung-stefan-homburg-1.4906380 ebenso seine Tendenz zu einem antisemitisch-verschwörungstheoretischen Weltbild (vgl. https://www.volksverpetzer.de/hintergrund/homburg-antisemitische/ Er setzte die Situation im Mai 2020 mit der in Deutschland 1933 gleich (Zitat: „Das hier IST 1933.“ https://twitter.com/shomburg/status/1262097269295382528?lang=de und stellte die Frage nach einer „Bundeskristallnacht“ (https://www.tagesschau.de/investigativ/bhakdi-antisemitismus-103.html Damit relativiert Homburg die Shoah und das Dritte Reich in unverantwortlicher Weise.
Mit den eingeladenen Gästen war in dem geplanten Format eine wissenschaftliche und erkenntnisorientierte Diskussion wohl nie möglich noch je nötig. Sie sind allerdings für jede Bühne dankbar, die ihnen diesen Anschein gibt.
Nun ist die Veranstaltung glücklicherweise auf steigenden öffentlichen Druck hin abgesagt worden, man muss aber fragen: Aus welchem Grund? Sie, das Präsidium der Universität Witten/Herdecke, lassen verlauten, dass zu wenig kritische Wissenschaftler:innen im Kreis der Referent:innen verblieben seien. Was die Frage aufwirft, ob die beschriebenen Positionen der Referent:innen Guérot und Homburg unproblematischer würden, wenn eine ausreichende Zahl anderer Referent:innen zugegen gewesen wäre? Menschen wie Stefan Homburg sollten an unserer Universität unter keinen Umständen willkommen sein, ob mit oder ohne Gegenredner:in. Wer in seinen Aussagen die Corona-Politik mit dem Dritten Reich gleichsetzt und so die Shoah in unverantwortlicher Weise verharmlost, hat an einer Universität nichts verloren. Aussagen der Art wie sie Prof. Homburg getätigt hat, sollten als Kriterium für ein Einladungsverbot an eine Universität reichen, egal in welchem Format.
Als Studierende, Mitarbeitende und Alumni/Alumnae macht uns diese Situation Sorgen. Wenn die Universität, mit der man ein Leben lang in Verbindung gebracht wird, sich immer wieder durch mangelnde Klarheit in der Distanz zu Wissenschaftsleugner:innen und Verschwörungsideolog:innen medial hervortut, ist das für uns ein Problem. Wir erwarten von der Universitätsleitung erstens eine klare Positionierung gegen die erfolgte Einladung der Referent:innen Guérot und Homburg und zweitens, dass in Zukunft strenger darauf geachtet wird, den wissenschaftlichen und moralischen Charakter der Universität in ihren Einladungen und Veranstaltungen zu bewahren.
Mit Hoffnung auf einen mutigen Stand der Uni gegen Wissenschaftsverwässerung verbleiben wir mit herzlichen Grüßen
die Erstunterzeichner:innen:
Lukas Nehlsen, Alumnus, wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialphilosophie und Ethik im Gesundheitswesen
Joe de Haas, Alumnus
Lea Hesse, Alumna
Thilo Bremer, Alumnus
Fabio Schojan, Alumnus
Finn Schmidt, Alumnus
Johannes Bungenstab, Alumnus
Johannes Theis, Alumnus
Jolinde Hüchtker, Alumna
Anton Peter, Alumnus
Carolin Flieser, Studentin, überfakultäre Senatsvertreterin und Vorsitzende des Studierendenrats
Karen Fahlbusch, Studentin, Senatsvertreterin Fakultät für Gesundheit
Constantin Loy, Student, Senatsvertreter Fakultät für Wirtschaft und Gesellschaft
Maya Maihack, Studentin, Senatsvertreterin Witten Lab Zentrum Studium fundamentale
Paul Jäger, Alumnus
Valentin Ihßen, Alumnus
Rebecca Otto, Studentin
Dr. Christine Dunger, Alumna, wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sozialphilosophie und Ethik im Gesundheitswesen
Rose de Haas-Link, Studentin
Tonka Winter, Studentin
Gabriel Biering, Alumnus
Konrad Zöckler, Alumnus
Georg Weithauer, Alumnus
Lukas Witte, Alumnus

Das Problem
Sehr geehrter Herr Prof. Butzlaff, sehr geehrtes Präsidium,
in den vergangenen Tagen haben viele mit Schrecken die mediale Präsenz der Universität Witten/Herdecke verfolgt. Zum wiederholten Male droht die Universität durch (geplante) Veranstaltungen zur akademischen Bühne für Querdenker:innen und Verschwörungsideolog:innen zu werden. Wir erinnern uns an die geplante Einladung von Wolfgang Wodarg, die nur auf Initiative einiger Studierender verhindert werden konnte und an den unrühmlichen Auftritt des Verschwörungsideologen Daniele Ganser im Jahr 2015.
Mit der angekündigten Veranstaltung zur Corona-Pandemie unter Teilnahme von Frau Guérot und insbesondere Herrn Homburg ist für die Universität Witten/Herdecke ein neuer Tiefpunkt erreicht.
Prof. Guérot äußert sich in öffentlichen Diskussionen wiederholt bewusst irreführend oder schlicht falsch. Sie stellte vermeintlich durch wissenschaftliche Untersuchungen gedeckte Behauptungen auf, deren Richtigkeit im Moment der Diskussion nicht direkt überprüft werden kann, die sich aber im Nachhinein als vollkommen falsch herausstellten. So behauptete Frau Guérot beispielsweise im österreichischen Fernsehen eine Studie habe ergeben, dass nicht-geimpfte Personen oft sehr viel besser informiert seien als geimpfte Personen. Die Studie, auf welche sie sich hier bezog, besagte aber eher das Gegenteil (vgl. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ulrike-guerot-ist-eine-heldin-der-querdenkerszene-in-ihrem-buch-plagiiert-sie-18079968.html?premium=0x38ab26979a3882fcf97546032c01d5cb&GEPC=s9 und: https://www.zeit.de/kultur/2022-08/ulrike-guerot-plagiat-politik-professorin
Da man einer Universitätsprofessorin zutrauen kann, die Aussage einer solchen Studie zu verstehen, ist anzunehmen, dass Frau Guérot in bad faith und bewusst irreführend argumentiert. Die faschistoid anmutenden Auszüge aus ihrem Buch, die zunächst auf der Verschwörungstheorieplattform Rubikon veröffentlicht wurden, sind schon vielerorts zitiert worden und sollen hier nicht noch einmal wiedergegeben werden.
Prof. Homburgs Historie von selektiven, bewusst irreführenden oder falschen Aussagen ist gut dokumentiert (vgl. z.B. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/corona-verschwoerung-stefan-homburg-1.4906380 ebenso seine Tendenz zu einem antisemitisch-verschwörungstheoretischen Weltbild (vgl. https://www.volksverpetzer.de/hintergrund/homburg-antisemitische/ Er setzte die Situation im Mai 2020 mit der in Deutschland 1933 gleich (Zitat: „Das hier IST 1933.“ https://twitter.com/shomburg/status/1262097269295382528?lang=de und stellte die Frage nach einer „Bundeskristallnacht“ (https://www.tagesschau.de/investigativ/bhakdi-antisemitismus-103.html Damit relativiert Homburg die Shoah und das Dritte Reich in unverantwortlicher Weise.
Mit den eingeladenen Gästen war in dem geplanten Format eine wissenschaftliche und erkenntnisorientierte Diskussion wohl nie möglich noch je nötig. Sie sind allerdings für jede Bühne dankbar, die ihnen diesen Anschein gibt.
Nun ist die Veranstaltung glücklicherweise auf steigenden öffentlichen Druck hin abgesagt worden, man muss aber fragen: Aus welchem Grund? Sie, das Präsidium der Universität Witten/Herdecke, lassen verlauten, dass zu wenig kritische Wissenschaftler:innen im Kreis der Referent:innen verblieben seien. Was die Frage aufwirft, ob die beschriebenen Positionen der Referent:innen Guérot und Homburg unproblematischer würden, wenn eine ausreichende Zahl anderer Referent:innen zugegen gewesen wäre? Menschen wie Stefan Homburg sollten an unserer Universität unter keinen Umständen willkommen sein, ob mit oder ohne Gegenredner:in. Wer in seinen Aussagen die Corona-Politik mit dem Dritten Reich gleichsetzt und so die Shoah in unverantwortlicher Weise verharmlost, hat an einer Universität nichts verloren. Aussagen der Art wie sie Prof. Homburg getätigt hat, sollten als Kriterium für ein Einladungsverbot an eine Universität reichen, egal in welchem Format.
Als Studierende, Mitarbeitende und Alumni/Alumnae macht uns diese Situation Sorgen. Wenn die Universität, mit der man ein Leben lang in Verbindung gebracht wird, sich immer wieder durch mangelnde Klarheit in der Distanz zu Wissenschaftsleugner:innen und Verschwörungsideolog:innen medial hervortut, ist das für uns ein Problem. Wir erwarten von der Universitätsleitung erstens eine klare Positionierung gegen die erfolgte Einladung der Referent:innen Guérot und Homburg und zweitens, dass in Zukunft strenger darauf geachtet wird, den wissenschaftlichen und moralischen Charakter der Universität in ihren Einladungen und Veranstaltungen zu bewahren.
Mit Hoffnung auf einen mutigen Stand der Uni gegen Wissenschaftsverwässerung verbleiben wir mit herzlichen Grüßen
die Erstunterzeichner:innen:
Lukas Nehlsen, Alumnus, wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialphilosophie und Ethik im Gesundheitswesen
Joe de Haas, Alumnus
Lea Hesse, Alumna
Thilo Bremer, Alumnus
Fabio Schojan, Alumnus
Finn Schmidt, Alumnus
Johannes Bungenstab, Alumnus
Johannes Theis, Alumnus
Jolinde Hüchtker, Alumna
Anton Peter, Alumnus
Carolin Flieser, Studentin, überfakultäre Senatsvertreterin und Vorsitzende des Studierendenrats
Karen Fahlbusch, Studentin, Senatsvertreterin Fakultät für Gesundheit
Constantin Loy, Student, Senatsvertreter Fakultät für Wirtschaft und Gesellschaft
Maya Maihack, Studentin, Senatsvertreterin Witten Lab Zentrum Studium fundamentale
Paul Jäger, Alumnus
Valentin Ihßen, Alumnus
Rebecca Otto, Studentin
Dr. Christine Dunger, Alumna, wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sozialphilosophie und Ethik im Gesundheitswesen
Rose de Haas-Link, Studentin
Tonka Winter, Studentin
Gabriel Biering, Alumnus
Konrad Zöckler, Alumnus
Georg Weithauer, Alumnus
Lukas Witte, Alumnus

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Petition am 12. Oktober 2022 erstellt